23.10.2021, 22:14
Es beruhigte sie nicht wirklich, dass der Golem seine Aufmerksamkeit auf Drazan gerichtet hatte und diesem folgte, wie eine Motte dem Lichtschein einer Kerze – die wild im Kreis rannte. Sie versuchte sich irgendwie zu ordnen, blickte hektisch von dem verschlossenen Fluchtweg und Drazan hin und her, während Letzterer auf seinen Vorschlag, den Rücktritt anzutreten und einen Hexer anzuheuern, ein kurzes, spöttisches Klatschen in die eigenen, staubigen Handflächen von ihr erntete. „Ich kenn‘ da jemanden.“, rief sie ihm fast schon euphorisch zu. „DER WÜRDE HIER ABER NICHT REIN KOMMEN.“ Sie hatte die Stimme deutlich heben müssen, um das Poltern und Krachen der Inneneinrichtung und Architektur des Kellers zu übertönen. Was den leichten Vorwurf in ihrer Stimme vielleicht auch ein wenig unterstrich, obwohl Drazan ausnahmsweise mal nicht direkt am Schlamassel Schuld war, in dem sie sich jetzt befanden, aber den schwarzen Peter anderen zuzuschieben lag zugegebenermaßen einfach in der Natur der Hexe, die ja nun wirklich nichts dafür konnte, dass er sie hier runter geführt hatte…
Sie zuckte ein wenig zusammen, als Drazan das Gleichgewicht verlor und ohne darüber nachdenken zu müssen, formten ihre Hände eine weitere Barriere, die ihn vor etwaigen Hieben schützen konnte. Glücklicherweise war Drazan weiterhin einigermaßen gut zu Fuß, doch dass er nun ausgerechnet zu ihr gelaufen kam und damit auch wieder das Blick- und Angriffsfeld des Golems in ihre Richtung zog, ließ sie doch etwas zurückweichen, als wäre er irgendwie ansteckend. Die dezente Panik, die im Angesicht des wiederholten Ausholens des Golems im Augenwinkel deutlich ins Gesicht geschrieben war, wich ob der Worte ihres Lehrmeisters jedoch einem spöttischen Ausdruck von “Wie bitte?“, der von einer pikiert gehobenen Augenbraue unterstrichen wurde. „Keine Ahnung, wie meine wichtigste Schlussfolgerung aus der Lektion „Verlieb‘ dich nicht in deinen Lehrer“ hier helfen soll.“, antwortete sie dann bissig, auch wenn Drazan schon wieder auf der Flucht war. Seine Arroganz zu meinen, dass sie ausgerechnet mit den Dingen, die er ihr beigebracht hatte, den Tag retten würde, ließ ihren eh schon unangenehm schnellen Puls noch einmal wilder werden. Hätte sie nur den Hauch einer Möglichkeit gehabt, sicher aus der Situation zu kommen und ihn dabei mit Missachtung zu strafen, wäre sie einfach gegangen. So aber appellierte der gesunde Verstand an ihre Toleranz und die wiederkehrende Erkenntnis, dass sie mal wieder aufeinander angewiesen waren, ob sie das wollten oder nicht. Die unwillentlich fest zu Fäusten geballten Hände lösten sich nur langsam aus der wütenden Starre und wenn ihr auch der Widerwillen noch anzusehen war – das Befolgen von Befehlen war weiter in den Knochen, in jedem Muskel, im Unterbewusstsein so tief verankert, dass sein in ihre Richtung gerufenes Zeichen sie zur direkten Handlung zwang. Sie holte tief Luft, ehe sie die Hände hob und, untermalt von leisen aber deutlichen Worten, eine Reihe von Zeichen in die Luft schrieb. Mit einem leisen Klirren durchbrach das Pergament, das sie unbedacht in ihre Manteltasche gestopft hatte, als wäre es nicht mehr aus Papier sondern geschliffenem Stahl, die eigentlich sehr hilfreiche Barriere, die sich sogleich flimmernd auflöste. Für einen kurzen Augenblick still und unbewegt wie ein Mahnmal über dem Golem hängend, zog es glücklicherweise auch die Aufmerksamkeit des Minderbemittelsten im Raum auf sich (Anm. d. Red.: sie meint eventuell vielleicht wahrscheinlich nicht Drazan), ehe es den Anschein machte, vornüber zu kippen. Tatsächlich gab Elsbeth ihrer bereits jetzt schmerzlich aufgegebenen Errungenschaft der letzten Minuten einen kleinen Schubs, woraufhin die Siegel und Zeichen, die es so sicher aufgenommen hatte, in einem Schwall über den Golem ergoss, der entfernt an die orale Erleichterung eines schwer betrunkenen Mannes erinnerte, der sich seinen Alkoholkonsum noch einmal durch den Kopf gehen ließ.
Die Reaktion des Golems auf den Zeichenregen, der ihn bedachte, war deutlich unfreundlicher, als sie geahnt hatte. Wild mit den Armen fuchtelnd und um sich schlagend war er nun vielleicht abgelenkt aber wirkte doch noch ein ganzes Stück weit erboster als eben noch. Was genau das wilde Durcheinander der Zeichen ihm nun sagte, konnte Elsbeth nicht erraten oder erahnen, aber die kurze Hoffnung, dass er einfach wieder zu Stein werden würde, verblasste doch sehr fix. Aber das hatte Drazan ja gar nicht gewollt, oder? „Ich kann auf jeden Fall feststellen, dass die genaue Anordnung der Siegel einen großen Unterschied für den Golem macht.“, rief sie ihm zu, während sie mit der rechten Hand eine weitere Barriere erschuf, um sich vor einer gefährlich nahe kommenden Geröllflut zu schützen, die ein beängstigend schwerer Schlag des Golems in den Boden auslöste und dessen Erschütterung sie deutlich in den Knochen spürte. Die linke Hand war währenddessen weiter damit beschäftigt, die Zeichen in Bewegung zu halten, auch wenn sie genau wusste, dass es eigentlich eine ziemlich dumme Idee war, so ein Monster auch noch fortwährend zu Piesacken. „Wo ist denn jetzt deine… Unterstützung?“, fragte sie dann und war in ihrem Ausweichen nun mit dem Rücken an der Kellerwand angelangt. Sowohl der kalte Stein im Rücken, als auch die plötzliche Erkenntnis, dass sie irgendwie im wahrsten Sinne mit dem Rücken zur Wand stand, ließ sie hektisch nach Luft schnappen, während sich nun tatsächlich Angst in ihrer Magengrube ausbreitete. „Drazan?“
Sie zuckte ein wenig zusammen, als Drazan das Gleichgewicht verlor und ohne darüber nachdenken zu müssen, formten ihre Hände eine weitere Barriere, die ihn vor etwaigen Hieben schützen konnte. Glücklicherweise war Drazan weiterhin einigermaßen gut zu Fuß, doch dass er nun ausgerechnet zu ihr gelaufen kam und damit auch wieder das Blick- und Angriffsfeld des Golems in ihre Richtung zog, ließ sie doch etwas zurückweichen, als wäre er irgendwie ansteckend. Die dezente Panik, die im Angesicht des wiederholten Ausholens des Golems im Augenwinkel deutlich ins Gesicht geschrieben war, wich ob der Worte ihres Lehrmeisters jedoch einem spöttischen Ausdruck von “Wie bitte?“, der von einer pikiert gehobenen Augenbraue unterstrichen wurde. „Keine Ahnung, wie meine wichtigste Schlussfolgerung aus der Lektion „Verlieb‘ dich nicht in deinen Lehrer“ hier helfen soll.“, antwortete sie dann bissig, auch wenn Drazan schon wieder auf der Flucht war. Seine Arroganz zu meinen, dass sie ausgerechnet mit den Dingen, die er ihr beigebracht hatte, den Tag retten würde, ließ ihren eh schon unangenehm schnellen Puls noch einmal wilder werden. Hätte sie nur den Hauch einer Möglichkeit gehabt, sicher aus der Situation zu kommen und ihn dabei mit Missachtung zu strafen, wäre sie einfach gegangen. So aber appellierte der gesunde Verstand an ihre Toleranz und die wiederkehrende Erkenntnis, dass sie mal wieder aufeinander angewiesen waren, ob sie das wollten oder nicht. Die unwillentlich fest zu Fäusten geballten Hände lösten sich nur langsam aus der wütenden Starre und wenn ihr auch der Widerwillen noch anzusehen war – das Befolgen von Befehlen war weiter in den Knochen, in jedem Muskel, im Unterbewusstsein so tief verankert, dass sein in ihre Richtung gerufenes Zeichen sie zur direkten Handlung zwang. Sie holte tief Luft, ehe sie die Hände hob und, untermalt von leisen aber deutlichen Worten, eine Reihe von Zeichen in die Luft schrieb. Mit einem leisen Klirren durchbrach das Pergament, das sie unbedacht in ihre Manteltasche gestopft hatte, als wäre es nicht mehr aus Papier sondern geschliffenem Stahl, die eigentlich sehr hilfreiche Barriere, die sich sogleich flimmernd auflöste. Für einen kurzen Augenblick still und unbewegt wie ein Mahnmal über dem Golem hängend, zog es glücklicherweise auch die Aufmerksamkeit des Minderbemittelsten im Raum auf sich (Anm. d. Red.: sie meint eventuell vielleicht wahrscheinlich nicht Drazan), ehe es den Anschein machte, vornüber zu kippen. Tatsächlich gab Elsbeth ihrer bereits jetzt schmerzlich aufgegebenen Errungenschaft der letzten Minuten einen kleinen Schubs, woraufhin die Siegel und Zeichen, die es so sicher aufgenommen hatte, in einem Schwall über den Golem ergoss, der entfernt an die orale Erleichterung eines schwer betrunkenen Mannes erinnerte, der sich seinen Alkoholkonsum noch einmal durch den Kopf gehen ließ.
Die Reaktion des Golems auf den Zeichenregen, der ihn bedachte, war deutlich unfreundlicher, als sie geahnt hatte. Wild mit den Armen fuchtelnd und um sich schlagend war er nun vielleicht abgelenkt aber wirkte doch noch ein ganzes Stück weit erboster als eben noch. Was genau das wilde Durcheinander der Zeichen ihm nun sagte, konnte Elsbeth nicht erraten oder erahnen, aber die kurze Hoffnung, dass er einfach wieder zu Stein werden würde, verblasste doch sehr fix. Aber das hatte Drazan ja gar nicht gewollt, oder? „Ich kann auf jeden Fall feststellen, dass die genaue Anordnung der Siegel einen großen Unterschied für den Golem macht.“, rief sie ihm zu, während sie mit der rechten Hand eine weitere Barriere erschuf, um sich vor einer gefährlich nahe kommenden Geröllflut zu schützen, die ein beängstigend schwerer Schlag des Golems in den Boden auslöste und dessen Erschütterung sie deutlich in den Knochen spürte. Die linke Hand war währenddessen weiter damit beschäftigt, die Zeichen in Bewegung zu halten, auch wenn sie genau wusste, dass es eigentlich eine ziemlich dumme Idee war, so ein Monster auch noch fortwährend zu Piesacken. „Wo ist denn jetzt deine… Unterstützung?“, fragte sie dann und war in ihrem Ausweichen nun mit dem Rücken an der Kellerwand angelangt. Sowohl der kalte Stein im Rücken, als auch die plötzliche Erkenntnis, dass sie irgendwie im wahrsten Sinne mit dem Rücken zur Wand stand, ließ sie hektisch nach Luft schnappen, während sich nun tatsächlich Angst in ihrer Magengrube ausbreitete. „Drazan?“
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