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Setz‘ dich zu uns, nimm einen Krug und deine Gwintkarten in die Hand. Es sind schwere Zeiten, in denen du zu uns gestoßen bist. Wir schreiben das Jahr 1273 und das Feuer der Hexenjagd hat schon viele Menschenleben verschlungen. Egal ob Mensch, Mutant oder Anderling: Es wird Zeit, dich für eine Seite zu entscheiden. Schmiede mit uns das Schwert des Schicksals neu und verändere mit uns die Politik, um Geschichte zu schreiben.
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The Square › Silver & Steel › Redanien
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Drazan
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#1
23.10.2021, 20:46
Es war alleine eine Herausforderung, in Oxenfurt einzudringen. Schließlich wurde die Stadt bereits nun längere Zeit von Radovid dem Strengen besetzt gehalten, das hieß Hexenjäger und Kontrollen wo das Auge nur hinsah. Er war nicht fahrlässig genug, sich einfach in die Stadt zu teleportieren und als Esterad konnte er auch nicht in Erscheinung treten, würde ein Weinhändler doch niemals die Bibliothek der Akademie aufsuchen. Er tarnte sich daher als junger Student, eine hübsche Illusion – rote Haare, grüne Augen, etwas runderes Gesicht und eine feine Nase überzeugten eigentlich die meisten das man von dem jungen Tom nichts zu erwarten hatte. Erhebliche Summen Geld musste er dafür ausgeben, über Strohmänner eine Durchreisegenehmigung zu erlangen mit denen er schließlich die einfachen Büttel der redanischen Armee überzeugen konnte ihn durchzulassen. Zu Fuß hatte er sich dann über den Marktplatz begeben, war etwas geschlendert um etwaige Verfolger abzuschütteln und schließlich stand er in einer Seitengasse vor der Akademie.

Hier hatte er sich mit Philippa Eilhardt verabredet, nun, nicht direkt. Sie hatte versprochen eine Vertreterin zu schicken um sich die Sache gemeinsam anzusehen. Forschte er für die meistgesuchteste Zaubererin des Nordens schließlich nach wie vor, wie es gelingen könnte das von Radovid genommene Augenlicht wiederherzustellen. Es gab insgesamt vier nennenswerte Bibliotheken, die bei solchen schwierigen Sachverhalten eine Anlaufstelle bilden könnten. Da wäre zum einen Oxenfurt zu nennen, die nilfgaardische Akademie, die Akademie von Ard Carraigh und Aretusa. Drei dieser Einrichtungen wurden von Radovid oder seinen Hilfsmännern bereits erwischt, während der Weg nach Nilfgaard zu weit war um spontan vorbeizuschneien. Außerdem hatte er die Bücher bereits vor seiner Abreise studiert, was nicht sehr ergebnisreich war, Unterlagen sie doch der Zensur des Reiches. Zwar wurde vieles von den Hexenjägern zerstört, allerdings hatte er aus gut informierten Quellen erfahren, das es dennoch einige Überbleibsel in den Regalen der Akademie gab die es wert waren zu studieren. Zumal er vor allem nach alchemistischen Texten suchte, welche möglicherweise nicht allzu sehr Opfer der radovidschen Inquisition geworden sind. Kurzerhand blickte er auf seine silberne Taschenuhr, wartend wer ihm wohl präsentiert werden würde. Philippa hatte eine Vielzahl von Adjutanten und Lehrlingen, wohl auch diversester Herkunft soweit er wusste. Es war fraglich wie viele nach ihrem Fall von ihrer Position als Beraterin noch übriggeblieben sind. Generell gab es so einige Gerüchte was ihre Adjutanten anging, von Liebschaften mit den weiblichen Lehrlingen bis hin zu verschiedenen Spielen die allesamt etwas…seltsam klingen. Natürlich wusste er wie jeder gute Spieler um den Wert solcher Gerüchte, privat interessierten sie ihn allerdings keinesfalls. Es dauerte und dauerte, vermutlich wurde Philippas Vertreter ebenso aufgehalten wie er. Kurz überlegte er, seine Illusion abzulegen damit man ihn erkannte – allerdings war ihm das Risiko durchaus zu groß.

Nach einigen weiteren langen Minuten hörte er schließlich Schritte hinter sich, er drehte sich in der Gasse um – erwartend irgendjemand anzublicken, nur diese eine Person nicht, war er doch nicht gerade begeistert von dem Anblick der sich bot. Vermutlich beinhaltet dieser Satz auch sogleich die Begründung, warum dem so war: Es war eine ehemalige Studentin der Akademie Nilfgaards die er nur allzu gut kannte, hatte er doch überdurchschnittlich viel Zeit mit ihr verbracht nur um am Ende die Avancen der jungen Dame in den Wind zu schlagen, überblendet von wissenschaftlicher Neugier. Gewiss war er damals noch ein wenig…kälter als er dies mittlerweile war, hatte es Saskia doch geschafft ihn etwas anzutauen, zumindest soweit zu erkennen was er damals angerichtet hat. Ohne eine weitere Vorstellung zu benötigen grüßte er also recht trocken mit: „Aelies. Ich wusste gar nicht dass du mittlerweile für Philippa unterwegs bist.“ Er lächelte sacht, wenn auch mit der Gewissheit das es anfangs unerwidert bleiben würde. „Es ist…jedenfalls eine Überraschung dich zu sehen.“ Dabei ließ er offen, wer sich hinter der Illusion verbarg – auch wenn er doch meinen müsste, sie gut genug ausgebildet zu haben das sie solch eine leichte Fassade leicht durchblicken konnte. Er erinnerte sich nur zu gut daran, wie er sie bei einem Forschungsprojekt unterstützt hatte das ihn bald mehr fesselte als sie, weswegen er ihr auch erheblich unter die Arme griff. Leider nur in einem metaphorischen Sinne, kamen ihm doch mehrere direkte und indirekte Versuche in den Kopf den Lehrmeister zumindest einmal fernab der Bücher treffen zu können, welche Drazan allesamt in den Wind schlug. Einen Tee würde er heute vermutlich nicht mehr ausschlagen, mehr allerdings schon. Zauberer waren in der Beziehung furchtbar direkte Wesen – eine Eigenschaft, in der er ausnahmsweise einmal wirklich herausstach.
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#2
23.10.2021, 20:46
Bereits seit ihrer Ankunft in Novigrad hatte Elsbeth auf eine Gelegenheit gelauert, Oxenfurt besuchen zu können. Dass sie ausgerechnet unter diesen widrigen Umständen in die berühmte Stadt reisen musste, hatte ihre anfängliche Euphorie jedoch schnell wieder abflachen lassen. Zusammen mit der jüngsten Tochter der Hamwerts, die am Beginn des Monats gerade ihre Verlobung gefeiert hatte und drei ihrer halbgaren Freundinnen hatte man sie in das selbsternannte Wissenszentrum der Nordlande geschickt – um dort einen der vermeintlich besten Schneider Redaniens zu besuchen und die Auswahl des Brautkleides zu treffen. Warum ausgerechnet Elsbeth die deutlich jüngeren Frauen begleiten musste, hatte sich ihr bis zuletzt nicht erschlossen, hätte Philippa ihr nicht wenige Momente vor der Abreise die sparsamen Eckdaten zugesteckt, die den wahren Grund für ihre Reise offenbarte, der wenig gesellschaftliche Verpflichtungen beinhaltete sondern vielmehr auf die Beschaffung handfester, möglichst hilfreicher Informationen zur Widerherstellung ihres Augenlichts aus war. Dies wiederum hatte sie positiv gestimmt, auch wenn sie die gezwungene Gesellschaft der feinen Damen schon ab dem Moment, in dem sie sich auf das weiche Polster im inneren der Kutsche sinken ließ, nur mit äußerster Anstrengung ertrug. Bereits auf dem Weg in die Stadt hatte sie angedeutet, sich krank zu fühlen und sich mit dieser Ausrede sowohl um den Besuch als um das gemeinsame Flanieren durch die Stadt gedrückt. Offiziell verbrachte sie den Tag im Bett, ließ sich gerade zu einem gemeinschaftlichen Abendessen hinreißen und nutzte schließlich die schlaflosen, einsamen Stunden vor der Dämmerung, um sich ein Bild über die Stadt zu verschaffen und bereits eine Vorstellung über den Treffpunkt für den nächsten Tag zu bekommen sowie einen ersten Blick auf die Akademie zu werfen, die sie sich deutlich imposanter vorgestellt hatte und die ihr wenig Begeisterung abverlangte.

Den nächsten Tag hatte sie widerwillig mit den drei Mädchen verbracht, die gemeinsam einen kompletten Straßenzug mit ihrer Lautstärke unterhalten konnten und Elsbeth das Gefühl gaben, ihre Ohren würden im nächsten Moment anfangen zu bluten. Der stete Redefluss über Nichtigkeiten und die alltäglichen Probleme verwöhnter, zu nichts taugenden Töchter reicher Männer bereitete ihr Kopfschmerzen und so hatte sie sich kurz nach dem Abendessen fluchtartig mit der Andeutung, einen Bekannten besuchen zu wollen, aus der Verantwortung gezogen, ihre Gesprächen in dem kleinen Salon weiter ertragen zu müssen und ihnen mit dieser Ausrede genug Gesprächsstoff bis zum Einschlafen gegeben. Immerhin hatte man ihr ein eigenes Zimmer im Gasthaus gegönnt, in dem sie sich ohne weitere Nachfragen deutlich zweckmäßiger anziehen konnte, als der „Besuch eines Bekannten“ es eigentlich bedurfte. Es war ungewohnt, nach der langen Zeit, die sie die Rolle der Hiboulliard-Nichte spielte, wieder in eine Alltagskleidung zu steigen, die nicht aus langen Kleidern, schweren Stoffen und luftabschnürenden Corsagen bestand, auf die Philippa für ihre Maskerade so viel Wert legte. In den schwarzen, engen Hosen, der schlichten schwarzen Bluse, über die sie ein ebenso dunkles Mieder geschnürt hatte, weil sie sich sonst nicht mehr komplett angezogen fühlte, hätte sie wohl kaum jemand in Novigrad erkannt, zumal auch der fast schon verspielte Knoten, in dem sie ihre Haare am Morgen gesteckt hatte, einem deutlich praktischerem, locker geflochtenem Zopf gewichen war. Spätestens, als sie in die leichten, halbhohen Stiefel aus Leder schlüpfte, fühlte sie sich ein wenig in der Zeit zurückversetzt, in der sich ihr Leben in den Kellern der nilfgaardischen Akademie abgespielt hatte. Damals hatte sie die unwissenden, leichtgläubigen und vergleichsweise ungebildeten feinen Damen in ihrem feinen Zwirn auf der Straße verspottet. Heute gehörte sie gezwungenermaßen dazu und war mittendrin statt nur dabei. Umso wohler fühlte sie sich jetzt in den bequemen Stoffen, die ihr eine Bewegungsfreiheit gaben, deren Fehlen ihr in der letzten Zeit gar nicht bewusst gewesen war. Sie räkelte genüsslich die Schultern und streckte sich ausgiebig, ehe sie die wenigen Dinge, die sie für wichtig hielt, zusammensammelte. Eine unscheinbare, kleine Ledermappe, in der sie ein paar Fläschchen verbargen, fand den Weg an den Gürtel ebenso wie ein schmaler Dolch, der für sie weniger Waffe als praktisches Werkzeug war. In die Innenseite des Umhangs, den sie sich zum Schutz vor der nächtlichen Kälte über die Schultern legte, steckte sie ihren Passierschein, den ihr Vater Hamwert besorgt hatte – für den Fall der Fälle. Viel mehr meinte sie für das Vorhaben nicht zu benötigen – den Rest würde sie ohne handfestes Material erledigen können. Im Vorbeigehen griff sie noch nach den leicht gefütterten Handschuhen, die sie ordentlich auf der kleinen Kommode neben der Tür gelegt hatte und verließ das Gasthaus schnell, unauffällig und ungesehen.
Ihre beschwingten Schritte durch die Straße deuteten bereits an, dass sie sich auf das Kommende durchaus freute. Es war eine bitternötige Abwechslung in ihrem durchgeplanten und durchgetakteten Alltagstrott, den das Leben in der Oberschicht Novigrads mit sich brachte und auch wenn sie nicht ahnte, wen sie als Hilfe und Unterstützung von Philippa an die Seite gestellt kam, war sie zuversichtlich, am heutigen Abend endlich mal wieder etwas aufregendes und bedeutsameres zu tun, als sich irgendwo auf einer wichtigen Veranstaltung in Novigrad das Ohr abkauen zu lassen. Dass sie ein wenig spät dran war, wusste sie nicht – sie gehörte nicht zu den Leuten, die ständig die Uhr im Blick hatten und die sich generell nur selten darum scheren musste, pünktlich zu sein – das übernahm doch eher die Dienerschaft, an die sie sich so unglaublich schnell gewöhnt hatte.

Sie bewegte sich wesentlich unbedarfter und unvorsichtiger durch die Straßen und Gassen Oxenfurts, als sie es in Novigrad um diese Zeit getan hätte. Hier kannte man sie nicht, war es auch nichts Ungewöhnliches, dass junge Frauen es sich wagten, allein durch die Stadt zu ziehen. Geprägt von den Schülern und Studenten der Akademie herrschte hier deutlich mehr Freiheitsgefühl und weniger allgegenwärtige Sorge als in der freien Nachbarstadt, das hatte sie wohlwollend bereits bei ihrer Ankunft hier bemerkt. Sie nickte amüsiert zwei jungen Männern, die ihren Weg kreuzten und dabei schon dezent schwankten, zu, ehe sie die letzte Abbiegung nahm und in den Schatten der schmalen Gasse tauchte – den vereinbarten Treffpunkt.
Schon auf den ersten Blick, den sie auf die Gestalt in der Mitte der Gasse werfen konnte, wurde sie misstrauisch und verlangsamte ihre Schritte ein wenig. Sie bildete sich mittlerweile ein, Philippas Geschmack zu kennen und dieser junge Mann, der sich nun zu ihr umdrehte, entsprach dem Schema der Menschen, mit denen sie sich aus eigenem Willen umgab, nun gar nicht. Zu unauffällig, zu durchschnittlich, zu… einfach. Ihre Skepsis war ihr deutlich anzusehen, selbst in dem schummrigen, kaum erwähnenswerten Licht der Laternen und hielt sich auch hartnäckig auf ihren blassen Zügen, als der Rothaarige sich umwandte. In höflicher Distanz stoppte sie ihre Schritte, um auf seine Begrüßung hin noch argwöhnischer dreinzublicken. Es brauchte einen Moment, ehe sie es wagte, den Illusionszauber ihres Gegenübers mit einer schnellen, unspektakulären Handbewegung zu lösen, da sie reichlich alarmiert darüber war, dass sie jemand mit ihrem richtigen Namen ansprach. Dass sich ausgerechnet Drazan Ehrendorn hinter der wenig beeindruckenden Fassade verbarg, ließ sie scharf Luftholen – um die Luft dann mit einem fast schon amüsierten Schnauben wieder auszuatmen. Auch sie war im ersten Augenblick wenig begeistert über das ungeplante Wiedersehen. „Drazan.“, stellte sie dann nüchtern mit einem fast ungläubigen, leichten Kopfschütteln fest. „Ich habe viele Gerüchte über deinen Verbleib gehört. Ich habe eine gute Summe darauf gewettet, dass du dich zur Ruhe gesetzt hast und ein Buch über deine glorreichen Erfolge im Krieg schreibst.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust, musterte ihren damaligen Lehrmeister abschätzend von oben bis unten und dachte zurück an die Zeit, in der er ihr das jugendliche, unbedarfte Herz gebrochen, weil er ihre Schwärmerei für ihn nicht erwidert hatte. Heute konnte sie selbst darüber Schmunzeln, damals hatte sie seine Zurückweisung, wenn man das kalte Ignorieren ihrer Offerten denn so nennen konnte, wirklich getroffen und sie in eine kurzweilige Lebenskrise getrieben. Doch das war lange her und sie hatte gelernt und akzeptiert, dass Drazan ein egozentrisches Arschloch war und in den vergangenen Jahren kaum einen Gedanken mehr an ihn verschwendet. Umso erstaunlicher fand sie es, dass ausgerechnet er sich offenbar auf Philippa Eilhart eingelassen hatte. Sie zuckte bemüht gleichgültig mit den Schultern, als er die Zauberin ansprach. „Ich habe damals schon gesagt, dass wir uns nicht unähnlich sind. Aber was hat Philippa dir denn angeboten, dass du Emhyrs Dunstkreis verlassen hast?“ Sie bemühte sich um einen neutralen Tonfall, der angefressene Blick aus ihren Augen sprach jedoch deutlich dafür, dass ihr die Erinnerung an sein vergangenes Verhalten gar nicht so egal war, wie sie sich einreden wollte.
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Drazan
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#3
23.10.2021, 20:51
Der Zauberer war keinesfalls begeistert, Aelies vor sich zu sehen. Das fing schon damit an, dass sie die arrogante Neigung besaß einfach seinen Zauber zu unterbrechen – wohl in dem Wissen, das diese Stadt alles andere als Zaubererfreundlich ist. Immerhin sprach es für die Qualität seines Unterrichts, dass sie dies wohl mit einer solchen Leichtigkeit bewerkstelligte. Ein Schüler war natürlich immer so etwas wie ein spannendes Projekt. Man formte die Zukunft eines Menschen mit, entwickelte eine neue Generation Zauberer – oftmals mit dem Schicksal, eines Tages ihren Ambitionen zum Opfer zu fallen. Tatsächlich war Drazan bisher von diesem Schicksal verschont geblieben – nie hatte er einen Schüler gehabt den er zu nahe an sich herankommen ließ. Niemals einen einzigen Adjutanten. Er war schon immer ein Einzelgänger, selbst mit einer ganzen Spezialeinheit im Rücken hatte er häufig Alleingänge bevorzugt und seine Unterstellten im dunklen gelassen. Mit Aelies war er ebenfalls kein Stück anders umgegangen, hatte ihr ihre Fragen zu dem Projekt beantwortet, ihr Dinge vorgeführt und sie ansonsten in Ruhe gelassen, teilweise die Arbeit selbst noch einmal deutlich schneller weiderholt weil ihn das Ergebnis interessiert hatte. Er wusste zwar mittlerweile um die emotionale Komponente welche Menschen antrieb und achtete zumindest etwas darauf, nicht mehr jedem auf die Stiefel zu treten – aber tief in seinem Inneren waren das immer noch Dinge, die er nicht nachvollziehen konnte. Auch die, in seinen Augen furchtbar unpassenden, Avancen von Aelies entzogen sich seines Verstandes und er war damals wie heute sehr versucht, ihr zu raten sich einen jüngeren Kollegen zu suchen. Es war aber durchaus interessant, wie sie es geschafft hatte ausgerechnet als Komplizin von Eilhart zu enden – hatte er die junge Tränkebrauerin sicherlich alles zugetraut, nur nicht politisch ambitioniert zu sein. Häufig eine Sache, die ersten im späten Alter bei Zauberern eintrat. Er selbst war da keine Ausnahme, war er bislang stets loyal und ohne Hintergedanken dem Kaiser hinterhergelaufen, nur um sich nun mit Eilhart zu verbinden, in der Hoffnung am Ende ein besseres Kaiserreich zu schaffen. Was ihn nicht davon abhielt, bis heute offiziell loyal zum Kaiser zu sein – was leider auch Gestalten wie Vigo lernen mussten, hatte er doch einen so wunderbaren Brief bevor ihrer Gefangennahme bekommen nicht in dieser zu assistieren. Leider eine verschwendete Botschaft.

Die Worte von Aelies drangen an sein Ohr, und beinahe sofort darauf beobachtete er wie ein Alchemist vor seinem Experiment die typische Reaktion des Körpers auf Zorn. Erhöhter Herzschlag, infolgedessen anschwellen verschiedenster wichtiger Schlagadern – rausch von verschiedenen körpereigenen Stoffen. Wäre er nicht ein unfassbar kontrollierter Mensch, hätte er ihr vermutlich nur zu gerne gezeigt warum er an der Akademie doziert hat und sie nicht. Dennoch ließ er sich zu einem spöttischen Schnauben hinreißen. „Amüsant.“, sagte er dann, „Ich dachte ich hätte dich in den Lazaretten in Cintra gesehen. Und jeder, der diesen Krieg mitverfolgt hat würde wohl wissen, wie viel Segen Gloria über die Krieger legt. Nicht einen müden Taler hat sie übrig.“ Tatsächlich war der Krieg, unwissend das es ihr ähnlich gehen könnte, ein sehr heikles Thema für Drazan. Er tat stets so, wie es der Kaiser befohlen hat – tut es immer noch. Allerdings hatte er sich insbesondere nach dem dritten und immer noch laufenden Krieg gegen die Nordlinge ein festes Urteil über Aggression als Mittel der Wahl gebildet und zwar zu einem vernichtenden Ergebnis was Effizienz, Moral und Nützlichkeit anging. Ihn als Kriegsglorifizierer hinzustellen war sicherlich der Frust einer verlorenen Liebschaft, aber dennoch nicht den Tatsachen entsprechend. „Ich habe nicht die Dienste des Kaisers verlassen.“, sagte er dann trocken, „Es wäre auch seltsam für einen eventuellen Verräter sich ausgerechnet Philippa Eilhart als Verbündete zu suchen, bedenkt man ihre aktuelle Situation.“ Er war sich doch recht sicher, dass sie zumindest insofern informiert war zu wissen, dass die derzeit blinde Zauberin, das musste man so deutlich sagen, eigentlich nur an Emhyrs Rockzipfel aus der Misere rund um Radovid gestolpert war. „Wenn du auf meine Sondereinheit anspielst…sie wurde einem anderen durchaus gleichwertig loyalen Zauberer unterstellt, welcher derzeit an meiner statt die Gruppe leitet.“ Er ein spitzes Lächeln durchfuhren seine Züge, es war selbst für einen blinden zu erkennen das Aelies alles andere als begeistert war ihn zu sehen. Er verkniff sich aber den Spruch, welchem ihm als Konter auf der Zunge lag, nämlich danach zu Fragen ob Aelies nach ihren in die Winde geschlagenen Avancen zu den Frauenliebhaberinnen übergetreten ist. Schließlich gibt es so einige Gerüchte, was Philippas Präferenzen in dieser Beziehung angeht. „Nun, ich bin mir sicher du bist nicht auf ins der Vergangenheit zu stochern. Wie dir Philippa sicherlich bereits mitgeteilt hat, wäre primär nach Formeln für die Regeneration anregende Mittel zu suchen, nach historischen Aufzeichnungen über Vilgefortz von Roggeveen, den du sicherlich kennen dürftest in der Hoffnung etwas über seine Methoden kennen zu lernen, auch Aufzeichnungen von Yennefer von Vengerberg dies betreffend wären eine Option. Nach magischen Formeln müssen wir nicht ausschau halten, ist seit der Okkupation Radovids die Chance jeden Tag exponentiell gefallen, dazu etwas in der Bibliothek zu finden.“
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#4
23.10.2021, 20:56
Dass er sich kaum verändert hatte, überraschte Elsbeth keineswegs. Nicht viele magisch Begabte nahmen es einfach so hin, zu altern und geboten dem Prozess des körperlichen Verfalls an einem bestimmten Zeitpunkt des Lebens mit ein wenig Aufwand Einhalt. Sie selbst konnte sich davon ebenso wenig freisprechen, wie er, ohne Frage: auch wenn es bei ihr erst ein paar Jahre her war, dass sie entschieden hatte, ihren körperlichen Zustand für vielleicht ewig festzuhalten. Stillstand in der Entwicklung des Charakters oder Wissens konnte sie sich wiederum kaum vorwerfen lassen. War sie damals, als Schülerin, vergleichsweise einfältig und dumm gewesen, hatten die letzten Jahre sie doch erwachsen werden lassen. Dass sie ihrer persönlichen Meinung nach ihrem Lehrmeister in bestimmten Fähigkeiten nun wohl nicht mehr viel nachstand, hätte sie ihm gern direkt ins Gesicht gesagt. Sie hatte keine Gelegenheit verstreichen lassen, ihr Wissen und Können zu erweitern und auch wenn er sie vielleicht nur für eine kleine Tränkemischerin hielt, wusste sie ihre Fähigkeiten doch gut einzuschätzen. Sie brauchte sich nicht mehr vor ihm verstecken, allein die Tatsache, dass Philippa sie zwischen all den anderen Zauberern der kaiserlichen Akademie ausgewählt hatte, sprach eindeutig dafür, dass sie nicht einfach nur Eine von Vielen war. Deshalb hatte sie nur ein schwaches Lächeln dafür übrig, dass Drazan auch jetzt noch so tat, als stände er weit über ihr. Auch als Zauberer blieb man gewissen Charakterzügen offenbar auf ewig treu.

„Ohje.“, kam es ihr spöttisch über die Lippen, mit einem vor gespieltem Mitleid triefenden Blick, „Du willst mir nicht sagen, dass dich Emhyr nicht anständig für deinen Erfolg in Aedirn belohnt hat, oder? Aber ja, du hast Recht. Ich habe gehorsam meinen Dienst in Cintra geleistet. Aber Leben zu retten hat unseren Kaiser nie sehr beeindruckt.“ Ihre letzten Worte ließen ein wenig Bitterkeit laut werden, die sie jedoch mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat. Sie hatte mit Sicherheit kein persönliches Danke des Kaisers erwartet und auch ihr Sold war gezahlt worden und ihren Fähigkeiten hatte es mit Sicherheit auch nicht geschadet – doch ruhige Nächte waren nicht in Gold aufzuwiegen und diese vermisste sie seit ihrem Einsatz an der Front schmerzlich. Und so war sie ganz froh, dass Drazan selbst das Thema schnell ruhen ließ, von seinen Erfolgen wiederum hatte sie ausschweifend Kunde erhalten, war selbst Schuld daran gewesen, zurück in der Akademie aus reinem Pflichtbewusstsein nach seinem Verbleib gefragt zu haben. Seine nächste Antwort ließ sie jedoch für einen Moment hämisch Grinsen. „Wer wird denn von Verrat sprechen, Drazan?“ Sie schnalzte abwertend mit der Zunge und freute sich innerlich darüber, ihn offenbar an einer empfindlichen Stelle erwischt zu haben. „Ich frage mich nur, warum du deinen sicheren Hafen für sie verlässt. Mitleid mit ihrer Situation wird es doch kaum sein?“ Sie hätte gern angefügt, dass sie wusste, dass es sich dabei nicht um einen Kavaliersdienst handelte, welcher der einnehmenden Schönheit geschuldet war. Dafür war Drazan nie empfänglich gewesen, wie sie am eigenen Leib hatte erfahren dürfen. Sie selbst hatte sich Philippa nicht freiwillig angeschlossen, er offenbar schon, ganz unabhängig davon, dass Elsbeth sich mit der Verpflichtung – meistens - nicht unwohl fühlte und es keinesfalls schaden konnte, einer Zauberin wie ihr zur Hand zu gehen. Drazan jedoch hatte so etwas nicht mehr nötig und daher hatte Elsbeth durchaus Interesse daran, tiefer zu bohren und hinter seine tatsächliche Intention zu kommen. Doch erneut wiegelte er ab, was ihr ein weiteres Schnauben und ein dezentes Augenrollen abverlangte. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und hob wenig interessiert die Augenbrauen, als er zur Tagesordnung überging und das zusammenfasste, was Philippa ihr tatsächlich vor der Abreise mit auf den Weg gegeben hatte. Sie zuckte halbherzig mit den Schultern und reckte das Kinn ein wenig, keinesfalls hatte sie die Absicht, ihm die Führung in dieser Mission zu überlassen. „Dann sind wir beide auf dem selben Stand.“, bestätigte sie mit einem leichten Nicken. „Sowohl Vilgefortz als auch Yennefer sind mir durchaus bekannt, letztere sogar mehr oder weniger persönlich. Ich denke nicht, dass uns die Heilung ihrer Blendung viel Aufschluss geben wird – die Schäden sind sich nicht einmal im Ansatz ähnlich oder vergleichbar.“ Sie sagte nicht, dass sie sich selbst durchaus zutraute, eine solche Verletzung mit ein wenig Aufwand und Kozentration mittlerweile selbst heilen zu können – es war immerhin etwas ganz anderes, ein noch vorhandenes Gewebe in einen funktionierenden Zustand zu versetzen, als komplett ersetzen zu müssen. „Ich vermute außerdem, dass Philippa sie bereits dazu befragt haben wird. Immerhin haben sie einige Zeit zusammen in Nilfgaard verbracht. Wobei Yennefer ihr vielleicht nicht alles erzählt hat, wer weiß.“ Sie hob leicht die Schultern, wusste sie doch selbst genug über den Neid und die Missgunst, die hier und da unter den Zauberinnen schwelten. Sie wartete einen Moment, ehe sie fortfuhr. „Auch wenn Vilgefortz und Yennefer sicherlich halbwegs hoffnungsvolle Ansatzpunkte sind…:“ - ihr gleichgültiger Tonfall und der gelangweilte Augenaufschlag strafte die Umschreibung ‚hoffnungsvoll‘ eindeutig Lüge - „Was mir weitaus interessanter und aussichtsvoller erscheint, sind Aufzeichnungen der Gnome.“ Sie beendete den Satz mit einem selbstsicheren Nicken, hob in Erwartung einer abschmetternden Reaktion Drazans schon einmal im Voraus provokant eine Augenbraue, gespannt darauf, ob er sie immer noch wie seine Schülerin behandeln würde, wovon sie durchaus ausging. Anders als vor fünf Jahren scheute sich nun jedoch keinesfalls, sich ihm in einer ausschweifenden Diskussion entgegen zu stellen und hatte ausreichend Argumente im Hinterkopf, um ihn von ihrer glorreichen Idee zu überzeugen.
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Drazan
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#5
23.10.2021, 20:58
Er war gut darin, unangenehme Themen einfach zu übergehen. Ihm war durchaus bewusst, das seine Tätigkeiten im Krieg aufsehen erregten. War es doch eine Besonderheit, einen organisierten Magierverband bei den nilfgaardischen Truppen zu sehen. Auch diverse Abhandlungen über taktische Verwendung von Zauberern gingen zwangsweise auf seinen Namen zurück. Er hatte, das musste man so deutlich sagen, mit seinem Krieg durchaus einen Einfluss daran wie Kaiser im Reich und in zukünftigen Invasionen eingesetzt werden würden. Alles entsprungen aus einer Zeit, wo noch ein gewisser glühender Patriotismus für die nilfgaardische Regierungslösung in seinem Herzen flammte – war er nie freund von liberalen Ideen und stets ein großer Verfechter von Kontrolle und Ordnung. Emhyr war es ebenso wie er dieser Meinung, allerdings erst in zweiter Instanz. In erster Linie, das musste dem Zauberer schmerzlich bewusst werden, waren seine Leitmotive Machthunger, ein schlechter Ratgeber wie er fand. Nichts lieber hätte er getan, als schlicht irgendein Laboratorium aufzubauen und sich für den Rest seines Lebens mit allerlei Nachforschungen zu befassen – aber im Endeffekt konnte er sich der Welt nicht entziehen und das war auch der wahre Grund wieso er sich mit Philippa eingelassen hatte, etwas, das Aelies in ihrem jugendlichen Leichtsinn erst noch zu lernen hatte. Sicherlich waren manche Zauberer überzeugt davon, mit 30 Jahren nun schon ausgelernt zu sein – allerdings war das schlicht ein Trugschluss. Jedoch kein Thema, welches er hier vertiefen würde.

Die Augen von Philippa interessierten sie mehr als ein Freundschaftsdienst, war es doch ein magisches Projekt und nichts mochte er lieber, als zu forschen und zu entwickeln. Es war daher durchaus eine Ironie des Schicksals, wenn man an so einen Schwachsinn glauben mochte, dass er ausgerechnet seine alte Schülerin nun dabei um sich wissen sollte. Tatsächlich hört er also recht gespannt zu, was Aelies nun zu diesem Thema anzumerken hatte. „Das stimmt.“, verpflichtete er ihr bei, „Allerdings lässt es Aufschlüsse darüber zu, wie man am ehesten die Nerven wieder mit einander verbindet. Etwas das sie zweifelsohne ebenfalls bewerkstelligt haben muss. Das wird dann hilfreich, wenn wir Philippas neue Augen…einsetzen. Ich denke nicht, dass es fehlerfrei möglich ist sie in den Augen wieder wachsen zu lassen. Die Fehlerquellen und die unkontrollierbaren Zustände innerhalb eines Körpers sind schlicht zu ungenau, um so ein präzises Körperteil wie das Auge wiederherzustellen.“ Nachdenklich kratzte er im Kinn. „Außerdem haben Berichte der Impera Brigada sehr klar gemacht, dass so etwas furchtbar aussieht. Vilgefortz…hatte seine Augen frühzeitig eingesetzt.“ An seinem Tonfall konnte man deutlich die ehrliche, kompromisslose Faszination für alle magischen Dinge heraushören, welche sich seit seiner jungen Tage nicht gewandelt haben. Bei ihrer Bemerkung über Gnome hob er kur die Braue, kratzte sich erneut an dem spitzen Kinnbart und nickte dann. „Ich vermute du spielt auf die Edelsteine an? In Strygga wurden recht viele gefunden…und es gibt einige Spuren wie Vilgefortz über Strohmänner an sie gekommen war. Aber ich vermute, du willst evaluieren?“ Tatsächlich konnte er schon immer Fachkompetenzen in Bereichen respektieren und, das musste man so ehrlich sagen, von alchemistischen Vorgängen hatte er nur wenig Ahnung Was Monster anging konnte er vermutlich ein Lexikon füllen…aber von Tränken, Mitteln und Kräutern hatte er keine Ahnung, ebenso wenig wie von heilenden magischen Zaubern und so weiter. Man könnte daher durchaus davon ausgehen, dass er Aelies Kompetenz um die er durchaus wusste in diesem Bereich respektierte. Und so wie es den Anschein machte, lauerte jede Phase ihres Körpers darauf es ihrem alten Lehrmeister nur einmal so richtig zu zeigen. Generell war eine gewisse, angespannte Tendenz zu spüren welche Drazan gekonnt überging. War sein maßloser Pragmatismus anging, machte er auch vor keinen Gefühlen kein halt – insbesondere die anderer Menschen weswegen er wenig bis gar keine Interesse für den halbherzigen Streit zeigte, welchen Aelies offensichtlich anzuzetteln versuchte. Er war hier mit einer ganz bestimmten Aufgabe, die es zu erfüllen galt. Wenn sie stattdessen lieber persönliche Fehden von vor 20 Jahren austragen möchte, kann sie ja die Wand vermöbeln oder etwas in der Richtung. Außerdem hatte er von vielen Gesprächen mit Saskia durchaus gelernt, wie man Konflikten auswich.
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#6
23.10.2021, 21:00
Elsbeth‘ Feuereifer auf eine Auseinandersetzung flachte merklich ab, als sie erkennen musste, Drazan mit ihrem Vortrag nicht aus der Reserve locken zu können und ohne es selbst genau mitzubekommen, rückte der ihr sonst sehr verinnerlichte Drang, sich hervorzutun in den Hintergrund. Vielleicht, weil sie die Jahre, in denen sie seiner Stimme ehrfürchtig still gelauscht hatte, nicht zu weit fort lagen, als dass sie vergessen hätte, dass er über ein immenses Wissen und großartige Fähigkeiten verfügte und es besser war, ihm genau zuzuhören um kein Detail zu verpassen, vielleicht auch, weil sie eine Unterhaltung zu solch speziellen Themen irgendwie schmerzlich vermisst hatte. Der Austausch mit Personen, die ihr ebenbürtig waren, fehlte ihr in Novigrad doch ungemein und so trat ihr eigenes Interesse wieder ein Stück weit in den Hintergrund und widmete sich augenblicklich wieder dem „großen Ganzen“, auch wenn sie es nicht verkneifen konnte, mit einer gelassenen Handbewegung auf die von ihm Angesprochene Schwierigkeit der Nervenverbindung zu reagieren, die ihr wiederum keinerlei Bedenken bereitete. Mochte der Dienst an der Front ihr eine tiefe Kerbe verpasst haben, hatte sie dort immerhin schnell gelernt, Gewebe in unterschiedlichsten Zuständen wieder funktionsfähig zu machen und Einzelteile ohne weitreichende Schwierigkeiten wieder miteinander zu verbinden. Da sie jedoch fest davon ausging, dass Philippas Problem eben nicht mit einem irgendwo aufgetriebenen Augenpaar oder durch irgendwelche ungenauen Zauber, die eventuell ihre Auge nachwachsen lassen könnten, zu lösen sein würde, war sie auf die Gnome gekommen – und das nicht unbedingt wegen der Edelsteine. So schüttelte sie eindringlich den Kopf und hob eine Hand, um ihm anzudeuten, seine Annahme verbessern zu wollen. „Nein, es geht mir primär nicht um die Edelsteine.“ Sie bemühte sich redlich, ihren Tonfall nicht allzu belehrend klingen zu lassen oder in blinde Euphorie zu verfallen. Um nicht noch mehr Zeit in der Gasse zu verschwenden, nickte sie ihm auffordernd zu und setzte sich in Bewegung, um die Akademie noch vor dem Morgengrauen zu erreichen, ohne dabei in ihrem Wortfluss zu stoppen. „Es gibt alte Geschichten, dass sie in der Lage waren, lebendes Gewebe mit totem Material zu verbinden und die Funktion des Gewebes dabei erhalten konnten. Wahrscheinlich haben sie den Nutzen dafür nur nie gefunden, daher wird dieses Können in Vergessenheit geraten sein. Mir schwirrt da die Geschichte eines Schwertes im Kopf herum, aus dem Haare wuchsen…“ Sie verzog bei dem Gedanken kurz dezent angewidert das Gesicht und winkte dann ab – vielleicht hatte sie die alte, nuschelnde Frau auf dem Markt auch nur falsch verstanden. „Ganz abgesehen davon, dass sie schnell dazu übergegangen sind, ihr Wissen einfach gar nicht mehr weiter zu geben. Nun, ich habe weiterhin Gerüchte gehört, dass vor nicht allzu langer Zeit eine alte Schmiede der Gnome hier in Oxenfurt geschlossen“, sie warf Drazan einen bedeutungsvollen Blick zu, „wurde und nehme stark an, dass sämtliche Schriften irgendwo in der Akademie eingelagert sind. Und da den Gnomen weniger die Nutzung von Magie als ausschließlich ihre vergleichsweise harmlose Andersartigkeit vorgeworfen wird, bin ich zuversichtlich, dass diese sich noch relativ vollständig und unversehrt finden lassen.“ Sie nickte, um sich in ihrer Annahme noch einmal selbst zu bestärken und beendete ihre Ausführungen abermals mit einem zufriedenen Lächeln. Dass ihre Annahme vielleicht etwas weit hergeholt war und es prinzipiell nicht dumm gewesen wäre, die Konzentration auf die vorhandenen Fälle Vilgefortz und Yennefer zu verwenden, stand außer Frage, war für Elsbeth jedoch kein Grund, davon abzulassen. Vielleicht war es der eigene Ehrgeiz, der sich dagegen sträubte, einfach etwas bereits Funktionierendes zu wiederholen und einzusehen, dass der Umweg über die Gnome ihnen vielleicht mehr als nur Zeit rauben könnte und Philippa von halbgaren Vermutungen kaum begeistert sein würde. Doch sie wusste, dass auch Drazan niemand war, der bei der Möglichkeit, etwas besser zu machen als etwaige Vorgänger den einfachen Weg der stupiden Nachahmerei wählen würde und hoffte daher, dass er ihr Vorhaben nicht gleich abschmettern würde. Auch wenn sie es nicht laut aussprechen würde, um sein eh schon zu großes Ego nicht auch noch zu bestärken: ihn bei so einem Vorhaben an der Seite zu wissen, war vielleicht nicht die allerschlechteste Option und selbst bei genauerem Nachdenken hätte sie nicht gewusst, welchen anderen Zauberer aus Nilfgaard sie dafür lieber gewählt hätte. Diese Erkenntnis ließ sie leise Seufzen und den Kopf abwartend ein wenig zur Seite neigen. Mögen musste sie ihn deshalb trotzdem nicht.
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Drazan
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#7
23.10.2021, 21:02
Auf die auffordernde Handbewegung von Aelies setzte er sich tatsächlich in Bewegung, effizient und ohne jegliche Anmut in seinen Schritten welchen Magiern häufig so nahestand. Es war ein schnelles Voranschreiten, jeder Schritt schien von einer unbekannten Eile erfasst, welche einmal mehr davon zeugte, wie sehr der Zauberer Effizienz bevorzugte. Hatte er sich zwar als Weinhändler Esterad die schönste und eleganteste Gangart ausgesucht und beherrschte sie perfekt, doch wie ein guter Schauspieler konnte er die Rolle ja beinahe mit einem Fingerschnippen ablegen. Es traf durchaus auf Zustimmung, dass seine ehemalige Schülerin scheinbar aufgegeben hatte alte Wunden aufzureißen. Wobei sie vermutlich als Heilerin durchaus wusste, dass schlecht zusammen gewachsene Wunden niemals ganz verheilen würden – bis sie endlich ordnungsgemäß geschlossen wurden. Jedoch war dies keinesfalls der Zeitpunkt dazu, dies zu tun. Er hörte sich, wie so häufig, geduldig an was ihm erzählt wurde. Mit einer gewissen Faszination lauschte sie dem Bericht über den alten, gnomischen Laden und in der Sekunde als sie andeutete, dem Gnom könnte etwas zugestoßen sein blieb er kurz wie vom Blitz erschlagen stehen, in die ferne blickend mit einem Gedankenfeuer in seinen Augen, kombiniert mit dem nachfahren der Bartspitze – was seit jeher ein definitiver Indikator dafür war, das ihm eine Idee in den Sinn kam.

Mit einem leichten drehen seines Kopfes deutete er die Beendigung seiner gedanklichen Konzeptionierungsphase an und ging weiter – ohne den Ausfall seiner motorischen Funktionen zu erklären. Anderlinge starben selten im Feuer, außer sie hatten sich unbeliebt gemacht. Es würde zwei Fragen bedürfen, um den genauen Todesumstand und das Begräbnis festzustellen – danach bräuchte man keine Bücher die einem gnomische Gedanken auf altem Papier vorrätseln, nein, er könnte den Gnom einfach selbst fragen – hatte er doch des Öfteren bereits Gräber geschändet und war mittlerweile durchaus erfahren darin, sich Informationen aus den Leichen zu holen. Aelies sagte er davon nichts, trotz dessen das er ihren verwunderten Blick lediglich mit einem entschuldigen und halbgaren Lächeln quittierte. „Also eine halbkünstliche Lösung, verstehe ich das richtig?“, hakte er nach, „Durchaus interessant – es hört sich nach einer…deutlich schnelleren Lösung an als jene, welche ich verfolge. War selbst der erfahrene…Roggeveener nicht in der Lage, diesen Prozess innerhalb von Monaten abzuschließen.“ Um etwas konkreter zu werden, wob er einen kurzen Zauber welche etwaige Zuhörer lediglich unverständlich Gesprächsfetzen aufnehmen lies, „Man hat Überreste von biologischem Material in einer Apparatur gefunden – in Strygga. Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um eine Art…Fokussierungsinstrument handelte mit welchem präzise die Regeneration der Augen gewährleistet wurde. Ein wahres Meisterwerk, kaum zu greifen…man müsste einen Meister der Juwelierskunst aufsuchen um dieses zu bewerkstelligen. An Ressourcen ist die gnomische Idee deutlich…effizienter.“ Er nickte anerkennend.

Davon, dass er den gnomischen Meister persönlich Fragen würde erwähnte er nichts, galt die These von Aelies zunächst erst einmal zu überprüfen, ebenso wie alle anderen Möglichkeiten, welche sich noch bieten könnten. Nach einigen Minuten Fußmarsch standen sie schließlich vor einem wohl geöffneten Thor, welche zu der Akademie von Ochsenfurt führte. Zielsicher durchschritt Drazan das Tor, peilte eine Richtung ein die er stoisch verfolgte – hatte er bereits genaustens die Pläne der Akademie studiert und wusste wo es langgeht. Es dauerte nur einige Minuten, ehe zwei redanische Büttel mit Topfhelm und Hellebarde auf sie zukamen – offensichtlich war Radovids Besatzung nichts, wovor sich die Akademie entziehen konnte. In der Mitte des gigantischen Hofes der Bibliothek, in welcher sich auch ein Brunnen befand, waren schließlich noch immer die verbrannten Bücher zu sehen. Zunächst wurde Drazan ausgiebig betrachtet, dann Aelies. „Student, eh?“, fragte der eine grob. Drazan nickte trocken. „So ist es, guter Mann.“ Der Sprechende lachte leicht, stieß seinem Kollegen mit den Ellenbogen in die Rippen „Guter Mann, Stepjan…ehehe…aber sag mal, isses nicht verboten seine Freundin in die Bibliothek mitzunehmen? Kanns dir bei der nicht verübeln.“ Der Schwarzhaarige war kurz von der Frechheit überrascht, dass jemand ernsthaft annehmen könnte er wäre mit Aelies zusammen. Würde er doch niemals…generell nicht! Ein leicht peinliches Räuspern war zu hören, war man wohl bei diesen Beiden Herren an eins ehr konservatives Weltbild gewohnt. Noch bevor Drazan kontern konnte, schob der bisher Stumme Büttel hinterher – „Ficken in der Bibliothek ist aber untersagt, weißte, eh? Flecken machen sich nicht so gut auf den Büchern – wobei das einzige was denen mal nen bisschen Wert beibringt, eh, Andrej?“ Brüllendes Gelächter folgte, in welchem Drazan lediglich stumm dort stand – von der kalten Perversität dieser beiden Leuchten dermaßen verwirrt, gleichzeitig allerdings durchaus peinlich berührt, dass ihm das Unbehagen definitiv anzumerken war. „Wills nicht mal zugeben, ha!“, schob Stepjan hinterher.
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Elsbeth
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#8
23.10.2021, 21:04
Obwohl Elsbeth sich als erste in Bewegung gesetzt hatte, hatte sie nun ihre liebe Müh damit, seinen Schritten zu folgen, ohne sich abhängen zu lassen. Sie musste sich selbst eingestehen, dass sie sich an das langsame Flanieren durch die Straßen offenbar gut gewöhnt hatte und ihr das Tempo ein genervtes Augenrollen abverlangte. Sie waren doch nicht auf der Flucht. Sie nutze das kurze, spontane Warten auf Drazan, der plötzlich stehen geblieben war, um die Handschuhe auszuziehen und in der Manteltasche verschwinden zu lassen und bedachte ihn mit einem kurzen, fragenden Blick – so furchtbar waren ihre Ausführungen nun bei aller Liebe nicht gewesen. Ihre Stirn legte sich kurz in Falten, ehe sie ihren Weg wieder nebeneinander aufnahmen und er tatsächlich eine folgerichtige Frage stellte, die Elsbeth wiederum zufrieden als Antwort nicken ließ, wobei sie ihren Kopf anschließend zweifelnd neigte, denn ob diese Methodik tatsächlich weniger Zeit in Anspruch nahm, wollte sie – um Enttäuschungen vorzubeugen – so nicht sagen. Sie schnalzte nachdenklich mit der Zunge, während sie ihren Mantel hinter die Schultern schob, da ihr mit jedem Schritt wärmer wurde. „Man hat gefunden?“, hakte sie wiederum nun interessiert nach und konnte dann ein schelmisches Grinsen nicht unterdrückten. „Wer hat es sich unter den Nagel gerissen?“ Die allgemeine Neigung, Entdeckungen wie diese Apparatur hinter geschlossenen Türen für sich allein zu analysieren um bloß niemand anderem die Gelegenheit zu geben, schnellere und bessere Schlüsse darüber zu ziehen, war auch an der nilfgaardischen Akadamie Gang und Gebe gewesen. Wahrscheinlich wusste niemand so wirklich über all die unerklärten Dinge Bescheid, die in irgendeinem Zimmer darauf warteten, erklärt zu werden – jedoch niemals den Weg in die Hände solcher Personen schafften, die es tatsächlich konnten. Und so hätte auch Elsbeth diese Apparatur gern in die Finger bekommen und ahnte schon fast, wer sich daran ergötzte und hütete, wie einen verbotenen Schatz. „Bitte sag mir, dass es nicht bei Hywel im Regal verstaubt.“ Ihre Stimme klang fast flehend. „Wenn doch, gäbe es eh keine Hoffnung, es aus seinen dicken Fingern zu bekommen um es von einem fähigen Handwerker nachbauen zu lassen. Nein, selbst wenn…“ Sie runzelte erneut die Stirn und schüttelte dann energisch den Kopf und atmete tief durch. Sie wollte das Problem auf ihre Weise lösen. Ohne weitere Diskussion.

Elsbeth hätte weitaus mehr Mühe gehabt, den Eingang zum Hof der Akademie zu finden und verließt sich daher bereitwillig auf Drazans Richtungsweisungen, ohne diese auch nur einmal in Frage zu stellen oder gar auf den tatsächlich zurückgelegten Weg zu achten. So fing sie mit den Fragen auch nicht an, als sie dort angekommen waren – sie hätte sich im Zweifel durchgefragt, warum auch nicht. Als Frau konnte man sich doch meist auf die Hilfsbereitschaft junger Männer verlassen, von denen es in Oxenfurt durchaus einige gab. Sah man von den Wachen, die sich überall herumtrieben ab. Ihre Augen verengten sich leicht, als sie die redanische Kluft der Männer erkannte und wollte sich bereits deutlich von ihnen wegdrehen, als sie tatsächlich angesprochen wurden. Sie senkte den Blick, bleckte die Zähne und setzte, um keinen weiteren Verdacht zu erwecken, ein unschuldiges Lächeln auf, ehe sie den Kopf wieder hob und die Wachen ebenso in Augenschein nahm, wie sie es taten. Ihre Gesichter ließen bereits auf einen kleinen Verstand hindeuten und so kamen ihre unnötigen Worte weder unerwartet noch überraschend. Sie hätte gern laut Protest erhoben, warum man annahm, dass sie keine Studentin war, beließ es jedoch dabei nur gute Miene zur absurden Szene zu machen und berührte Drazan, der sich von der Situation mehr in Beschlag nehmen ließ, als er sollte, sacht am Unterarm um ihm zum Weitergehen zu bewegen. „Das wird nicht passieren, versprochen.“, hob sie dann mit einem weiteren Lächeln die Stimme in einem beschwichtigenden Tonfall. Es machte ihr nicht einmal mehr Mühe, sich als braves Mädchen ohne irgendwelche Absichten auszugeben. „Er will mir nur den Ausblick vom Turm zeigen. Er soll ganz wunderbar sein, wenn es dunkel ist.“ Sie legte den Kopf mit einem sehnsüchtigen Blick ein wenig zur Seite und hätte über den romantischen Anflug, wenn er ihr tatsächlich wiederfahren wäre, wahrscheinlich würgen müssen. Unauffällig hatte sie das leichte Drücken an Drazans Arm verstärkt, um ihre Finger schließlich fest um sein Handgelenk zu legen und ihn mit Nachdruck aus der Starre ein Stück näher an sich zu ziehen und sich daraufhin in Bewegung zu setzen. „Guten Abend, meine Herren.“ Sie nickte den feixenden Männern höflich zu und zog Drazan energisch mit sich. Auf der Höhe der Wachen angekommen ließ es sich Andrej nehmen, ihm einen fast freundschaftlichen aber ziemlich handfesten Klaps auf die Schulter zu geben. „Du weißt also, wie du sie rumkriegst, heh? Bist bestimmt nicht die Erste, die er mit dem Turm beeindrucken will.“ Nun war sie es, die innehielt und die obszöne Geste, mit denen der Soldat seine Worte unterstrich, mit einem unbeeindruckten aber fast schon drohendem Befeuchten der Lippen mit der Zungenspitze kommentierte. Ihre Hand löste sich von Drazan und hob sich in der gleichen Bewegung auf Augenhöhe der Männer. Auch wenn sie versucht war, ihnen eine schmerzhafte Lektion zu erteilen, benötigte sie nur ein kurzes Zucken der Finger, um ihnen einzureden, dass sie noch eine wichtige Nachforschung anstellen mussten – im tiefsten Kellergewölbe der dunkelsten Schänke der Stadt. Das kurze Flackern ihrer eh schon wenig intelligent dreinblickenden Augen verriet, dass ihr Befehl angekommen war und keinen Augenblick später drehten sie sich auf den Haken um, unverständliche Worte stammelnd und sogleich die Beine in die Hand nehmend, als wäre Radovid persönlich hinter ihnen her. Elsbeth ließ die Hand sinken, schüttelte sie einmal aus, als hätte sie in Dreck gefasst und atmete sichtlich genervt durch, um Drazan dann einen fast schon vorwurfsvollen Bick zu schenken. „Du bist immer noch nicht häufig unter Menschen, oder?“, fragte sie dann und bedeutete ihm mit einer ungeduldigen Geste, sich doch nun bitte wieder eigenständig zu bewegen.
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Drazan
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#9
23.10.2021, 21:07
Es war eine Mischung aus Ratlosigkeit, kalter Verachtung und der Nicht-Fähigkeit sich den dummen Sprüchen der Wachen zu wehren. Souverän kam er nicht aus der Situation heraus, er besaß schlicht zu viel anstand, war wohl ebenfalls zu prüde, um den agilen Macker zu spielen welcher nun Aelies veräumen würde. Zumal ihm die Vorstellung alleine schon äußerst unangenehm war. Dementsprechend hörte er sich nur mit einem, wenigstens einigermaßen um Neutralität bemühten Gesichtsausdruck die dummen Sprüche an. Zum Glück, und das war nun wirklich keine Kunst, konnte Aelies deutlich besser mit Menschen als er. Sein Lösungsvorschlag wäre gewesen, innerhalb der nächsten zwei Minuten die beiden Herren zu vaporisieren oder alternativ ihr Gedächtnis zu ändern. Auf die Idee zu kommen, einfach das Spiel mitzuspielen wäre er gar nicht gekommen! Nickend pflichtete sie den Worten von Aelies bei, hielt sich ansonsten aber zurück. Das sie ihn zum Bewegen animierte, konnte er ja noch nachvollziehen – die doch recht mangelnde körperliche Distanz zu Aelies verunsicherte ihn jedoch zusehend. „Ja…guten Abend.“, meinte er noch ehe er sich tatsächlich damit abgefunden hatte einfach weiter zu gehen, als er die Hand auf seiner Schulter spürte. Zum Glück für die anderen unbemerkt, zuckten in dieser Sekunde weiße Funken aus der für die Herren nicht einsehbaren Hand, deutlich bereit diese anzugreifen. Allerdings kam ihm seine ehemalige Schülerin zuvor.

Er beobachtete mit einer gewissen Genugtuung, wie die roten Büttel sich verzogen und nickte Aelies zu. „Nun…“, sagte er dann während ein kleiner Regen aus weißen Funken aus seiner Hand zu Boden fällt und die angesammelte Energie somit harmlos entsorgt wird, „Leider schon. Allerdings als Weinhändler…und nicht als Zauberer, vor allem…sind romantische Annäherungen wohl so etwas wie meine Schwachstelle.“ Er nickte noch einmal knapp und wand sich auf der Stelle in die richtige Richtung setzte sich in Bewegung, ein wenig mag man den Anschein von Flucht bekommen – mag er das Thema doch unter keinen Umständen vertiefen. Schlagartig kamen ihm die ausgeschlagenen Avancen ihrer früheren Tage wieder in den Sinn, gleichwohl ihre ehemalige Kriegsgefangene. Nein, darüber wollte er wirklich nicht sprechen. Zielsicher und ohne weitere Zwischenfälle erreichten sie schließlich die große Flügeltür welche zu der mächtigen Bibliothek von Oxenfurt führte. Der Nilfgaarder öffnete die Tür und trat zielsicher, ohne Aelies den Vortritt zu gewähren, ein. Er schürzte leicht die Lippen, als er die Ansammlungen von Hochregalen auf mehreren Ebenen betrachten durfte – dank der äußerst späten Stunde war zum Glück nichts los, jedenfalls auf den ersten Blick. Einige Regale hatten, dank der kürzlichen Zwischenfälle, eine groteske Unordnung anzubieten – etwas, wofür in Nilfgaard zu ihrer Zeit Köpfe gerollt wären. Jede Menge Köpfe. Wenn nicht von der Universitätsverwaltung, dann von der strengen Garde der Akademie.

Dennoch blickte sich der Magier fasziniert um, Oxenfurt hatte wirklich eine ganz hervorragende Bibliothek und rein an Vielfalt und Quantität musste sie sich vor keiner anderen Bibliothek verstecken, es blieb jedoch abzuwarten ob das ebenfalls für die Qualität der Schriften galt. „Also…“, sagte er dann, „Ich vermute die effizienteste Lösung wäre es, sich aufzuteilen…nach Thema oder nach Region? Ich vermute du würdet eher die Gnome verfolgen wollen, im metaphorischen Sinne, und ich werde mich an Informationen zu unserem geschätzten Vilgefortz umsehen. Achja, um deine Frage eben zu beantworten – die Apparatur besitzt niemand, wie es gute Tradition seit dem Usurpator ist, werden jegliche Spuren von Verrätern beseitigt – Strygga ist mittlerweile eine Ruine. Technisch gesehen ist alleine seinen Namen zu benutzen Hochverrat.“ Er lächelte mit einer gewissen Süffisanz. „Was die Ordnung der Bücher angeht ,gab es zuvor keine Aufzeichnung die man hätte einholen können. Es wird wohl ein typischer Fall von suchen und verzweifeln, wie früher also.“ Schon auf halbem Schritt sich auf das erste Regal zu stürzen, drehte er seinen Kopf fragend zu Aelies. „Irgendwelche Anmerkungen zum Schluss?“
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Elsbeth
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#10
23.10.2021, 21:10
Erst jetzt fiel ihr Blick auf seine Hand, ließ der Anblick der Funken sie kurz eine Augenbraue heben. Offenbar lösten die Beiden gesellschaftliche Probleme mit deutlich unterschiedlichen Ansätzen. Sie setzte sich wieder in Bewegung und zog den Mantel wieder fester um sich. Das kurze Intermezzo mit den Wachen hatte ihren Körper wieder ein wenig abkühlen lassen. „Warte… Weinhändler?“ Die Erkenntnis traf Elsbeth, die eigentlich gern in schallendes Gelächter ausgebrochen wäre, wie ein Schlag, dass sie stehenblieb und sie zwei, drei Mal ungläubig blinzelte. Drazan Ehrendorn mimte offenbar tatsächlich den Herren, über den die halbe Stadt sprach, weil er der Witwe Hiboulliard angeblich seine Aufwartung machte! Ein leises, kurzes Lachen konnte sie sich nicht verkneifen, während Drazan seinerseits die Flucht ergriff. Sie hob die Hände, um höchst amüsiert einmal in die Hände zu klatschen, ehe sie ihm mit einem breiten Grinsen folgte. „Ich kann’s kaum glauben…“, begann sie, verstummte jedoch, als sie in den letzten Schritt durch die schwere Flügeltür tat und die Bibliothek mit eigenen Augen erfassen konnte. Sogleich breitete sich ein wohliges Gefühl in ihr aus, an der die angenehme Temperatur auch einen Anteil hatte. Sie hatte unzählige Stunden in solchen Gemäuern verbracht, die nach Staub, Papier, Tinte und Kerzenwachs rochen und wieder fühlte sie sich nach Nilfgaard zurückversetzt, tauchten vor ihrem inneren Auge hohe Büchertürme aus, durch die sie sich wühlte, zwischen denen sie nicht nur einmal erschöpft eingeschlafen war. Sie atmete hörbar ein und aus und stemmte sichtlich beeindruckt und angetan die Hände in die Taille, den Blick über die Regale schweifen lassend. Ein fast schon melancholisches Lächeln zuckte um ihre Lippen, als sich Drazan zu ihr wandte und aus ihren Erinnerungen holte und ihr offenbarte, dass bei Hywel kein spannender Apparat verstaubte, was sie dazu brachte, kurz enttäuscht die Unterlippe vorzuschieben und dann in kurzem Bedauern die Schultern zu heben. Sie konnte vielleicht verstehen, dass sich Emhyr solcher Dinge die im Zusammenhang mit Verrat standen lieber schnell entledigte, bevor sie andere zu ähnlichen Taten inspirierten, konnte sie jedoch aus der Sicht der Wissenschaft kaum gutheißen.

Mit seinem Vorschlag, sich aufzuteilen und nach bestimmten Themen zu suchen, ging Elsbeth jedoch nicht ganz konform. Sie legte den Kopf mit einem deutlich enttäuschten Augenaufschlag schief. „Ich dachte, wir wissen Beide, dass wir uns weniger um die öffentlich ausgestellten Bücher kümmern sollten, als die, die irgendwo hinter festen Schlössern verriegelt sind.“, flüsterte sie, sowohl den Worten als auch der Lokalität angemessen. Sie schob sich mit einem leisen Grinsen an ihm vorbei und hatte absolut nicht vor, sich durch diese Regale zu wühlen, die Hinterzimmer, die es in jeder großen Bibliothek, sogar in jedem noch so kleinen Buchladen, gab, waren von Anfang an ihr Ziel gewesen. durchschritt die Bibliothek mit schlendernden Schritten, die Hände auf dem Rücken unter ihrem Mantel ineinander gefaltet und ihren Blick offenbar aufmerksam über die Buchrücken, die ihr im Vorbeigehen auffielen, schweifen lassend. Ihr tatsächliches Interesse galt jedoch den Türen, die aus dem großen Saal hinausführten. Derweil war es ihr relativ gleichgültig, ob Drazan ihr folgen würde – solle er sich doch mit den Standardwerken abgeben, die für die Studenten gedacht waren, sie war nicht an den oberflächlichen Abhandlungen interessiert. Genau sieben Regalreihen brauchte es, bis eine unscheinbare, helle Holztür ohne offensichtliches Schloss zu ihrer Rechten ihre Aufmerksamkeit weckte. Sie bog ohne Umschweife in die Regalreihe ab und spürte schon gute zehn Schritte von ihr entfernt, dass sie magisch gesichert worden war. Sie verzog die Lippen. Dafür war den Menschen die Magie offenbar noch gut genug. Während sie sich fragte, ob der Zauberer, der die Tür verschlossen hatte, noch lebte oder trotz der praktischen Dienste auf einem der Scheiterhaufen gelandet war, löste sie die Verschränkung ihrer Hände und richtete die Handflächen gen Tür. Sie ließ ein leises Knurren hören. Keine Amateurarbeit – umso aussichtsvoller. In etwa drei Schritten Entfernung blieb sie stehen, während der Zauber bereits nach ihr zu greifen schien. Es war kein Gefühl, als ob Wind über sie streichen würde – viel subtiler, als ob er bereits unter der Haut war, hinterließ er einen Hauch von Wärme, die nicht unangenehm aber in seiner Art durchaus warnend war. Sie ließ den Blick noch einmal genauer über das Holz schweifen. Sie nickte fast anerkennend – Eschenholz galt als außerordentlich guter und widerstandsfähiger Magieträger. Nun, der Aufwand der betrieben wurde, war über aussichtsreich und so rieb sie kurz die Handflächen aneinander, um den letzten Funken Kälte aus ihnen zu vertreiben, um sich dann möglichst leise und unauffällig an die Arbeit zu machen.
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