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Setz‘ dich zu uns, nimm einen Krug und deine Gwintkarten in die Hand. Es sind schwere Zeiten, in denen du zu uns gestoßen bist. Wir schreiben das Jahr 1273 und das Feuer der Hexenjagd hat schon viele Menschenleben verschlungen. Egal ob Mensch, Mutant oder Anderling: Es wird Zeit, dich für eine Seite zu entscheiden. Schmiede mit uns das Schwert des Schicksals neu und verändere mit uns die Politik, um Geschichte zu schreiben.
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The Square › Silver & Steel › Redanien
[closed] Wytches' Brew

[closed] Wytches' Brew
Elsbeth
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#1
23.10.2021, 21:37 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 23.10.2021, 21:37 von Elsbeth.)
round about the cauldron sing
Double double toil and trouble, fire burn and cauldron bubble, double double trouble you - bubble in a witches' brew


Sie hatte sich schnell an die sparsame Ausstattung des kleinen Labors gewöhnt, dass in den dunklen aber immerhin einigermaßen trockenen Kellergewölben des Anwesens eingerichtet worden war. Kein Vergleich natürlich zu dem, was ihr die Akademie in Nilfgaard geboten hatte, aber besser als nichts. Mehrere magische Fallen, Illusionen und Schlösser hielten auch die neugierigste Bedienstete davon ab, auch nur einen Verdacht zu schöpfen, dass sich hinter der schlichten Holztür im Weinkeller ein kleines Refugium lag, in das sich Elsbeth immer wieder zurückzog, mal mehr, mal weniger produktiv. Zwischen den kleinen, schmalen Tischen, auf denen die wenigen Gerätschaften standen, die sie bisher zusammensammeln konnte, zwischen Büchern, losen Pergamenten, frönte die junge Zauberin meist der heimeligen Einsamkeit und Stille, die sie bereits ein paar Treppenstufen weiter ohne Weiteres kaum finden konnte. Nicht, dass das Anwesen vor Leben sprudelte, Gäste ein und aus gingen. Eher war es so, dass man sich in den weiten Fluren und Leerstehenden Zimmern verlaufen konnte, doch mit der Gewissheit, dass hinter jeder Ecke oder Tür eine fleißige Hand dabei sein konnte, dem Einstauben des Inventars Einhalt zu gebieten oder heimlich Nichts tuend herumzustehen, konnte man kaum von Ruhe sprechen.

Den Luxus eines bequemen Sessels hatte sich Elsbeth trotz des beschränkten Platzangebotes gegönnt, auch wenn an den Tischen selbst nur simple Holzhocker standen. Sich in Aufzeichnungen zu vergraben gelang ihr auf lange Sicht besser, wenn sie dabei bequem saß – doch am heutigen Tag hatte sie die Theorie beiseitegelegt und widmete sich der Praxis. Bisher wenig erfolgreich. Schon nach wenigen Stunden hatte sie feststellen müssen, dass die Eingebungen, die ihr durch das Lesen der aktuellsten Lektüre gekommen waren, sich nicht ohne Weiteres erfolgreich umsetzen ließen. Ob es an ihr lag oder der mangelnden Ausstattung ihrer kleinen Werkstatt – sie wusste es nicht. Während neben ihr über einer kleinen Flamme ein bauchiger Glaskolben hing, in dem eine farblose, klare Flüssigkeit köchelte, die einen stechenden Geruch im Raum verbreitete, starrte sie auf die zwei Edelsteine, die vor ihr lagen, benetzt von schwarzen, vielleicht auch dunkelblauen oder tiefroten, zähflüssigen Tropfen, von denen Elsbeth hoffte, dass sie auch nur irgendetwas auf der milchig weißen Oberfläche der Steine anrichten würden. Manche Dinge brauchten ihre Zeit, und so rieb sie in stiller Anspannung die Fingerspitzen der linken Hand aneinander, abwartend, beobachtend, während sie mit der rechten wie automatisiert mit leichten Bewegungen die Phiole geschwenkt wurde, in die sie ihren letzten verheißungsvollen Trank gefüllt hatte. So still und gefasst sie auch nach außen hin wirkte, umso intensiver drehten sich ihre Gedanken im Kopf. Vielleicht hätte es doch mehr Rubedopulver gebraucht. Oder weniger Pestwurz… Bei der Fülle an Extrakten, die sie zusammengemischt hatte, waren Fehlerquellen vielfältig und schwer zu finden. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, postwendend eine Reaktion der Steine zu erhalten. Doch die wertvollen Klunker, für die manche Adlige wahrscheinlich getötet hätte, nur um sie sich um den Hals zu legen und zur Schau zu tragen, blieben stumm und kalt. Auch nach weiteren, qualvollen Minuten. Sie zog scharf die Luft zwischen den enttäuscht aufeinandergepressten Lippen ein und richtete sich aus ihrer vornüber gelehnten Position langsam auf. Die angespannten Muskeln im Rücken und Nacken meldeten sich unerfreut, Elsbeth schenkte ihnen jedoch keine Beachtung. Auch wenn die Alchemie vergleichsweise harmloser Natur war und auf den ersten Blick keine körperlichen Anstregungen mit sich brachte, waren ihr diese Schmerzen wohl vertraut. Der Preis, den man für langwierige Prozesse, die genauso wenig falsche Bewegungen verziehen, wie ein Kampf im offenen Feld.

Ein leichter Luftzug im Rücken ließ sich Elsbeth langsam auf dem Hocker umdrehen. Es kam nicht oft vor, dass Philippa sie hier unten besuchte – aber hinter ihr war nicht sie aufgetaucht, sondern Drazan. Sie nickte ihm beiläufig zu, noch zu sehr in Gedanken um ihn höflich zu begrüßen oder gar rauszuwerfen – auch wenn er es verdient hatte, nach ihrem Wiedersehen und dem wenig erfreulichem Ausgang der Aktion in Oxenfurt. Sie hatte der Konfrontation mit ihm in den letzten Tagen außerordentlich elegant aus dem Weg gehen können und war auch nicht in die Verlegenheit geraten, ihm und Philippa gleichzeitig gegenüberstehen zu müssen. Sie hier im Labor, mitten in der Arbeit zu besuchen, war wahrscheinlich nicht die schlechteste Idee, emsig beschäftigt und zu ausgelastet, um sich auf emotionale Diskussionen einlassen zu können. Ihr vermeintlich leerer Blick verriet, dass sie in Gedanken absolut nicht bei Drazan war, obwohl sie aus der halb zu ihm gedrehten Position durchaus zu ihm hinaufblickte. Sie tippte mit dem Boden der Phiole, die sie immer noch vorbildlich geschwenkt hatte, nachdenklich auf die raue Oberfläche des Tisches. „In meinem Kopf macht es alles Sinn.“, meinte sie dann leise. Sie neigte dazu, hier unten zu flüstern, auch wenn es keinen Grund dazu gab. „Aber es funktioniert nicht.“ Ein bitteres Lächeln zeigte sich auf ihren blassen Zügen, ehe sie den Blick wieder abwandte, sich zurück zum Tisch drehte und einmal tief ein und ausatmete. Vielleicht waren doch die Steine das Problem.
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Drazan
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#2
23.10.2021, 21:40
Eines der Probleme den Schutz der Akademie aufgegeben zu haben machte sich immer dann deutlich, wenn es mehr als ein Feld-Wald und Wiesenzauber bedurfte, um ein Problem zu lösen. Entweder suchte er sich dann ein Untergrundlabor in Novigrad, die immer riskanter wurde oder er musste leider die Witwe besuchen. Zwar war er drauf und dran mit seiner ehemaligen Schülerin für sie ein Problem zu lösen, an dem er auch wirklich meisterhaft gearbeitet hatte, bis er in den Aufzeichnungen auf eine völlig andere Rezeptur stieß, die ihn so faszinierte – ach er konnte nicht anders. Er hatte ein halbes Vermögen für einige Reagenzien ausgegeben und hatte schließlich, die Tasche gut gefüllt mit Materialien, nach dem üblichen Geplänkel den Weg in den Keller angetreten. Man hatte ihn bereits vorgewarnt, dass er wohl belegt sei, aber das war nun wirklich nichts was einen Drazan Ehrendorn jemals von seiner Faszination abgehalten hatte. Dementsprechend unhöflich platzte er auch in das Labor, nickte Aelies nur knapp zu und wuchtete dann seine schwere Schultertasche auf einen kahlen Tisch. Sein Notizbuch auf die einen Seite des Tisch legend, organisierte er wie in einer Manie die verschiedenen Materialien, legte sie auf kleine Tellerchen oder in Gläser und begann wie von der Tollwut erfasst einige Formeln auf eine leere Seite zu kritzeln, wobei er immer mal wieder ein paar Seiten zurückblätterte.

Jeder der den ehemaligen Leiter der magischen Sondergruppe kannte, wusste, dass er genau in der Phase war wo man ihn besser nicht stören sollte – nicht, dass es Aelies zu ihrer Zeit es nicht trotzdem oft genug versucht hätte. Da war er an manchen Tagen tatsächlich deprimiert das Verwandlung keine sehr akzeptiere Strafe für Ungehorsam war. Um was ging es eigentlich? Tja…das war so eine Sache. Manchmal erblickte der Zauberer eine unfertige Formel und konnte einfach nicht anders als, nunja, sie vervollständigen. Sie war in einigen Notizen aus den Aufzeichnungen der, sicherlich ehemals fleißig arbeitenden, Gnome gefallen und seitdem hatte sie ihn nicht in Ruhe gelassen. Einige Berechnungen, Vermutungen und Hypothesen später war er dann endlich zu einem Ergebnis gekommen, dass ihn nun merkwürdige Kreidezeichnungen auf eine freie Fläche (möglichst weit entfernt von Aelies Arbeitsplatz) zeichnen ließ. Was zunächst nach einem furchtbaren Beschwörungsversuch aussah, entpuppte sich für das geübte Auge als simple Bannungs und Schutzkreise, nur für den Fall der Fälle, ehe es dann tatsächlich etwas merkwürdig wurde. Seltsame Kreise, eingezeichnete Flächen für die Reagenzien und teilweise absurde Untergründe, wie eine Schale aus Silber, Salz und seltsame Pilze auf die teilweise noch blutige Organe ausgenommener Kreaturen gebettet wurden trieben einen recht schnell zur Vermutung, dass man es mit einem wahnsinnigen zu tun haben müsste – wenn man dabei noch den Blick sah, der fokussiert zwischen allem hin und her sprang – ständig den Denkapparat hinter der Stirn mit Bildern fütternd, die dieser in einer unfassbaren Zeit zu verarbeiten schien. Ob da nicht die ein oder andere Substanz im Spiel war? Wieso sonst sollte der Zauberer in dem kühlen Keller schwitzen, mit jedem Wischen über seine Stirn die eigenen Haare an diese kleben? Irgendetwas musste doch sein!

„Was?“, sagte er dann in den Raum herein – etwa zehn Minuten zu spät. „Ah…“, er nickte zu sich selbst, „Das ist häufig in der Magie so – oftmals ist die eigene Realität ja eine ganz und gar andere als die Wirklichkeit…“ Sein Blick senkte sich wieder auf seinen, mittlerweile durchaus gewachsenen, Ritualkreis. „Nur nicht allzu sehr bei der Formel stottern, dann müsste das eigentlich klappen…“
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#3
23.10.2021, 21:41
Es war das Klimpern und Werkeln, dass Elsbeth nach einigen verstrichenenen Momenten gänzlich aus den Gedanken holte und sie ihren ernsten Blick von den Steinen vor sich abwenden ließ. Mit zusammengezogenen Brauen, deutlich unerfreut über die Hektik, die Drazan innerhalb weniger Minuten im Labor verbreitete, drehte sie sich auf dem kleinen Holzhocker um und warf ihm einen deutlich unerfreuten und vorwurfsvollen Blick zu. Sie sparte sich eine wörtliche Maßregelung, denn sie wusste, dass es sowieso nichts bringen würde, ihn nun anzusprechen. Schon das Geräusch seiner Schritte hatte ausgereicht, um ihr zu vermitteln, dass er an irgendwas arbeitete. Und die Art, wie er sich durch das Labor bewegte und sie selbstverständlich nicht begrüßt hatte, war ihr zu bekannt, als dass sie Energie verschwenden würde. Stattdessen blieb sie auf dem unbequemen Schemel sitzen, lehnte sich leicht zurück, sodass ihr Rücken Halt an der Tischkante fand und verschränkte mehr oder minder geduldig die Arme vor dem Körper. Dass, was er aus seiner Tasche kramte, hatte ihre Aufmerksamkeit schon lange geweckt, doch sie ahnte, wie er reagieren würde, wenn sie auch nur einen genaueren Blick riskieren würde. Damals an der Akademie war sie vergleichsweise gut davongekommen, wenn sie sich seiner Meinung nach ungefragt eingemischt hatte. Den damals wirkenden Schutz, als Schülerin mit ihm zu arbeiten, gab es nun aber nicht mehr. Und so konnte sie sich gut vorstellen, dass sie schneller aus ihren „eigenen“ vier Wänden flog, als ihr lieb war.

Nach ein paar verstrichenen Minuten, die sie Drazan anstandshalber gewährt hatte, um sich zu erklären, stand sie schließlich auf und suchte zielsicher den Weg zu seinem Notizbuch, wähnte sich, da er unerbittlerlich dabei war, ihre Einrichtung zu bemalen, sogar so gut in Sicherheit, dass sie es in die Hand nahm und mit spitzen Fingern durch die letzten Seiten blätterte. Es dauerte ein paar Momente, ehe die Formeln und Gleichungen in ihrem Kopf zwar noch keinen Sinn, aber ein grobes Bild ergaben – welches sie sogleich erst für einen kurzen Moment innehalten ließ, ehe sie das Buch ruckartig, als hätte sie sich daran verbrannt, zurück auf den Tisch warf. Erst jetzt gönnte sie den Mittelchen und Zutaten, die er im Raum verteilt hatte, mehr Aufmerksamkeit. Sie trat an einen der belegten Tische und rümpfte die Nase über einen Brocken blutiger Innereien, die nicht nur furchtbar anzusehen waren, sondern auch entsprechend rochen. Mit zunehmender Erkenntnis und gleichzeitig steigender Hektik wanderte ihr Blick von links nach rechts, drehte sie sich um die eigene Achse- während sich Drazan tatsächlich besonnen hatte und auf ihre vor einer gefühlten Ewigkeit getätigten Aussage antwortete. Sie nahm seine Worte wahr, doch ihr Kopf war zu sehr damit beschäftigt, das, was dort aufgebaut worden war, zu verarbeiten und sich einen Reim darauf zu machen. Ihr Blick hing für einen langen Augenblick ungläubig auf den Zauberer.

Sie hob beschwörend eine Hand in seine Richtung, an die Stelle, wo sie gerade noch im Notizbuch geblättert hatte, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und schüttelte warnend den Kopf. „Drazan.“ Ihre Stimme war eindeutig mit genug Drohung gespickt, dass jeder normale Mensch ihr nun wenigstens einen kurzen Blick geschenkt hätte. Aber da es sich nicht um einen normalen Menschen handelte, sondern Drazan Ehrendorn, der viel Verstand besaß, aber keinen gesunden menschlichen, hatte sie bereits während sie in angesprochen hatte, nach einem kleinen Buch gegriffen, dass in ihrer Reichtweite lag. „Was bitte wird das hier?“, fragte sie noch einmal eindringlich und gab ihm genau einen Augenblick Zeit, um irgendwie auf ihre Worte zu reagieren – ehe sie das Buch erstaunlich zielsicher mit ordentlich Schwung aus dem Handgelenk die zwei, drei Meter überwinden und auf seinem Hinterkopf aufschlagen ließ. „DRAZAN EHRENDORN!“ Nun war sie eindeutig lauter, als es dieser Umgebung bedurft hätte. „Schutzkreise und Bannzauber hier unten?“ Nun schwang deutliches Unverständnis mit. „Wärst du so freundlich, mir zu erklären, was genau das werden soll?“
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Drazan
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#4
23.10.2021, 21:43
Verinnerlichte immer wieder die Worte, die später zu einer phonetischen Inkanation irgendeiner Formel werden würden, um eine nicht gerade kleine menge Energie freizusetzen. Dessen war er sich definitiv bewusst, die Formel war kein fertiges Projekt aber der Versuch damit großes zu erahnen, der quoll aus jeder Pore der Aufzeichnungen, die man ihm überlassen hatte. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass Herr Ehrendorn sie unbedingt ausprobieren musste. Eine Waffe? Ein nützliches Handwerkszeug? Oder nur eine Randnotiz in einem Lexikon der Zauber das erst in einhundert Jahren relevant wird? Aber dann! Dann steht dort, als Entdecker, das feine Antlitz des nilfgaardischen Zauberers. Genau dieser unschuldige Ehrgeiz, dieser reine Wissensdurst ohne auch nur eine Sekunde an Nutzen, Kosten oder Sinn zu verschwenden war eine Eigenschaft die er an sich mehr schätzte als alles andere. Leider war es auch die Eigenschaft, die andere am meisten an ihm hassten. Waren Begleiterscheinungen dieser beinahe manischen Anfälle doch meistens taube Ohren, Augen, die nur das sahen was sie wollten und eine Ignoranz jeglicher äußerer Einwirkungen. Vermutlich könnte jetzt gerade in diesem Moment eine vierte nilfgaardische Invasion starten und Drazan würde es nicht einmal die Brise kümmern, welche mit den Worten an sein Ohr getragen werden würden.

Leider gab es nervige Schülerinnen und Aelies wusste schon damals sehr genau wie sie immer wieder diesen rauschähnlichen Zustand des, vergleichsweise jungen, Zauberers unterbinden konnte. Als der dumpfe Schmerz des auftreffenden Buches an seinem Hinterkopf aufgenommen wurde, zog es reflexartig seine Braue nach oben. Seine restlichen Sinne organisierten sich und analysierten dann die Lage, bevor der schwarzhaarige Zauberer das genervteste Seufzen des Jahrhunderts aus seinen Lippen entließ. „Aelies aep Baelith“, wiederholte er ihren Namen und drehte sich dann zu ihr um. Die Hände auf sein linkes Bein legend, breitbeinig dasitzend. „Ganz recht, Schutzkreise und Bannzauber hier unten. Etwas das ich dir ebenfalls empfehlen würde. Insbesondere wenn man Versuche mit nicht vorhersehbarem Ergebnis wagt. Was war deine Frage noch gleich? Das soll, ganz offensichtlich, ein Ritual werden. Wie unsere gemeinsame Zeit zweifelsohne bewiesen hat, sind mir Forschungen das Wichtigste überhaupt. Daher tue ich genau das. Forschen.“ Gerade war er im Begriff sich umzudrehen, einmal mehr in irgendeine manische Phase verschwindend bevor er sich unterbrach und aufstand. Die Finger glitten über sein eigenes Notizbuch, das ganz offensichtlich bewegt wurde, und er seufzte erneut. „Ein weiser Mann hat mal gesagt, wenn man seine Theorie nicht einfach erklären kann hat man sie nicht verstanden.“ Damit implizierte er nur sehr indirekt das Aelies sowas wie eine einfache Erklärung bräuchte.

Der Schwarzhaarige schnippte mit dem Finger, sogar einige Male, während sich sein Notizbuch als hätte es plötzlich ein Eigenleben entwickelt auf exakt denselben Platz zurückbewegte, an den es Drazan abgelegt hatte. Ebenfalls blätterte sich exakt dieselbe Seite auf, die bereits aufgeschlagen war bevor Aelies mit dem Buch herumhantierte. „Der Gnom!“, sagte er dann als würde das alles erklären, „Mit den Edelsteinen. Gnome sind, was eine sehr gute Eigenschaft ist wie ich finde, bemüht ihre Wege stets zu verbessern. Bevor Novigrad den fanatischen Hunden zum Fraß vorgeworfen wurde, arbeitete unser Handwerksmeister an einer Formel – zusammen mit einem Magier – um seinen Ofen zu besonderen Temperaturen anzuregen. Wie genau dies funktionieren sollte und welchen Nutzen es genau hatte, das wurde nicht explizit erwähnt. Es gab nur einige Reagenzien und Versuchsprotokolle, den Rest habe ich irgendwie zusammengesucht. Jedenfalls denke ich, dass es nicht zum Schaden der Gesellschaft ist diese Formel zu vervollständigen und ganz vielleicht entblößt sich und irgendein nützlicher Gedanke, nun, sagen wir vielleicht entblößt sich MIR ein nützlicher Gedanke. Ich denke nicht, dass zwei Zaubere zwingend nötig sind um dieses Experiment durchzuführen.“ Er schaute sich kurz im Raum um, als hätte er alles erklärt. „Wenn ich es richtig verstanden habe, liebe Aelies, warst du ja selbst beschäftigt. Ich weiß schon was ich da tue, keine Sorge. Wie läuft es mit den Edelsteinen, nicht gut, vermute ich? Es scheint mir als würde irgendetwas fehlen.“
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#5
23.10.2021, 21:44
Dass er tatsächlich auf ihre Ansprache reagierte, ließ Elsbeth beinahe erleichtert aufatmen, hatte sie sich doch schon Inmitten eines Rituals stehen sehen, dessen Ausgang sie nicht einschätzen konnte, ihr jedoch nicht sonderlich sicher erschien. Was ihm überhaupt das Recht gab, sich aufzuführen, als wäre er der Hausherr in diesem Keller, war ihr ziemlich schleierhaft. Sicherlich hielt Philippa ganz allein die schützende Hand sowie die Befehlsgewalt über dieses Anwesen, dennoch sah sich Elsbeth hier eindeutig im Vorrecht, das sie im schlimmsten Falle wahrscheinlich auch vor Philippa so kundtun würde, wenn es tatsächlich zu einem wenig erwachsenen Streit um das Spielzeug kommen sollte. Besitzansprüche geltend zu machen gehörte ohne Frage zu einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen – und an einem solchen Anspruch schien Drazan gerade rütteln zu wollen. Sich einfach ins gemachte Nest zu setzen war die eine Sache – die Nestbauerin dann aber auch noch einfach so zu übergehen, eine ganz andere.

Sie hatte ihn oft genug ihren Namen in diesem Tonfall aussprechen hören, dass sie sich fast daran gewöhnt hatte, auch wenn es neu war, dass sie sich nicht mehr duckmäuserisch um seine Aufmerksamkeit bemühen musste. Im Gegenteil – ihre Haltung straffte sich ein wenig, als hätte er sie damit zum Appell gerufen oder zu einem Duell aufgefordert. Sie verschränkte, in Erwartung nun eine Drazan-typische Standpauke zu erhalten, locker die Arme vor dem Körper und neigte abwartend den Kopf ein wenig zur Seite, sein dramatisches Seufzen mit einem leichten Kopfschütteln und einem angedeuteten Augenrollen erwidernd. Wie befürchtet und gleichermaßen erwartet bekam sie keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf ihre Frage, stattdessen eine absolut überflüssige Belehrung in Sachen Schutzmaßnahmen und Forschungsansatz, was sie tatsächlich zu einem amüsierten Schnauben verleitete. Bisher hatte sie es offenbar gut auf die Reihe bekommen, das Labor, wenn man es denn so nennen wollte, heile zu lassen – zumal ihr an den wirklich riskanten Versuchen nicht wirklich viel lag, dafür hatte sie vielleicht immer zu wenig Ehrgeiz oder zu viel Liebe zum eigenen, unversehrten Leben verspürt. Sollten andere den Nervenkitzel genießen, wenn es um die ganz großen Experimente ging – sie selbst hatte nicht das geringste Interesse daran, schwer verletzt, entstellt oder tot aus den Trümmern großer Taten geborgen zu werden. Sie hatte sich oft anhören dürfen, dass ihr der letzte Funken Biss fehlte, das letzte bisschen Überzeugung, um sich unter allen anderen Zauberinnen hervor zu tun. Doch die Frage, wofür, hatte sie nie eine zufriedenstellende Antwort bekommen. Philippa mochte derzeit wohl das beste Beispiel für übermäßigen Ehrgeiz sein, der ihr letztendlich nicht nur das Augenlicht gekostet hatte. Nein, Aelies aep Baelith gab sich mit Kräutern, Tränken und langweiligen Heil- und Schutzzaubern zufrieden, Kleinigkeiten in den Augen ihrer Kollegen, die jedoch den Komfort mit sich brachten, dass sie niemals an der Zauberin selbst ausprobiert werden mussten.

Natürlich konnte es sich Drazan nicht nehmen lassen, eine eindeutige Spitze in ihre Richtung zu werfen. Untermalt von einem lauten, deutlich genervten Ausatmen, löste sich die Verschränkung ihrer Arme, drehte die Handflächen gen Kellerdecke als stumme Frage, womit sie das Alles verdient hatte. Und während auch sie im Begriff war, sich umzudrehen und sich einfach wieder ihren Steinen zu widmen, erneut den Kopf schüttelte und eigentlich gar nicht weiter darauf hören wollte, was Drazan ihr zu sagen hatte, ließ sie das Schlagwort „Gnom“ doch innehalten. „Warte…“, versuchte sie ihn zu unterbrechen und trat einen Schritt auf ihn zu. Erneut spiegelte sich in ihren Zügen eine dezente Fassungslosigkeit. Das war IHRE Idee gewesen! Die weiterführende Erklärung ihres ehemaligen Lehrmeisters drang nur halbgar an ihre Ohren, während sie langsam die rechte Hand hob und ihren Zeigefinger auf ihn richtete – eindeutig drohend. Die Selbstverständlichkeit, mit der Drazan seine neusten Erkenntnisse mit ihr teilte, verschlugen ihr genauso die Worte, wie seine Dreistheit, sie darüber so ganz beiläufig zu informieren. Sie verringerte abermals deutlich die Distanz zwischen ihm und ihr. Als er ihr nun auch noch zu verstehen gab, dass sie sich besser um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte und keine Hilfe von ihr benötigte, senkte sich ihr weiterhin gehobener Zeigefinger mit festem Druck auf das aufgeschlagene Notizbuch. Dass sie ihm bedrohlich nahegekommen wäre, wäre übertrieben ausgedrückt – immerhin überragte Drazan ihre schmale Gestalt um mehr als einen Kopf und mit einem gezielten Rüffel mit der Schulter hätte er wohl mit Leichtigkeit nun ihre Nase empfindlich treffen können. Sie blickte ernst zu ihm hinauf. „Das…“ Sie tippte zwei Mal eindringlich auf das Papier, führte ihren Satz jedoch nicht weiter sondern presste fest die Lippen aufeinander. Sie wollte wirklich keinen kindlichen Streit über gestohlene Ideen vom Zaun brechen, obwohl sie ihm gern vorgehalten hätte, dass er ohne sie nicht einen Gedanken an die verdammten Gnome verschwendet hätte. Sie schluckte die gallebitteren Worte, die ihr auf der Zunge lagen, hinunter und schloss kurz die Augen, um sich auf Haltung und Verstand zu besinnen. Ein tiefer, fast schon angestrengter Atemzug folgte. „Mit den Steinen läuft es ganz hervorragend, Danke der Nachfrage. Stehe kurz vor dem Durchbruch.“, erklärte sie dann mit federleichter Gelassenheit und selbstverständlich lügend, ohne rot zu werden. Mit einem fast schon unschuldigen Lächeln blickte sie zu dem Zauberer hinauf, während sie nun ihre Handfläche auf das Buch legte und sich auf ihm abstützte, wohl wissend, dass sie damit eine Grenze überschritt, für die sie früher nicht nur hochkant sondern gevierteilt aus dem Saal geflogen wäre. „Ich glaube nicht, dass etwas fehlt…“, sprach sie dann weiter und deutete mit der linken Hand zu ihrem Arbeitsplatz. „…vielmehr feile ich noch an der genauen Dosierung der Mittel. Ich bin mir nicht ganz sicher…“ Ein kurzes Abwenden seines Blicks nutze sie sogleich aus. Das Zuklappen der Buchdeckel war deutlich zu hören, als sie die Schultern ein wenig anhob, als wäre sie sich in ihrer Aussage nicht ganz sicher. „Du weißt ja. Forschung funktioniert meist nicht auf Anhieb.“ Sie wog sein Notizbuch kurz in der Rechten, ehe sie es zwischen ihn und sich selbst hob und mit einem sanften Kippen aus dem Handgelenk den Buchrücken an seine Brust tippen ließ, ehe sie den Schwung umkehrte und es fast schon theatralisch an die eigene Brust drückte. Im selben Moment vollführte ihre Linke einen sanften Wink und in Verbindung mit drei, vier halblaut gesäuselten Worten erschuf sie eine sanft glimmende aber durchsichtige Barriere, die unspektakulär aber überaus widerstandsfähig war. Sie warf ein zufriedenes Lächeln zu ihm hinauf, während ihre Finger sanft und geduldig auf den Ledereinband des Notizbuchs trommelten. „Woher hast du die Aufzeichnungen?“, fragte sie dann ernst und hob in gespannter Erwartung die Augenbrauen. „Und komm‘ mir nicht mit irgendwelchen Beziehungen zu Händlern und Alchemisten, es ist nicht so, dass ich mich nicht mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hätte. Und ja, ehrlich gesagt läuft es mit den Edelsteinen ziemlich…“ Sie suchte für einen Moment nach dem richtigen Ausdruck. „…beschissen.“ Sie nickte. „Freut dich sicher.“, mutmaßte sie dann mit einem leichten Schulterzucken und schob kurz in aufgesetztem Selbstmitleid die Unterlippe vor, ehe sie sich nun auf die Tischkante setzte und die Beine überschlug. „Aber denk nicht mal daran, dass ich dir Gnome einfach so überlasse.“
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Drazan
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#6
23.10.2021, 21:48
Drazan Ehrendorn hatte einen Forschungsdrang den wohl nur wenige Menschen gänzlich verstehen konnten. Es war nicht ungewöhnlich, insbesondere dann wenn er seinen exzentrischen Tunnelblick an den Tag legte, dass der Zauberer jegliche Grenzen guten Geschmacks oder Manieren in den Wind schlug. In diesen hatte er sowieso maximal in Büchern gelesen und war keinesfalls gewillt diese seltsam zivilisierten Regeln, deren Wert für die Zivilisation er zwar anerkannte, seinen Forschungen im Wege stehen zu lassen. Wenn er eine Idee hatte, plante er den Weg vor und führte ihn dann präzise wie eine Maschine aus. Dass er dazu Aelies Labor, dass ihn wirklich nur als Mittel zum Zweck interessierte, erobern musste war ihm dabei ebenso egal wie das der ausschlaggebende Hinweis auf das Experiment eigentlich von ihr kam. So waren sie nun einmal, die Zauberer. Hatte man damals noch Vilgefortz und Konsorten unbändigen Machthunger unterstellt der maximal von Manieren und falschem Lächeln verdeckt wurde fand man bei Drazan keines der unerwünschten Eigenschaften die zur Gründung der Loge geführt haben. Dafür allerdings etwas ganz und gar anderes, dass je nachdem welche Sichtweise man annahm vielleicht nicht ganz so dramatisch war, dafür aber ebenso nervig. Auf Ränkespielchen ließ sich der Nilfgaarder maximal ein, wenn er gezwungen wurde oder aber es für das Geschehen der Welt unabdingbar war, dafür war sein kompromissloser Forscherdrang wirklich eine ebenso anstrengende Eigenschaft.

Von Spielereien an seinem Notizbuch ließ sich der Zauberer keinesfalls ablenken, sein Blick ruhte eisig auf seiner ehemaligen Schülerin. Ein Blick in dem gleichsam eine Kälte lag die daher herrührte das der Zauberer rational jedes Wort von Aelies abwog und interpretierte, jedoch eben auch der Wunsch einfach in Ruhe gelassen zu werden und seiner Arbeit nachzugehen. Die Steine interessierten ihn zwar durchaus, jedoch nicht im Moment weswegen er auch nicht die Nuancen laß um herauszulesen das es sich eigentlich um eine Lüge handelte die Aelies ihm dort abwog. Die Aussage zu dem herumfluchen vor einigen Minuten zu bringen war ihm ebenfalls fremd, seine Intelligenz war voll und ganz mit dem vervollständigen der Formel beschäftigt. Soziale Interaktion musste warten. „Freut mich.“, sagte er trocken. Eigentlich hätte der Satz: Zur Kenntnis genommen lauten müssen. Das sie nun sein Notizbuch an sich riss ließ ihn zunehmend unruhiger Werten, nicht äußerlich, aber innerlich. Er brauchte dieses Buch um die Formel zu vervollständigen, naja, nicht wirklich. Aber das Rezitieren von Sprüchen war eben einfach besser wenn man sicherheitshalber noch einmal nachlesen konnte wie genau diese letztendlich lauteten. Sie war keine Schülerin mehr, weswegen er sie in seinem Kopf in die Kategorie: Mit normalen menschlichen Formalien behandeln gepackt hatte, andernfalls hätte er sie trocken in irgendein Ungeziefer verwandelt das nicht mehr allzu viel Schaden angerichtet hätte. Das war ihm nun nicht möglich. Dass Forschungen nicht auf Anhieb funktionierten ließ ihn jedoch schmunzeln, erinnerte er sich noch gut an eine junge Schwarzhaarige die ungeduldig Bücher durch den Saal geworfen hatte nachdem etwas eben nicht funktioniert hatte beim ersten Versuch. Zeiten nach denen er sich zurücksehnte, ehrlich gesagt. Als sein Notizbuch in Reichweite war, auch wenn ihm die Bewegungen von Aelies etwas kryptisch vorkamen, fuhren die Finger wie von einem Magneten angezogen nach dem Buch aus nur um im nächsten Moment im luftleeren Raum zu landen. Er würde nicht nach ihrer Brust greifen, egal in welchem Sinne und körperliche Gewalt oder auch nur Kontakt lagen ihm zuwider. Als die Barriere zwischen ihnen dann erschien, natürlich hatte er selbst von den Silben die er gehört hatte ahnen können was dort passierte, trat er symbolisch einen Stück zurück. „Die Aufzeichnungen…“, sagte er und ließ die Barriere dabei völlig unkommentiert, „Haben wir gemeinsam erlangt, falls du dich erinnerst. Sie waren zugegeben zwischen den Zeilen versteckt, wortwörtlich, aber dennoch.“ Leicht runzelte er die Stirn bevor ein langes, genervtes Seufzen seine Lippen verließ. „Misslungene Experimente sind alles andere als ein Grund zur Freude für mich.“, sagte er dann kalt, „Immerhin ist es unser gemeinsames Ziel eine Lösung zu finden.“ Nachdem sich Aelies also im Kleinkindmodus nun völlig auf Protest aus zeigte, seufzte der Zauberer abermals. Reckte das Kinn kurz, im typischen lehrmeister Modus, und nickte. „Es ist bedauerlich, das der Rest deines Verstandes nie den Hörsaal verlassen hat.“, tadelte er sie äußerst subtil. Einige Worte später, die der Zauberer vor sich hinmurmelte, blitzte die Barriere kurz auf und die darauffolgende Stille ließ vermuten das der Nilfgaarder nun auch Schall zu den abgeblockten Dingen addierte. Er drehte sich daraufhin um, kniete sich vor seinen Kreis und begann sein Experiment.

Der erste Schritt war es, sicherheitshalber, einen leichten Bannkreis zu kreieren und sich selbst mit einem Schutzzauber gegen die Elemente zu schützen. Er spielte immerhin mit Feuer, da sollte man etwas für den Brandschutz machen. Er überprüfte abermals wie akkurat er den Zauber vorbereitet hatte, nickte zufrieden, und kniete sich dann vor den Kreis. Beide Handflächen zur Decke gewandt, die Arme ruhend neben seinen Beinen liegend. Mit den Sinnen, die jeder Zauberer irgendwann entwickelte, suchte er nach der nächsten Feuerquelle aus die er ziehen konnte und begann eine infernale Energie aus dem tiefsten Erdkern zu ziehen, während er langsam die Worte fachmännisch aufsagte welche er im Notizbuch niedergeschrieben hatte. Dieses schien beinahe in Aelies armen zu schmollen, das Leder und die Seiten wirkten plötzlich besonders weich und nachgiebig als hätte es an Struktur verloren durch die magische Barriere zwischen seinem Meister. Es begann warm zu werden in dem abgeschotteten Kämmerchen, sehr warm. Die Symbole und Runen glühten auf, während sie dort gelegten Innereien erhitzten die zu schwarzem Pulver zerfielen und sich langsam zur Mitte bewegten. Dort türmten sie sich auf, einem Vulkan in der Form gleich. Selbst durch die Barriere war zu spüren, dass es keinesfalls ein leichter Zauber war. Dennoch sah man noch nichts. Erst als der Nilfgaarder seine akzentbehafteten Worte beendet hatte, genug Energie aufgebracht hatte stieß eine Stichflamme aus dem Aschevulkan die beinahe bis zur Decke reichte. Die Farbe der Flammen versprach eine immense Hitze, eine Hitze die man eben nicht durch die besten Schmelzöfen hinbekam. Damit beschäftigt die Kräfte zu bändigen nahm der Zauberer zunächst wenig Notiz von der Wirkung des Experiments.

Es sah aus, als wäre alles glatt gelaufen. Das Notizbuch in Aelies Arm bewegte sich ein wenig seltsam, es wobbelte und vibrierte während, für die Zauberin nicht sichtlich, einige Aufzeichnungen des mit dem Auge wahrnehmbaren Ergebnis entstanden. Auch der Effekte, die sich der konzentrierte Zauberer nicht bewusst war. Für Aelies allerdings gut zu sehen begann der Aschetrichter aus dem das Feuer entstanden ist immer wieder leicht zu glühen. Rote, blitzartige Energiestöße die zwischen dem Pulver herausstießen zeigten deutlich, dass der Sockel der Feuersbrunst keinesfalls stabil genug war diese Energie lange zu halten und zu kanalisieren. Und was passierte wenn Feuermagie unkontrolliert einfach entlassen wurde? Ja, genau. Erstes Semster an jeder Akademie. Ebenfalls wurde sicherlich erwähnt, dass man sich keinesfalls im Raum oder einige CM davor befinden sollte, da ansonsten die Flammen einen vermutlich vernichten würden. Drazan merkte davon nichts, erst als sein Schutzzauber langsam nachließ und die Hitze ihn aus seiner Trance riss, entdeckte er den Schlamassel. Zu dieser Zeit hatte die kanalisierte Energie beinahe ihre Fessel gelöst, war kurz davor sich zu entladen. Der Nilfgaarder Zauberer hatte nur wenige Sekunden Zeit zu reagieren, glücklicherweise hatte er die Barriere exakt so modifiziert dass sie eben von beiden Seiten gelöst werden musste und nicht nur von der Seite von Aelies. Die Druckwelle würde ihn vermutlich zwischen der Barriere und dem Ursprung zerdrücken, würde die Barriere nicht aufgelöst. Zwei Aktionen blieben dem Zauberer noch und diese waren die Barriere auf seiner Seite zu lösen und sich gleichsam mit einem Schutzschild zu umgeben das er zumindest das Feuer überleben würde, wenngleich er auch gewiss von der Druckwelle entweder zerdrückt oder aus dem Labor gefegt werden würde. Nun lag es, ausnahmsweise, an Aelies ihren alten Lehrmeister zu retten.
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Elsbeth
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#7
23.10.2021, 21:49
Ein halbherziges, spöttisches Lachen glitt ihr über die Lippen, während sie nun das Buch in ihren Schoß bettete, ihre Hände jedoch auf dem Einband liegen ließ, als müsse sie es trotz der Barriere beschützen. „Gemeinsam, genau darum geht es mir, Drazan.“, antwortete sie dann mit deutlich schroffem, vorwurfsvollem Tonfall, der durchaus von seiner erneuten Spitze gegen sie befeuert wurde. „Weißt du, auch wenn du zu stolz bist, um dir einzugestehen, dass aus mir tatsächlich etwas geworden ist – es gibt genug andere Leute, die genau das erkannt haben.“ Es verletzte sie tatsächlich, dass er sie derartig denunzierte – ja, sicher hatte es auch zu ihrer Zeit die Überflieger und Talente gegeben, denen grundsätzlich alles viel leichter gefallen war, als ihr. Doch fehlende Begabung hatte sie mit Schweiß, Tränen und viel Aufwand kompensiert und allein die Tatsache, dass es nur ein wenig Glück gebraucht hätte, um eine Anstellung am Hofe Cintras zu erhalten, hatte sicher nicht mit ihrem hübschen Gesicht zu tun. Dass er ihre Widerworte wahrscheinlich gar nicht mehr wahrgenommen hatte, war ihr ziemlich egal, dennoch hielt sie genau diese Vermutung davon ab, sich weiter in ihre eigene Verteidigung zu steigern. Stattdessen schüttelte sie nur genervt mit dem Kopf und atmete einmal tief durch, ehe sie das Buch wieder aufklappte und zur vermeintlich korrekten Seite blätterte. Sie hatte in den Jahren die wildesten Aufzeichnungen von Kollegen, Lehrern und Mitschülern studieren dürfen. Alle hatten wenig darauf gegeben, diese wirklich nachvollziehbar von Anfang bis Ende geordnet niederzuschreiben. Spontane Einschübe, Anmerkungen, wilde Reihenfolgen: sie war es mittlerweile gewohnt, um diverse Ecken zu denken und sich auf den eigenen logischen Verstand zu verlassen, um die essentiellen Dinge aus solch privaten Notizen zu ziehen. Auch wenn sie durchaus beleidigt war und sie einfach hätte gehen können, überwog das Interesse an seinem Zauber doch zu sehr – und er kannte sie wahrscheinlich gut genug, um genau das von ihr zu erwarten. Das übliche, kurze Aufbäumen und Zetern, um dann doch wieder die Füße still zu halten und ihm zuzusehen, wie er Dinge vollbrachte, an die ein durchschnittlicher Zauberer nicht einmal einen Gedanken verschwendete. Dass ihre stille Bewunderung für Drazan auch die persönliche Kränkung überwog, war ihr wahrscheinlich genauso bewusst wie ihm. Nur, dass sie hoffte, eines Tages darüber hinweg zu kommen und er sich darum einfach nicht scherte.

Sie verfolgte sein Tun aufmerksam, auch wenn ihr der akustische Eindruck fehlte, glich das, was sie sehen konnte, mit den Notizen ab und schnalzte abschätzig mit der Zunge, als das Buch in ihrer Hand Anstalten machte, ein Eigenleben zu führen. Sie kannte diese Reaktion von sehr persönlichen Dingen, von Objekten, die eigentlich nur Informationen bewahren oder anderweitig hilfreich sein sollten und ihre Aufgabe dann irgendwie zu ernst nahmen. Die fast schon leidlich wurden, wenn man ihnen diese Aufgabe verwehrte, offenbar. Ihr Griff um die Blätter war fast mitleidig sanfter geworden, als hätte sie Angst, dass das Buch spontan anfangen würde, zu jammern und sich aus ihrem Griff winden zu wollen, wie ein Welpe, der zurück zu seinem Herrchen wollte. „ICH kann nichts dafür.“, fuhr sie es an, als hätte es ihr einen stummen Vorwurf gemacht und schüttelte noch einmal über die Unnachgiebigkeit Drazans den Kopf, ehe sie ihm wieder einen kurzen Blick zuwarf und wieder umblätterte. „Wenn der Sturkopf keine Hilfe will, BITTE!“, fuhr sie dann weiter fort und wäre aus dem Kopfschütteln gar nicht herausgekommen, wenn sie ein kurzes, heftiges Zucken des Buches nicht gezwungen hätte, inne zu halten. In einer fast beruhigenden Geste legte sich ihre rechte Handfläche auf das eigenartig warme Papier, die beschäftigt wirkenden Seiten. Ihre Augenbrauen zogen sich ein wenig zusammen, während sie nun ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Ritual richtete, das durchaus spektakulär wirkte. Irgendwie… zu spektakulär.

Instinktiv spannte sich ihr Körper an, während sich ihre Augen als Reaktion auf die hellen Blitze innerhalb des Feuers angestrengt verengten. Sie rutschte vom Tisch, um die wenigen Zentimeter, die ihr die Barriere vor ihr noch gestattete, näher zu treten, während das Buch in ihren Händen eine eigenartige Konsistenz annahm und sie sich kaum gewundert hätte, wenn es ihr in wenigen Momenten einfach wie Sand durch die Finger gerieselt wäre. Ihr Unterbewusstsein war längst in höchster Alarmbereitschaft, die sich heftig in ihrem Körper ausbreitete, als ihr klarer wurde, dass Drazan nicht mitzubekommen schien, dass dort etwas aus der Bahn geriet. Sie wusste, warum sie diese vermaledeite Elementarmagie immer gehasst hatte, dass der Respekt, dem sie vor allem Feuerzaubern zollte, durchaus aus einer vernünftigen Angst resultierte – die nun redlich gefüttert wurde. Zu viele Geschichten hatte sie von diversen Zauberinnen und Zauberern gehört, die sich damit brüsteten, das Feuer wie kein anderer zu beherrschen und letztendlich als kläglicher Aschehaufen geendet waren, zu viele Brandwunden eben jener Größenwahnsinnigen hatte sie bereits behandelt – und auch eben jener, denen ihre Angst nicht geholfen hatte, rechtzeitig zu fliehen. Ohne darüber nachzudenken legte sich ihre Hand an die Barriere, die ein sanftes Kribbeln in ihre Finger schickte und ihr ein Verständnis für die Hitze, die auf der anderen Seite lag, vermittelte. Elsbeth presste die Lippen aufeinander, im Zwiespalt darüber, ob sie Drazan genug vertraute, um ihn einfach weiter machen zu lassen, oder der Vernunft, irgendwie einzugreifen, nachzugeben. Sie an ihrer Stelle hätte längst abgebrochen – jede Sekunde, jeder noch so kurze Augenblick, der nun verstrich, bedeutete nur mehr Gefahr, mehr Kraft, weniger Kontrolle, allen guten Schutzzaubern zum Trotz. Da jede Anstrengung, seine Aufmerksamkeit irgendwie auf das zu lenken, was da offenbar unbemerkt von ihm direkt vor ihm geschah, umsonst gewesen wäre, warf sie fast trotzig das Buch zurück auf den Tisch und bereitete sich in Gedanken auf das schlimmste vor. Wenn ihr der Krieg etwas beigebracht hatte, dann war es wohl dieses stoische Ruhebewahren im Angesicht von Chaos – und das drohte hier.

Es war nicht viel Zeit, die verstrich und dennoch war es genug Zeit, um die Gedanken zu ordnen und erste, wichtige Entscheidungen zu treffen, auch wenn dies beinhaltete, Drazan nun vorerst außer Acht zu lassen und sich kurz aufmerksam einzig und allein dem Übel zu widmen, das dort in der Mitte des Raumes loderte und für diesen, ganz simpel gesagt, einfach eine Nummer zu groß war. Selbst wenn ihre Künste, Wasser aus dem umliegenden Boden zu ziehen, wirklich übermäßig ausgeprägt gewesen wären, hätte sie halb Novigrad trocken legen und riskieren müssen, die Schiffe im Hafen auf Sand laufen zu lassen, um das Feuer, das Drazan geschürt hatte, zu löschen – unabhängig von der fehlenden Zeit war dies also keine Option. Elsbeth hatte zwar kein Interesse daran, ihr Labor flächenmäßig zu vergrößern, doch im Endeffekt würde es auf so etwas hinauslaufen, schwante ihr. Um das Problem möglicher einstürzender Decken zu lösen, genügte vorerst ein relativ einfacher Schutzzauber, der jedoch kaum ausreichen würde, um die Hitze über längere Zeit unbeschadet zu überstehen. Es brauchte nur ein wenig Verstand, um sich auszumalen, was große Hitze mit den kellerfeuchten Steinen anstellen würde. Sie mussten die Energie loswerden, aus den engen Wänden schaffen, bevor sie sich selbst einen Weg bahnte oder so große Schäden anrichtete, dass es dem Haus an die Substanz ging. Der Weg nach oben war keine Möglichkeit, wenn sie heute Nacht nicht unter freiem Himmel schlafen wollten, die Schäden am Fundament des Hauses, wenn sie die Kanalisation ans Ziel wählte, schienen ihr ebenfalls als zu risikoreich, sodass der einzige Weg auf gleicher Ebene lag. Mit einem schnellen Blick über die Schulter schätzte sie die günstigste Richtung ab – den kürzesten Weg vom Haus fort, in den Garten, den wunderschönen Garten, von dem wahrscheinlich nicht viel übrig bleiben würde. Da sie keine Zeit hatte, weitere Unternehmungen zu starten, um die Stabilität der Decke zu sichern, musste sie schnell sein und dem Höllenfeuer irgendwie eine Richtung auf zwängen. Unterstützung dabei wäre mehr als hilfreich – und so blickte sie nun wieder zum Ursprung allen Übels, zum Missetäter und wohl erstem Opfer, wenn nun irgendetwas schiefgehen würde. Der kurze Moment, der verflog, bis auch sie die Barriere zwischen ihm und sich löste, war so marginal, dass das Auflösen fast synchron geschah. Plötzlich sowohl mit dem Geruch als auch den Geräuschen des Zaubers konfrontiert, der kurz all ihre Sinne einnahm und sofort die Erinnerung an die Front in Cintra in ihr weckte, setzte sie vielleicht einen Moment lang außer Gefecht, sodass erst der beginnende Schmerz der Hitze, der nun ungebremst auf ihre Haut prallte, sie dazu brachte, den nächsten Zauber aus dem Handgelenk zu schütteln und sich selbst vor dem Feuertod zu bewahren. Doch im Gegensatz zu Drazan beschränkte sie den Schutz nicht auf sich, sondern schirmte, ganz so, wie sie es im Krieg gelernt hatte, auch ihn mit ab, teilte den Raum in zwei Hälften. Ein durchaus kraftraubender aber über die Zeit ins Fleisch und Blut übergegangener Akt, über den sie gar nicht mehr nachdenken brauchte, dessen Beschwörung ihr wie ein tausendmal gesagtes Gebet über die Lippen glitt und sie einhändig mit der Rechten in die Luft schrieb, als wäre es eine lapidare Handbewegung wie ein Winken zum Gruß. Im gleichen Zuge löschte sie mit einem fast beiläufigen Drehen der linken Hand die nun vom Ursprung abgeschnittenen Flammen, die sich bereits in das Mobiliar fraßen, auch wenn sie wenig Hoffnung hatte, dass auch nur ein Ding in diesem Raum – sich und Drazan ausgenommen – unbeschadet bleiben würde.

Das nun unkontrollierte Schlagen der Flammen in ihre Richtung, überhaupt in jede Richtung ließ darauf schließen, dass Drazan die Kontrolle weiter und weiter aus den Händen glitt. Mit rasendem Herzen und mit ausgestreckter rechter Hand, die das eigene magische, deutlich unter dem Wirken des Feuers pulsierende Schutzschild aufrecht und es vorerst am Vordringen weiter in ihre Richtung abhielt, wanderte ihr Blick sorgenvoll zur Decke, deren als leichtes Glimmen erkennbarer Schutzzauber direkt über dem Ausgangspunkt des Schauspiels bereits gefährliche Risse zeigte. „Das muss weg, Drazan!“, rief sie nun mit deutlichem Beben in der Stimme zu ihm hinüber, als sie endlich ihre Worte fand. „In den Garten. Zum Teich. Ganz egal, es muss WEG!“ Sie konnte nicht sagen, ob es die Hitze war, die sich unsichtbar durch ihre Fingerspitzen schmerzhaft durch die Adern im Körper ausbreitete und die flimmernde Barriere zum Beben brachte, oder das Aussprechen der Tatsachen. Einen winzig kleinen Bruchteil der Energie auf der anderen Seite nutzte sie nun, auch wenn das unangenehme Gefühl, das die Umleitung durch den Körper von der einen und die andere Handfläche mitbrachte, ihr beinahe den Magen umdrehte, um einen Teil der Wand hinter ihr zu treffen und das Erdreich hinter den Steinen freizulegen, von dem sie sich versprach, dass es die überschüssige Kraft im Raum aufnehmen und mit ein wenig Hilfe halbwegs zielgerichtet abfangen würde. Die Wucht, die hinter ihrem Zauber lag, erschreckte sie selbst, das lautstarke Zersplittern der Steine, die sich in tausend Teilen über den kompletten Raum verteilten und wie Geschosse auf ihre Schutzschilder trafen, ließ sie heftig zusammenzucken. Dass sie nun Beide direkt zwischen der Feuerwand und dem angestrebten Ausgang für eben diese standen, entlockte ihr ein zweifelndes Neigen des Kopfes und einen bedeutungsschweren Blick zu Drazan. „Ich kann nicht Beides machen. Ich pass auf uns auf und du schmeißt es raus.“
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Drazan
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#8
23.10.2021, 21:54
Im Krieg lernte man, Ruhe zu bewahren. Eine Erfahrung auf die der Zauberer allerdings gar nicht zurückblicken musste, empfand er jede Form von Panik als dermaßen unnütz das er es bevorzugte, seine körpereigenen Reaktionen auf Stress mit der Stärke seines Geistes zu schlagen. Grund zur Panik gab es ja sowieso nicht, es war ja nur eine riesengroße Stichflamme die potentiell mit so viel Energie geladen war zumindest einige der im Keller gelagerten Fässer, samt Fassaden, Menschen, Aufzeichnungen und sonstiges in Brand zu setzen. Immerhin hatte Wein nicht so einen hohen Alkoholanteil das man sich Sorgen machen müsste. Wenn er so darüber nachdachte, konnte man Wein vielleicht zum löschen benutzen? Sicherlich unkonventionell…darüber sollte er einmal Nachforschungen anstellen, für den Fall der Fälle. Konnte man nicht vielleicht ein Feuer in einem Keller entfachen, dadurch die Struktur des Gebäudes schwächen und der Wein würde früher oder später so ja alles löschen, was hieße man hätte eine deutliche Nachricht…HALLO FEUER. Als die Barriere sich löste, sprang der Magier auf. Panik war unweise, in der Tat. Allerdings war so ein Überlebensinstinkt höchst nützlich und es war nicht so, als ob sich sein Teint sonderlich gut mit stahlschmelzenden Flammen vertragen würde. Wobei man dem Zauberer dann vielleicht endlich einmal nicht mehr nachsagen konnte, er wäre blass wie ein Vampir. Viel Zeit die Situation zu analysieren blieb nicht, aber es gab ja auch nicht. Das Feuer musste weg. Möglichst ohne alles in die Luft zu jagen. Er machte sich recht wenig Hoffnung, den Zauber nochmal in den Griff zu bekommen. Er hatte deutlich entweder eine Ingredienz vergessen oder die Formel falsch gemacht. Alles wäre sicherlich nicht passiert, hätte seine ehemalige Schüler nicht sein Notizbuch eingezogen was – übrigens – so dermaßen Terz machte, hätte es Beine würde es geradewegs zu seinem Meister zurücklaufen. Leider hatte es nur einen abgenutzten Ledereinband.

Nachdem er ausreichenden Abstand zum Feuer hergestellt hatte und sich hinter der, zugegeben durchaus ordentlichen, Barriere von Aelies zurückgezogen hatte war dem Zauberer aufgefallen wie warm er eigentlich war, was daran abzulesen war, dass er ausgesehen hätte wie ein nasser Pudel hätten die Flammen nicht jegliche Feuchtigkeit aus seinen Klamotten gezogen. Dennoch klebten seine Haare in einem wilden Chaos an seiner Stirn und er fühlte sich unerwartet zittrig auf den Beinen. ‚Beziehe niemals Energie aus dem Feuer‘ hörte er noch die Warnungen zahlreicher Lehrbücher. Diesmal sollten sie recht behalten, allerdings empfand er solcherlei Warnungen als ähnlich nützlich wie die Abhandlungen des Hierarchen. Sie sahen gewiss wunderbar im Regal aus, aber ansonsten taugten sie doch zu nichts. Die Flammen hatten bereits etwas Mobiliar und einige der Stützbalken des Kellers angefressen, die würde man wohl oder übel ersetzen müssen. Kurz war er versucht, sich einfach hinzuwerfen – hatte er das beklemmende Gefühl sich nicht wirklich auf den Beinen halten zu können, wenn er erstmal fertig war. Das Feuer musste weg, das hatte seine Schülerin – pardon Kollegin – gut erkannt. Diese Mengen an künstlicher Energie zu kontrollieren würde ein Kraftakt werden. Das nächste Mal würde er in mehr Schutzzauber investieren, die hatten ihm allerdings noch nie besonders gut gelegen.

„In Ordnung.“, kommentierte er beinahe mit seelenruhiger aber deutlich erschöpfter Tonlage den Vorschlag von Aelies. Er krempelte sich die Ärmel nach oben – verzichtet auf das in die Hände spucken – und legte dann auch schon los. Der Zauberer hob die Arme, als könnte er die Flammen damit irgendwie beeindrucken. Wäre ein gewöhnlicher Idiot im Raum, würde er vermutlich anfangen zu lachen. Bei zwei Zauberern sah die Sache hoffentlich anders aus, als nach wenigen Sekunden die Flammen plötzlich keinen weiteren Fortschritt machten sich auszubreiten, sondern stattdessen beinahe innehalten. Als würde der Zauberer mit ihnen diskutieren. Dann rollten sie langsam, aber stetig zurück, sie verschwanden nicht, sondern verdichteten. Es war wesentliche einfacher einen kompakten Feuerball irgendwo hinzuschicken als ein flammendes Inferno. Gleichwohl wie der Nilfgaarder Fortschritte bei seiner neuen Karriere als Feuerbekämpfer machte, so Schritten auch Zeichen von körperlicher Erschöpfung an seinem Körper fort. Die sowieso viel zu dünnen Beine hatten Probleme den gleichwohl schmalen Torso zu stützen, gleichwohl rannte der Schweiß ihm nun über die Stirn. Und als wäre das nicht genug, spürte er auch die Konsequenzen, die man nun einmal zwangsläufig ertragen musste, wenn man mit Feuer hantierte.
Zwar hantierte er nicht direkt mit den Flammen, dennoch konnte man zunehmend an seinen Händen und Armen deutlich rote Verfärbungen erkennen ließen. Zunächst an seinen Fingerspitzen, weiteten sich die roten Stellen doch bald zunehmend aus – der dabei entstehende Schmerz war, das musste man schon so sagen, alles andere als angenehm und hätte bei jedem Hexenjäger mit einer Freundschaft zu Brandeisen einen erhöhten Puls ausgelöst. Einmal mehr war sich Drazan sicher, dass er nur äußerst ungerne mit einem Scheiterhaufen in Kontakt kommen würde während er langsam seine Arme senkte, als würde er irgendetwas schweres nach unten drücken. Die Flammen zogen sich immer mehr zurück, schwebten nun knapp über dem Bereich den der Zauberer noch bis vor kurzem und formten langsam einen lodernden, hellen Ball den man wirklich mit ‚nicht anfassen‘ beschriften sollte. Apropos nicht anfassen, dasselbe galt mittlerweile für Drazans Arme die nicht nur aussahen wie ein gekochter Hummer, sondern dementsprechend warm waren. Außerdem bestand bei solchen Wunden ja immer die leidige Sache mit den Infektionskrankheiten.

Drazan hatte mittlerweile das dringende Bedürfnis sich irgendwo abzustürzen oder sich zu setzen, leider war das keine Option – außer man wollte einen glühenden, komprimierten Feuerball auf die Welt loslassen. Nur noch ein Schritt, dann war die Sache erledigt. Während er die eine Hand ausgestreckt hielt, als wollte er einem weglaufenden Kunden halt gebieten gestikulierte er wild mit der linken herum. Ein Luftzug ging durch den Raum, kaum zu spüren. Zunächst schien sich alles auf den Feuerball zuzubewegen, als würde er etwas einsaugen ehe schließlich eine gewisse drehende Bewegung ins Spiel kam. Hatte jemand jetzt auch noch einen Sturm hier entfesselt? Nein, der Ursprung zeigte sich einige Sekunden später als mit einem ohrenbetäubenden Knall ein Loch mitten in der Luft aufgerissen wurde, knapp unterhalb des glühenden Balls. Um die gähnende, schwarze leere die alles einzusaugen schien und bereits kräftig an den flammen zerrte befand sich ein dunkler Film aus dunklem Nebel, der immer wieder zu Boden tropfte und dort restlos verpuffte. Ein eigentlich seltsames Detail, waren solche Portale doch meistens in einer glühenden energetischen Umrandung der Farbe Orange eingebettet. Mit einem letzten, befriedigenden Senken der rechten Hand verschwand der Feuerball schließlich in der Ungewissheit, was eine beinahe sofortige Senkung der Raumtemperatur zufolge hatte. Anschließend sackte der Zauberer etwas auf den Boden, der nicht weniger gefährliche Strudel im Raum-Zeit-Kontinuum vergrößerte, sich kurz deutlich, bevor der Zauber ihn wie eine lästige Fliege mit einer Handbewegung abschoss. Anstatt allerdings einfach zu verschwinden, verwandelte er sich in eine Schwade dunklen Rauchs die zu Boden sank und sich dort langsam auflöste.

Gut, dass gerade niemand in der Nähe war als sich der Teich in der Nähe des Anwesens in eine trockene Fläche verwandelte, deren Oberfläche an eine Wüste irgendwo im Süden des Reiches erinnerte. Darum musste sich der Zauberer aber jetzt keine Gedanken machen, wirklich nicht. Sorgen sollte man sich vor allem bei dem Anblick seiner Hände machen, waren diese vor wenigen Minuten noch blass wie eine Kalkwand waren, hatten sich die Unterarme in ein feuriges Rot verwandelt. Seine Hände hatten deutlich dunklere Stellen und ebenfalls einige sehr unangenehme Blasen geschlagen die, das musste man schon so deutlich sagen, schmerzten wie die Hölle. Der Zauberer kam allerdings nicht in den Genuss, den Schmerz völlig unverändert wahrzunehmen fühlte sich doch gerade für einige Minuten sein Kopf wie blei an und die Welt als wäre sie aus Watte, während er angestrengt seinen Kopf gegen die Kante des Labortisches gelehnt hatte. Ein letzter Hochpunkt des Tages war, dass man den Lehrmeister doch tatsächlich leise ein Schimpfwort in der alten Sprache hören konnte.
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Elsbeth
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#9
23.10.2021, 21:57
Unter anderen Umständen hätte Elsbeth wohl ein paar Mal ungläubig Blinzeln müssen, weil Drazan kein Widerwort gab. Eine Verbesserung. Kein „Ja, aber…“, keine abfällige, strafende Ignoranz. Stattdessen stimmte er ihr zu, unverwandt, ganz unspektakulär. Unter den aber nun tatsächlich vorherrschenden Gegebenheiten war es nur ein dankbares und erwartungsvolles Nicken, dass sie sich als Reaktion auf seine Zustimmung leisten konnte während sie der Erschöpfung, die in seinen zwei Worten mitklang, mehr als nachfühlen konnte. Ihr Blick wanderte unablässig vom Feuer, zum Deckengewölbe und Drazan hin und her, um im allergrößten Notfall die richtige Priorität zu setzen und sich möglichst von keiner Eventualität, die sie abschätzen konnte, überraschen zu lassen. Im Angesicht des Feuers jedoch änderten sich die Variablen, die den Notfallplan beeinflussten, zu schnell und unvorhersehbar, als dass sie in der Lage gewesen wäre, irgendeinen Ausgang für so plausibel zu halten, um auf diesen hin zu agieren. Daher blieb ihr nichts als das beständige Kalkulieren, Abschätzen und Bewerten, ohne sich in irgendeiner Sicherheit zu wiegen - und der durchaus bittere Nachgeschmack der Erkenntnis, dass nicht einmal der unfehlbare Drazan Ehrendorn in dieser Situation als Garant für ein halbwegs gutes Ausgehen des Unglücks in die Berechnung einbezogen werden konnte. Zwischen all den Gedanken, die in der zäh voranschreitenden Zeit, die er benötige, um das Feuer merklich zurückzudrängen, wog das Erkennen, dass sich Beide tatsächlich wegen seiner Sturheit in dieser Misere befanden, erstaunlich schwer. Und vielleicht sprach dieser einseitige Vorwurf sogar für einen Moment lang aus den dunklen Augen, die für eine Sekunde über Profil des Magiers betrachteten, ehe sie sich sorgenvoll wieder zur Decke wandten. Sie wusste nicht, welcher Tod der erstrebenswertere sein sollte: der durch Flammen oder einstürzende, viel zu groß gebaute Anwesen. Auch wenn sie den Zustand der förmlich unter der Hitze ächzende Decke als potenziell tödlich einschätze, wagte sie nicht, die Barriere zum Feuer, das Drazan nun tatsächlich langsam irgendwie unter Kontrolle bekam, zu lösen und hoffte innig auf ein paar weitere Momente, die ihr Schutzzauber durchhalten würde. Das leise, konzentrierte Flüstern einer weiteren Schutzformel, die sie nun Richtung Gewölbe sandte, wurde akustisch vom Tosen der Luft um sie herum verschluckt, verfehlte seine Wirkung jedoch nicht.

Das lautstarke, unerwartete Auftauchen des Portals ließ Elsbeth jedoch merklich zusammenzucken und verstummen, reflexartig die Kiefer in Erwartung einer weiteren Katastrophe aufeinanderpressen. Ein kurzes Flackern der Barriere deutete den kurzen aber deutlichen Verlust der Konzentration an, was Elsbeth selbst jetzt dazu brachte selbstkritisch die Augenbrauen zusammenzuziehen, konnten solche Fehler durchaus unverzeihliche Konsequenzen mit sich bringen. Die Kiefer mahlten noch einmal angestrengt aufeinander, als würde sie die direkte Schelte ihres Lehrmeisters erwarten, der nun endlich den glühenden, komprimierten Unfall fortschaffte.

Die plötzliche Ruhe, die einkehrte, drang nur langsam zur Zauberin vor, die sich selbst in vollem Bewusstsein, dass sich das Portal aufgelöst hatte und es für das Feuer keinen Rückweg in den Keller gab, schwer damit tat, die Barriere vor sich zu lösen. Nur langsam entspannten sich die angestrengten Rückenmuskeln, gaben die verkrampften Finger nach. Der unangenehme Schmerz, der sich von der rechten Hand aus ausbreitete, sorgte immerhin dafür, dass sie sich bewusst wurde, dass sie noch am Leben war, der dumpfen Schwere, die sich in ihrem Kopf ausbreiten wollte, konsequent entgegenwirkte. Dennoch brauchte sie zwei, drei tiefe Atemzüge, ehe sie sich in sicherer Vorahnung, dass es ihm wesentlich schlechter gehen würde, als ihr selbst, fast schon pflichtbewusst zu Drazan wandte. Sie holte noch einmal tief Luft und hielt doch in der Absicht, ihm eine gepfefferte Ansage zu machen inne, als sie den ersten Blick auf seine Arme und Hände erhaschen konnte. Sie schluckte den Vorwurf herunter – die Schmerzen würden ihm für das Erste genug strafen. Der unausgesprochene Tadel wich aus ihren Augen und machte Platz für eine deutliche Sorge, während sie die drei Schritte zwischen sich und ihm kraftlos hinter sich brachte und mit einem deutlich erschöpften Seufzen vor ihm in die Knie ging und den Blick langsam über die geschundene Haut auf seinen Armen bis hin in das bedenklich blasse Gesicht schweifen ließ. „Gut gemacht.“, meinte sie dann leise, in einem Tonfall, der nicht eindeutig genug war, um die Worte als Lob oder sarkastischen Kommentar zu werten. Eine Mischung aus Beidem, wahrscheinlich. Im gleichen Atemzug lehnte sie sich ein Stück zu ihm vor, hob die schmerzenden Arme und strich ihm vorsichtig aber zielstrebig die schwarzen Haare aus der Stirn, ehe ihre Handflächen an seine Schläfen legte. Der Schmerz, der ihr in die Knochen fuhr, ließ sie kurz die Augen schließen, um dem Instinkt, die Berührung aus Selbstschutz einfach zu lösen, konzentriert zu widerstehen, ehe sie ungefragt einen vergleichsweise simplen Zauber wirkte, der ihm für einen kurzen Zeitraum deutliche Linderung verschaffen würde – zum geringen Preis einer deutlichen Einschränkung aller sieben Sinne. Ein Nebeneffekt, der ihr im Angesicht der Tatsache, dass sie mit Drazan keinesfalls über ihre Absichten und Methoden diskutieren wollte, sehr gelegen kam. In dem Augenblick, in dem der fremde Schmerz merklich abflachte, löste sie die Hände von ihm, um in einer unnachgiebigen Bewegung nach seinen Handgelenken zu greifen und ihn auf die Beine zu ziehen. Die unnatürliche Wärme, die ihren Fingern entgegenschlug, trieb sie besorgt zur Eile. Woher sie die Kraft nahm, den schwankenden, ins Delirium gezwungenen Drazan aus dem Keller bis in das eigene Zimmer zu schaffen, wusste sie selbst nicht so genau.

Vielleicht hatte sie ein wenig übertrieben, als sie Drazan das zweite Mal in die Sorglosigkeit geschickt hatte. Der zumindest augenscheinliche tiefe Schlaf, in den er nach dem zweiten Handauflegen gefallen war, hatte ihr zumindest genug Zeit verschafft, um ihn – wenn auch unsanft, aber erfolgreich – in das Bett zu verfrachten und die ersten Fläschchen, Phiolen und Vorräte zusammen zu suchen, und eine erste, grobe Versorgung der tiefen Wunden vorzunehmen, bevor er sein Bewusstsein wieder erlangt hätte. Die letzten Minuten hatte sie nun aber mit angespannter Sorge, neben ihm auf der Bettkante sitzend, auf ihn hinab gestarrt und sich bemüht, nicht in Panik zu geraten, aus Angst, dass er spontan aufhören würde, zu atmen. Das Flackern seiner Lider ließ sie schließlich erleichtert aufatmen. Sie schwieg, hoffte tatsächlich, dass er in seiner üblichen Manier direkt anfangen würde, sich über sie zu beschweren. Vorsorglich lehnte sie sich ein wenig zurück, um sich aus seiner Reichweite zu bringen, als würde sie erwarten, dass er ihr direkt an die Kehle gehen würde.
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