23.10.2021, 22:43
Es hatte sie wirklich angestrengt, nicht darüber zu reden. Sowohl Drazan als auch Philippa gegenüber den Mund zu halten und sich statt diese an ihrer Aufregung teilhaben zu lassen davon zu überzeugen, dass sie eine Freundin besuchen wolle. Sie ahnte, dass Beide ahnten, dass da vielleicht eher ein Mann im Spiel war. Aber auf einen Hexer, das wusste sie mit dezenter Genugtuung, auf den wären sie nie gekommen – auch wenn die Absichten, die das Treffen mit dem „Mann“, wenn man ihn denn so nennen konnten, sicherlich falsch eingeschätzt wurden. Aber das kümmerte sie kaum, sodass sie frohen Mutes aufgebrochen war, als hätte sie die so viel besungene Abenteuerlust gepackt und sie erfolgreich das Risiko, das sie einging, einfach ausgeblendet. Tatsächlich hatte ihr die positiv verlaufene Verhandlung mit dem Hexer einen großen Schwung Motivation beschert. Die nötigen Vorbereitungen hatte sie innerhalb kurzer Zeit, wenn auch mit einigen Umständen und Notlügen, erledigen können und so war sie nun auf dem Rücken der zarten Rappstute unterwegs zum Treffpunkt, die Taschen voller Dinge, die nicht nur wertvoll sondern auch durchaus pikant genug waren, dass man mit ihnen nicht auf offener Straße erwischt werden wollte – oder gar in einer dunklen Gasse. Von Hexenjägern. Doch sie zog kaum Aufmerksamkeit auf sich. Auf dem Weg von Novigrad zu dem kleinen Dorf, wie üblich in schwarz gekleidet, in zweckmäßigen Kleidern, von einem dunklen Mantel von Wind und Kälte geschützt, fiel sie kaum auf.
Erst in eben jenem Dorf angekommen musterte man sie schließlich mit offensichtlicher Skepsis. Denn zwischen den durchschnittlichen, armen Bauern wirkte sie doch fehl am Platz, doch zu fein, zu zart – und überhaupt nicht so, als wäre sie passende Begleitung für den robusten Hexer, der bereits vor ihr eingetroffen war und somit die erste Aufregung der Dörfler schon aufgebraucht hatte. Das wurde ihr zumindest von einem sichtlich hin- und hergerissenem Wirt erzählt, der ihr auf eine freundliche Nachfrage hin den richtigen Weg zeigte, den Falgeirr eingeschlagen hatte und der ihr bereits nach wenigen Metern ein leises Fluchen abrang, während sie mit vorsichtigen Schritten durch den Schlamm watete und dabei die Hände fest um die lederne Tasche mit ihren Errungenschaften verschränkte, die bitte ebenso wenig wie sie dort unten am Boden enden sollten. Es wäre doch eindeutig zweckmäßiger gewesen, sich in der Schenke zu treffen und von dort gemeinsam zum Ort des Geschehens zu wandern, aber der nette Herr Hexer hatte es wohl zu eilig gehabt. So fand sich Elsbeth schließlich mit klammen Füßen in den eindeutig zu zarten Stiefeln im Dreck wieder, den sie zwar kannte, aber nicht vermisst hatte. Ach, gepflasterte Straßen in Städten waren doch ein großer Segen!
„Guten Abend!“, grüßte sie dann endlich erleichtert den Hexer, als sie ihn erspähte und sich mit einem tiefen Seufzen der Last in den Armen entledigte – also vorsichtig aber doch zügig mit verheißungsvollem Klimpern aus dem Inneren der Tasche eben diese neben sich auf den Waldboden sinken ließ und sich eine verirrte Strähne des schwarzen Haares aus dem Gesicht wischte. So langsam dämmerte ihr doch wieder, worauf sie sich hier eingelassen hatte und in der Stille, die sich gerade ausbreitete, wurde ihr vielleicht doch in der Magengrube ein wenig flau. Mit einem tiefen Atemzug musterte Falgeirr fast schon ungeniert, während sie ihre Handflächen aneinander rieb, um die klamme Kälte aus den Fingern los zu werden. Im Vergleich zu ihm sah sie kaum danach aus, als würde sie sich in naher Zukunft mit einem Vampir auseinandersetzen wollen. Sowohl Waffen als auch Rüstung suchte man an ihr vergebens, sah man von den zwei zarten Dolchen ab, die sie bei sich trug und in den Augen des Hexers wahrscheinlich nur zum feinen Dinieren am Hof getaugt hätten. Wie praktisch, dass sie sowohl zum Schutz als auch zur Verteidigung quasi nur mit dem Finger schnippen und sich nicht auf so unbequeme und schwere Handwerkzeuge wie Schwerter und Äxte verlassen musste. „Ich sehe, wir sind Beide gut vorbereitet.“, meinte sie dann mit einem knappen Nicken auf seine Axt und schließlich auf ihren gut verpackten Schatz zu ihren Füßen. „Lassen wir uns eigentlich nachher vom Wirt dafür bezahlen, dass wir das Dorf vor dem Monster retten? Ich meine...“ Sie ging in die Hocke, öffnete die Ledertasche und begann in ihr zu kramen. „Ich weiß nicht, wie ihr Hexer das sonst regelt. Aber die Leute im Dorf schienen ganz hoffnungsvoll, oder nicht?“ Mit einem leisen „Aha!“ zog sie eine Flasche mit tiefschwarzem Inhalt aus der Tasche und hielt sie Falgeirr mit ausgestrecktem Arm hin. „Das Zeug hat mir fast den Kopf gekostet.“, erklärte sie dann mit einem fast vorwurfsvollen Blick zu ihm hinauf, ehe sie die Flasche noch einmal auffordernd schwenkte. „Ich hoffe, das ist es nachher auch Wert.“ Dass das Beschaffen der Zutaten für den seltsamen Trank sie vor große Herausforderungen gestellt hatte, konnte sich der Hexer sicherlich denken. Dass ihr beim Zusammenrühren der Zutaten für das schwarze Blut im ersten Versuch fast der Kessel um die Ohren geflogen wäre, behielt sie für sich.
Erst in eben jenem Dorf angekommen musterte man sie schließlich mit offensichtlicher Skepsis. Denn zwischen den durchschnittlichen, armen Bauern wirkte sie doch fehl am Platz, doch zu fein, zu zart – und überhaupt nicht so, als wäre sie passende Begleitung für den robusten Hexer, der bereits vor ihr eingetroffen war und somit die erste Aufregung der Dörfler schon aufgebraucht hatte. Das wurde ihr zumindest von einem sichtlich hin- und hergerissenem Wirt erzählt, der ihr auf eine freundliche Nachfrage hin den richtigen Weg zeigte, den Falgeirr eingeschlagen hatte und der ihr bereits nach wenigen Metern ein leises Fluchen abrang, während sie mit vorsichtigen Schritten durch den Schlamm watete und dabei die Hände fest um die lederne Tasche mit ihren Errungenschaften verschränkte, die bitte ebenso wenig wie sie dort unten am Boden enden sollten. Es wäre doch eindeutig zweckmäßiger gewesen, sich in der Schenke zu treffen und von dort gemeinsam zum Ort des Geschehens zu wandern, aber der nette Herr Hexer hatte es wohl zu eilig gehabt. So fand sich Elsbeth schließlich mit klammen Füßen in den eindeutig zu zarten Stiefeln im Dreck wieder, den sie zwar kannte, aber nicht vermisst hatte. Ach, gepflasterte Straßen in Städten waren doch ein großer Segen!
„Guten Abend!“, grüßte sie dann endlich erleichtert den Hexer, als sie ihn erspähte und sich mit einem tiefen Seufzen der Last in den Armen entledigte – also vorsichtig aber doch zügig mit verheißungsvollem Klimpern aus dem Inneren der Tasche eben diese neben sich auf den Waldboden sinken ließ und sich eine verirrte Strähne des schwarzen Haares aus dem Gesicht wischte. So langsam dämmerte ihr doch wieder, worauf sie sich hier eingelassen hatte und in der Stille, die sich gerade ausbreitete, wurde ihr vielleicht doch in der Magengrube ein wenig flau. Mit einem tiefen Atemzug musterte Falgeirr fast schon ungeniert, während sie ihre Handflächen aneinander rieb, um die klamme Kälte aus den Fingern los zu werden. Im Vergleich zu ihm sah sie kaum danach aus, als würde sie sich in naher Zukunft mit einem Vampir auseinandersetzen wollen. Sowohl Waffen als auch Rüstung suchte man an ihr vergebens, sah man von den zwei zarten Dolchen ab, die sie bei sich trug und in den Augen des Hexers wahrscheinlich nur zum feinen Dinieren am Hof getaugt hätten. Wie praktisch, dass sie sowohl zum Schutz als auch zur Verteidigung quasi nur mit dem Finger schnippen und sich nicht auf so unbequeme und schwere Handwerkzeuge wie Schwerter und Äxte verlassen musste. „Ich sehe, wir sind Beide gut vorbereitet.“, meinte sie dann mit einem knappen Nicken auf seine Axt und schließlich auf ihren gut verpackten Schatz zu ihren Füßen. „Lassen wir uns eigentlich nachher vom Wirt dafür bezahlen, dass wir das Dorf vor dem Monster retten? Ich meine...“ Sie ging in die Hocke, öffnete die Ledertasche und begann in ihr zu kramen. „Ich weiß nicht, wie ihr Hexer das sonst regelt. Aber die Leute im Dorf schienen ganz hoffnungsvoll, oder nicht?“ Mit einem leisen „Aha!“ zog sie eine Flasche mit tiefschwarzem Inhalt aus der Tasche und hielt sie Falgeirr mit ausgestrecktem Arm hin. „Das Zeug hat mir fast den Kopf gekostet.“, erklärte sie dann mit einem fast vorwurfsvollen Blick zu ihm hinauf, ehe sie die Flasche noch einmal auffordernd schwenkte. „Ich hoffe, das ist es nachher auch Wert.“ Dass das Beschaffen der Zutaten für den seltsamen Trank sie vor große Herausforderungen gestellt hatte, konnte sich der Hexer sicherlich denken. Dass ihr beim Zusammenrühren der Zutaten für das schwarze Blut im ersten Versuch fast der Kessel um die Ohren geflogen wäre, behielt sie für sich.
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