23.10.2021, 21:44
Dass er tatsächlich auf ihre Ansprache reagierte, ließ Elsbeth beinahe erleichtert aufatmen, hatte sie sich doch schon Inmitten eines Rituals stehen sehen, dessen Ausgang sie nicht einschätzen konnte, ihr jedoch nicht sonderlich sicher erschien. Was ihm überhaupt das Recht gab, sich aufzuführen, als wäre er der Hausherr in diesem Keller, war ihr ziemlich schleierhaft. Sicherlich hielt Philippa ganz allein die schützende Hand sowie die Befehlsgewalt über dieses Anwesen, dennoch sah sich Elsbeth hier eindeutig im Vorrecht, das sie im schlimmsten Falle wahrscheinlich auch vor Philippa so kundtun würde, wenn es tatsächlich zu einem wenig erwachsenen Streit um das Spielzeug kommen sollte. Besitzansprüche geltend zu machen gehörte ohne Frage zu einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen – und an einem solchen Anspruch schien Drazan gerade rütteln zu wollen. Sich einfach ins gemachte Nest zu setzen war die eine Sache – die Nestbauerin dann aber auch noch einfach so zu übergehen, eine ganz andere.
Sie hatte ihn oft genug ihren Namen in diesem Tonfall aussprechen hören, dass sie sich fast daran gewöhnt hatte, auch wenn es neu war, dass sie sich nicht mehr duckmäuserisch um seine Aufmerksamkeit bemühen musste. Im Gegenteil – ihre Haltung straffte sich ein wenig, als hätte er sie damit zum Appell gerufen oder zu einem Duell aufgefordert. Sie verschränkte, in Erwartung nun eine Drazan-typische Standpauke zu erhalten, locker die Arme vor dem Körper und neigte abwartend den Kopf ein wenig zur Seite, sein dramatisches Seufzen mit einem leichten Kopfschütteln und einem angedeuteten Augenrollen erwidernd. Wie befürchtet und gleichermaßen erwartet bekam sie keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf ihre Frage, stattdessen eine absolut überflüssige Belehrung in Sachen Schutzmaßnahmen und Forschungsansatz, was sie tatsächlich zu einem amüsierten Schnauben verleitete. Bisher hatte sie es offenbar gut auf die Reihe bekommen, das Labor, wenn man es denn so nennen wollte, heile zu lassen – zumal ihr an den wirklich riskanten Versuchen nicht wirklich viel lag, dafür hatte sie vielleicht immer zu wenig Ehrgeiz oder zu viel Liebe zum eigenen, unversehrten Leben verspürt. Sollten andere den Nervenkitzel genießen, wenn es um die ganz großen Experimente ging – sie selbst hatte nicht das geringste Interesse daran, schwer verletzt, entstellt oder tot aus den Trümmern großer Taten geborgen zu werden. Sie hatte sich oft anhören dürfen, dass ihr der letzte Funken Biss fehlte, das letzte bisschen Überzeugung, um sich unter allen anderen Zauberinnen hervor zu tun. Doch die Frage, wofür, hatte sie nie eine zufriedenstellende Antwort bekommen. Philippa mochte derzeit wohl das beste Beispiel für übermäßigen Ehrgeiz sein, der ihr letztendlich nicht nur das Augenlicht gekostet hatte. Nein, Aelies aep Baelith gab sich mit Kräutern, Tränken und langweiligen Heil- und Schutzzaubern zufrieden, Kleinigkeiten in den Augen ihrer Kollegen, die jedoch den Komfort mit sich brachten, dass sie niemals an der Zauberin selbst ausprobiert werden mussten.
Natürlich konnte es sich Drazan nicht nehmen lassen, eine eindeutige Spitze in ihre Richtung zu werfen. Untermalt von einem lauten, deutlich genervten Ausatmen, löste sich die Verschränkung ihrer Arme, drehte die Handflächen gen Kellerdecke als stumme Frage, womit sie das Alles verdient hatte. Und während auch sie im Begriff war, sich umzudrehen und sich einfach wieder ihren Steinen zu widmen, erneut den Kopf schüttelte und eigentlich gar nicht weiter darauf hören wollte, was Drazan ihr zu sagen hatte, ließ sie das Schlagwort „Gnom“ doch innehalten. „Warte…“, versuchte sie ihn zu unterbrechen und trat einen Schritt auf ihn zu. Erneut spiegelte sich in ihren Zügen eine dezente Fassungslosigkeit. Das war IHRE Idee gewesen! Die weiterführende Erklärung ihres ehemaligen Lehrmeisters drang nur halbgar an ihre Ohren, während sie langsam die rechte Hand hob und ihren Zeigefinger auf ihn richtete – eindeutig drohend. Die Selbstverständlichkeit, mit der Drazan seine neusten Erkenntnisse mit ihr teilte, verschlugen ihr genauso die Worte, wie seine Dreistheit, sie darüber so ganz beiläufig zu informieren. Sie verringerte abermals deutlich die Distanz zwischen ihm und ihr. Als er ihr nun auch noch zu verstehen gab, dass sie sich besser um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte und keine Hilfe von ihr benötigte, senkte sich ihr weiterhin gehobener Zeigefinger mit festem Druck auf das aufgeschlagene Notizbuch. Dass sie ihm bedrohlich nahegekommen wäre, wäre übertrieben ausgedrückt – immerhin überragte Drazan ihre schmale Gestalt um mehr als einen Kopf und mit einem gezielten Rüffel mit der Schulter hätte er wohl mit Leichtigkeit nun ihre Nase empfindlich treffen können. Sie blickte ernst zu ihm hinauf. „Das…“ Sie tippte zwei Mal eindringlich auf das Papier, führte ihren Satz jedoch nicht weiter sondern presste fest die Lippen aufeinander. Sie wollte wirklich keinen kindlichen Streit über gestohlene Ideen vom Zaun brechen, obwohl sie ihm gern vorgehalten hätte, dass er ohne sie nicht einen Gedanken an die verdammten Gnome verschwendet hätte. Sie schluckte die gallebitteren Worte, die ihr auf der Zunge lagen, hinunter und schloss kurz die Augen, um sich auf Haltung und Verstand zu besinnen. Ein tiefer, fast schon angestrengter Atemzug folgte. „Mit den Steinen läuft es ganz hervorragend, Danke der Nachfrage. Stehe kurz vor dem Durchbruch.“, erklärte sie dann mit federleichter Gelassenheit und selbstverständlich lügend, ohne rot zu werden. Mit einem fast schon unschuldigen Lächeln blickte sie zu dem Zauberer hinauf, während sie nun ihre Handfläche auf das Buch legte und sich auf ihm abstützte, wohl wissend, dass sie damit eine Grenze überschritt, für die sie früher nicht nur hochkant sondern gevierteilt aus dem Saal geflogen wäre. „Ich glaube nicht, dass etwas fehlt…“, sprach sie dann weiter und deutete mit der linken Hand zu ihrem Arbeitsplatz. „…vielmehr feile ich noch an der genauen Dosierung der Mittel. Ich bin mir nicht ganz sicher…“ Ein kurzes Abwenden seines Blicks nutze sie sogleich aus. Das Zuklappen der Buchdeckel war deutlich zu hören, als sie die Schultern ein wenig anhob, als wäre sie sich in ihrer Aussage nicht ganz sicher. „Du weißt ja. Forschung funktioniert meist nicht auf Anhieb.“ Sie wog sein Notizbuch kurz in der Rechten, ehe sie es zwischen ihn und sich selbst hob und mit einem sanften Kippen aus dem Handgelenk den Buchrücken an seine Brust tippen ließ, ehe sie den Schwung umkehrte und es fast schon theatralisch an die eigene Brust drückte. Im selben Moment vollführte ihre Linke einen sanften Wink und in Verbindung mit drei, vier halblaut gesäuselten Worten erschuf sie eine sanft glimmende aber durchsichtige Barriere, die unspektakulär aber überaus widerstandsfähig war. Sie warf ein zufriedenes Lächeln zu ihm hinauf, während ihre Finger sanft und geduldig auf den Ledereinband des Notizbuchs trommelten. „Woher hast du die Aufzeichnungen?“, fragte sie dann ernst und hob in gespannter Erwartung die Augenbrauen. „Und komm‘ mir nicht mit irgendwelchen Beziehungen zu Händlern und Alchemisten, es ist nicht so, dass ich mich nicht mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hätte. Und ja, ehrlich gesagt läuft es mit den Edelsteinen ziemlich…“ Sie suchte für einen Moment nach dem richtigen Ausdruck. „…beschissen.“ Sie nickte. „Freut dich sicher.“, mutmaßte sie dann mit einem leichten Schulterzucken und schob kurz in aufgesetztem Selbstmitleid die Unterlippe vor, ehe sie sich nun auf die Tischkante setzte und die Beine überschlug. „Aber denk nicht mal daran, dass ich dir Gnome einfach so überlasse.“
Sie hatte ihn oft genug ihren Namen in diesem Tonfall aussprechen hören, dass sie sich fast daran gewöhnt hatte, auch wenn es neu war, dass sie sich nicht mehr duckmäuserisch um seine Aufmerksamkeit bemühen musste. Im Gegenteil – ihre Haltung straffte sich ein wenig, als hätte er sie damit zum Appell gerufen oder zu einem Duell aufgefordert. Sie verschränkte, in Erwartung nun eine Drazan-typische Standpauke zu erhalten, locker die Arme vor dem Körper und neigte abwartend den Kopf ein wenig zur Seite, sein dramatisches Seufzen mit einem leichten Kopfschütteln und einem angedeuteten Augenrollen erwidernd. Wie befürchtet und gleichermaßen erwartet bekam sie keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf ihre Frage, stattdessen eine absolut überflüssige Belehrung in Sachen Schutzmaßnahmen und Forschungsansatz, was sie tatsächlich zu einem amüsierten Schnauben verleitete. Bisher hatte sie es offenbar gut auf die Reihe bekommen, das Labor, wenn man es denn so nennen wollte, heile zu lassen – zumal ihr an den wirklich riskanten Versuchen nicht wirklich viel lag, dafür hatte sie vielleicht immer zu wenig Ehrgeiz oder zu viel Liebe zum eigenen, unversehrten Leben verspürt. Sollten andere den Nervenkitzel genießen, wenn es um die ganz großen Experimente ging – sie selbst hatte nicht das geringste Interesse daran, schwer verletzt, entstellt oder tot aus den Trümmern großer Taten geborgen zu werden. Sie hatte sich oft anhören dürfen, dass ihr der letzte Funken Biss fehlte, das letzte bisschen Überzeugung, um sich unter allen anderen Zauberinnen hervor zu tun. Doch die Frage, wofür, hatte sie nie eine zufriedenstellende Antwort bekommen. Philippa mochte derzeit wohl das beste Beispiel für übermäßigen Ehrgeiz sein, der ihr letztendlich nicht nur das Augenlicht gekostet hatte. Nein, Aelies aep Baelith gab sich mit Kräutern, Tränken und langweiligen Heil- und Schutzzaubern zufrieden, Kleinigkeiten in den Augen ihrer Kollegen, die jedoch den Komfort mit sich brachten, dass sie niemals an der Zauberin selbst ausprobiert werden mussten.
Natürlich konnte es sich Drazan nicht nehmen lassen, eine eindeutige Spitze in ihre Richtung zu werfen. Untermalt von einem lauten, deutlich genervten Ausatmen, löste sich die Verschränkung ihrer Arme, drehte die Handflächen gen Kellerdecke als stumme Frage, womit sie das Alles verdient hatte. Und während auch sie im Begriff war, sich umzudrehen und sich einfach wieder ihren Steinen zu widmen, erneut den Kopf schüttelte und eigentlich gar nicht weiter darauf hören wollte, was Drazan ihr zu sagen hatte, ließ sie das Schlagwort „Gnom“ doch innehalten. „Warte…“, versuchte sie ihn zu unterbrechen und trat einen Schritt auf ihn zu. Erneut spiegelte sich in ihren Zügen eine dezente Fassungslosigkeit. Das war IHRE Idee gewesen! Die weiterführende Erklärung ihres ehemaligen Lehrmeisters drang nur halbgar an ihre Ohren, während sie langsam die rechte Hand hob und ihren Zeigefinger auf ihn richtete – eindeutig drohend. Die Selbstverständlichkeit, mit der Drazan seine neusten Erkenntnisse mit ihr teilte, verschlugen ihr genauso die Worte, wie seine Dreistheit, sie darüber so ganz beiläufig zu informieren. Sie verringerte abermals deutlich die Distanz zwischen ihm und ihr. Als er ihr nun auch noch zu verstehen gab, dass sie sich besser um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte und keine Hilfe von ihr benötigte, senkte sich ihr weiterhin gehobener Zeigefinger mit festem Druck auf das aufgeschlagene Notizbuch. Dass sie ihm bedrohlich nahegekommen wäre, wäre übertrieben ausgedrückt – immerhin überragte Drazan ihre schmale Gestalt um mehr als einen Kopf und mit einem gezielten Rüffel mit der Schulter hätte er wohl mit Leichtigkeit nun ihre Nase empfindlich treffen können. Sie blickte ernst zu ihm hinauf. „Das…“ Sie tippte zwei Mal eindringlich auf das Papier, führte ihren Satz jedoch nicht weiter sondern presste fest die Lippen aufeinander. Sie wollte wirklich keinen kindlichen Streit über gestohlene Ideen vom Zaun brechen, obwohl sie ihm gern vorgehalten hätte, dass er ohne sie nicht einen Gedanken an die verdammten Gnome verschwendet hätte. Sie schluckte die gallebitteren Worte, die ihr auf der Zunge lagen, hinunter und schloss kurz die Augen, um sich auf Haltung und Verstand zu besinnen. Ein tiefer, fast schon angestrengter Atemzug folgte. „Mit den Steinen läuft es ganz hervorragend, Danke der Nachfrage. Stehe kurz vor dem Durchbruch.“, erklärte sie dann mit federleichter Gelassenheit und selbstverständlich lügend, ohne rot zu werden. Mit einem fast schon unschuldigen Lächeln blickte sie zu dem Zauberer hinauf, während sie nun ihre Handfläche auf das Buch legte und sich auf ihm abstützte, wohl wissend, dass sie damit eine Grenze überschritt, für die sie früher nicht nur hochkant sondern gevierteilt aus dem Saal geflogen wäre. „Ich glaube nicht, dass etwas fehlt…“, sprach sie dann weiter und deutete mit der linken Hand zu ihrem Arbeitsplatz. „…vielmehr feile ich noch an der genauen Dosierung der Mittel. Ich bin mir nicht ganz sicher…“ Ein kurzes Abwenden seines Blicks nutze sie sogleich aus. Das Zuklappen der Buchdeckel war deutlich zu hören, als sie die Schultern ein wenig anhob, als wäre sie sich in ihrer Aussage nicht ganz sicher. „Du weißt ja. Forschung funktioniert meist nicht auf Anhieb.“ Sie wog sein Notizbuch kurz in der Rechten, ehe sie es zwischen ihn und sich selbst hob und mit einem sanften Kippen aus dem Handgelenk den Buchrücken an seine Brust tippen ließ, ehe sie den Schwung umkehrte und es fast schon theatralisch an die eigene Brust drückte. Im selben Moment vollführte ihre Linke einen sanften Wink und in Verbindung mit drei, vier halblaut gesäuselten Worten erschuf sie eine sanft glimmende aber durchsichtige Barriere, die unspektakulär aber überaus widerstandsfähig war. Sie warf ein zufriedenes Lächeln zu ihm hinauf, während ihre Finger sanft und geduldig auf den Ledereinband des Notizbuchs trommelten. „Woher hast du die Aufzeichnungen?“, fragte sie dann ernst und hob in gespannter Erwartung die Augenbrauen. „Und komm‘ mir nicht mit irgendwelchen Beziehungen zu Händlern und Alchemisten, es ist nicht so, dass ich mich nicht mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hätte. Und ja, ehrlich gesagt läuft es mit den Edelsteinen ziemlich…“ Sie suchte für einen Moment nach dem richtigen Ausdruck. „…beschissen.“ Sie nickte. „Freut dich sicher.“, mutmaßte sie dann mit einem leichten Schulterzucken und schob kurz in aufgesetztem Selbstmitleid die Unterlippe vor, ehe sie sich nun auf die Tischkante setzte und die Beine überschlug. „Aber denk nicht mal daran, dass ich dir Gnome einfach so überlasse.“
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