23.10.2021, 21:13
Es gab einen gewaltigen Unterschied darin, Schutzzauber zu wirken und eben solche zu durchbrechen. Elsbeth selbst hatte sich der letzten Disziplin in den letzten Jahren kaum gewidmet – als Heilerin an der Front war man doch eher damit beschäftigt gewesen, sich und die Verletzten außer Gefahr zu bringen und die ein oder andere Eskorte hilfreich zu begleiten. Und auch die Art und Weise, wie die Zauber letztendlich wirkten, machten die Schutzzauber zu einem weiten Feld, denn während es sich bei den von ihr angewandten Beschwörungen hauptsächlich um passive Abwehr handelte, spürte sie an der Tür ein aktives Reaktionspotential, das sie unter keinen Umständen unkontrolliert auslösen wollte. Und so lauschte sie mit angestrengtem Blick für einige lange Momente in den Zauber hinein, bis sie der Meinung war, dessen Absicht und Aufbau einigermaßen überschauen zu können. Ihre Kiefer mahlten kurz aufeinander, ehe sie einen prüfenden Blick über die Schulter in den Gang hinter sich warf und für den Moment sicher sein konnte, nicht gestört zu werden.
Die Vorbereitung auf den Zauber, den sie wirkte, hatte wesentlich länger gebraucht, als dessen tatsächliche Durchführung. Sie atmete einige Male bewusst tief ein und aus, um ihren Puls zu beruhigen und die nötige Konzentration zu finden, ehe sie die Arme ausstreckte, um die Tür mit den Handflächen in Bearbeitung nehmen zu können. Mit dem nächsten Herzschlag lud sie die Energie, die in dem Holz lauerte, mit einem kurzen Wink der Hände beschwörend zu sich ein und hoffte, dass sie sie nicht kurzerhand hintenüberkippen ließ. Tatsächlich zwang sie der Druck, der an ihren Handflächen einschlug, kurz in die Knie, bevor es ihr gelang, die Kraft in den Handflächen zu bündeln. Die unverkennbare, einzigartige Wärme, die von ihr ausging, ließ sie kurz angestrengt Grinsen und den Mut des Zauberers zu bewundern, der in einer Bibliothek solche Mittel anwandte – mitten zwischen gut brennbaren Holzregalen und Pergamenten eine Holztür mit gebundenem Feuer zu schützen war unüblich. Sie hatte sich mit den reinen elementaren Kräften immer schwergetan und sich daher weniger damit beschäftigt, sie wirkungsvoll einzusetzen, sondern ihr Augenmerk stets daraufgelegt, sie wirkungsvoll unter Kontrolle zu bringen und unschädlich zu machen, sodass es ihr vergleichsweise leichtfiel, das schwelende Gebilde zwischen ihren Handflächen zu bändigen. Es einfach aus dem Fenster zu verfrachten wäre einfach aber zu aufsehenerregend gewesen und da ihr keine Wasserquelle zur Verfügung stand, um es zu löschen, entschloss sie nach kurzem Abwägen, es zurück in seinen Ursprung zu zwingen und die wohl oder übel entstehende Druckwelle dafür zu nutzen, die Tür bestenfalls direkt zu öffnen, deren übernatürlicher Widerstand gegenüber Öffnungsversuchen ihrer Meinung nach ebenfalls nur aus einer reinen Energiebarriere resultierte, die man gut und gern mit roher Gegengewalt lösen konnte. Nicht die feine Art, aber man musste mit den Dingen arbeiten, die einem eben in die Hand fielen. Während die Hitze sich in ihren Händen ausbreitete und kurz davor war, schmerzhaft zu werden, räusperte sie sich leise und trat zwei Schritte zurück. Sie fasste das flackernde Energiebündel fest mit der Linken und balancierte es mit steigender Nervosität auf der Handfläche. Sie hasste Feuermagie. Um die Ruhe in der Bibliothek nicht mit einem lauten Knall zu stören, der unweigerlich auftreten würde, wob sie mit der Rechten einen flüchtigen Zauber, der den Schall soweit abdämpfen würde, dass den menschlichen nächtlichen Besuchern nicht mehr als das Geräusch eines herunterfallenden Buches an die Ohren dringen würde – während sie kurz um ihr Hörvermögen bangte. Die Geste, mit der sie den gefangenen Zauber – oder viel mehr die pure Energie, die von ihm übri geblieben war – nun gen Holz schickte, wirkte fast schon hektisch, war jedoch präzise genug, um das, zugegebenermaßen große und unbewegliche Ziel, zu treffen. Der Knall war wie erwartet ohrenbetäubend und dennoch schien die Barriere, die sich noch im Holz befand, zu stark, als dass ihr Versuch ausgereicht hätte, um sie zu brechen. Sie beobachtete für den Bruchteil einer Sekunde, wie sich kleine, schimmernde Energieadern im Holz bildeten und sandte sogleich einen weiteren Stoß der nunmehr eigenhändig gebündelten Magie hinterher. Vielleicht hatte sie übertrieben – Maßlosigkeit war schon immer eine ihrer Schwächen gewesen – mit einem unnötig lauten Krachen gab das harte Holz nun endlich nach und verteilte sich laut polternd in der kleinen Kammer, die es bisher vor ungewünschten Augen verborgen hatte. Elsbeth hatte die Augenlider ob des Lärms festgeschlossen und den Kopf abgewandt – nur langsam wandte sie ihren Blick wieder nach vorn und ließ dabei die Hände sinken. Sie stieß hörbar die angehaltene Luft aus den Lungen und vergewisserte sich mit einem weiteren Blick über die Schulter, dass nicht halb Oxenfurt aus dem Schlaf gerissen worden war und nun mit Fackeln und Mistgabeln hinter ihr aufwartete. Doch die Stille in der Bibliothek hatte sich nicht merklich geändert. Um die spontane Entdeckung des Chaos, dass sie veranstaltet hatte, zu vereiteln, erschuf sie mit redlicher Mühe einen zugegebenermaßen dilettantischen Illusionszauber, der beim genaueren Hinsehen eine dezent flackernde Holztür statt des klaffenden Loches in der Wand zeigte und von jedem magisch Begabten belächelt werden würde – für etwaige vorbeigehende Studenten jedoch ausreichend sein sollte. Sie öffnete mit leicht zittrigen Fingern die Schleife, die ihren Umgang schloss und warf ihn im Vorbeigehen auf ein abgebrochenes aber noch halbwegs aufrechtstehendes Überbleibsel der Türzarge, ehe sie sich ein wenig Luft zufächelte und einen ersten genaueren Blick in die Kammer werfen konnte. Die Holzsplitter hatten sich weiträumig in ihr verteilt – die sparsame Ausstattung war weitgehend unversehrt geblieben. Nur ein paar einzelne Blätter und Pergamentrollen hatte es in eine Ecke verschlagen – die Bücher, die in den schmalen Regalen standen, waren an Ort und Stelle geblieben. Elsbeth griff nach dem Erstbesten Exemplar, schlug es auf und runzelte die Stirn, hob den Blick wieder zu den Buchrücken hinauf. Offenbar hatte sie das Lager bestimmter Handelsregister gefunden. Sie schob das erste Buch zurück in an seinen angestammten Platz und hob eine der Pergamentrollen auf, deren gebrochenes Siegel nur noch halb erhalten war. Ihre Mundwinkel zuckten leicht – selbst wenn das Siegel nur noch zu einem Sechzehntel vorhanden gewesen wäre, hätte sie die goldene Sonne Nilfgaards erkannt. Sie sparte es sich, einen Blick auf den Inhalt des Schreibens zu werfen, da ihre Aufmerksamkeit auf einen breiten, abgegriffenen Buchrücken gezogenen wurde, dessen Blindprägung nur noch an einigen Stellen goldene Verzierungen aufwies. Sie beugte sich hinab, und spürte sogleich, dass dieses Buch nicht aus einem Handelsposten stammte. Während sich die Falten auf ihrer Stirn wieder glätteten, schlug sie den unbeschrifteten Buchdeckel auf und nickte dann mit einem leisen Schnauben. “Etwas gefunden?“ Elsbeth blickte auf und zuckte leicht mit den Schultern. „Nicht wirklich. Ein altes Register der Schüler aus Aretusa...“ Sie schlug das Buch hörbar zu und wog es in der Hand. „Ansonsten scheint hier die Vergangenheit der Händler Novigrads, die mit Nilfgaard handeln, vergraben zu sein.“ Sie hob vielsagend die Augenbrauen und konnte sich durchaus vorstellen, dass es sich bei dem ein oder anderem Schriftgut um Beweismittel handelte, die in Prozessen hervorgeholt wurden, mit denen sich Radovid lästige Aufständige vom Hals schaffte. Dass sie das Erbe des Gnoms hier nicht gefunden hatte, enttäuschte sie nicht. Noch einmal nahm sie das Regal genauer in Augenschein, fuhr mit den Fingerspitzen über die Buchrücken und zog noch zwei weitere Bände heraus, die sich für sie magisch belastet anfühlten. Dem ersten Exemplar schenkte sie kein weiteres Interesse mehr – die Ein- und Ausgaben eines Stoffhändlers interessierten sie kaum. Das zweite Buch jedoch rang ihr nach einem kurzen Durchblättern jedoch ein zufriedenes Nicken ab. „Vielleicht nicht die Lösung, aber vielleicht auch nicht ganz uninteressant. Lageraufzeichnungen einer gnomischen Werkstatt.“ Sie klemmte sich die beiden Bücher unter den linken Arm, legte ihren Mantel über diese und nickte dann auf die Bände, die Drazan trug, dabei flüchtig analysierend, welche Methode er für die Suche anwandte. „Und du?“, fragte sie halbherzig interessiert, ehe sie sich umwandte und begann, die Tür aus ihren Einzelteilen wieder zu einem heilen Ganzen zusammen zu setzen, dabei mit der Linken den furchtbaren Rauch seiner Kerze fortwedelnd.
Die Vorbereitung auf den Zauber, den sie wirkte, hatte wesentlich länger gebraucht, als dessen tatsächliche Durchführung. Sie atmete einige Male bewusst tief ein und aus, um ihren Puls zu beruhigen und die nötige Konzentration zu finden, ehe sie die Arme ausstreckte, um die Tür mit den Handflächen in Bearbeitung nehmen zu können. Mit dem nächsten Herzschlag lud sie die Energie, die in dem Holz lauerte, mit einem kurzen Wink der Hände beschwörend zu sich ein und hoffte, dass sie sie nicht kurzerhand hintenüberkippen ließ. Tatsächlich zwang sie der Druck, der an ihren Handflächen einschlug, kurz in die Knie, bevor es ihr gelang, die Kraft in den Handflächen zu bündeln. Die unverkennbare, einzigartige Wärme, die von ihr ausging, ließ sie kurz angestrengt Grinsen und den Mut des Zauberers zu bewundern, der in einer Bibliothek solche Mittel anwandte – mitten zwischen gut brennbaren Holzregalen und Pergamenten eine Holztür mit gebundenem Feuer zu schützen war unüblich. Sie hatte sich mit den reinen elementaren Kräften immer schwergetan und sich daher weniger damit beschäftigt, sie wirkungsvoll einzusetzen, sondern ihr Augenmerk stets daraufgelegt, sie wirkungsvoll unter Kontrolle zu bringen und unschädlich zu machen, sodass es ihr vergleichsweise leichtfiel, das schwelende Gebilde zwischen ihren Handflächen zu bändigen. Es einfach aus dem Fenster zu verfrachten wäre einfach aber zu aufsehenerregend gewesen und da ihr keine Wasserquelle zur Verfügung stand, um es zu löschen, entschloss sie nach kurzem Abwägen, es zurück in seinen Ursprung zu zwingen und die wohl oder übel entstehende Druckwelle dafür zu nutzen, die Tür bestenfalls direkt zu öffnen, deren übernatürlicher Widerstand gegenüber Öffnungsversuchen ihrer Meinung nach ebenfalls nur aus einer reinen Energiebarriere resultierte, die man gut und gern mit roher Gegengewalt lösen konnte. Nicht die feine Art, aber man musste mit den Dingen arbeiten, die einem eben in die Hand fielen. Während die Hitze sich in ihren Händen ausbreitete und kurz davor war, schmerzhaft zu werden, räusperte sie sich leise und trat zwei Schritte zurück. Sie fasste das flackernde Energiebündel fest mit der Linken und balancierte es mit steigender Nervosität auf der Handfläche. Sie hasste Feuermagie. Um die Ruhe in der Bibliothek nicht mit einem lauten Knall zu stören, der unweigerlich auftreten würde, wob sie mit der Rechten einen flüchtigen Zauber, der den Schall soweit abdämpfen würde, dass den menschlichen nächtlichen Besuchern nicht mehr als das Geräusch eines herunterfallenden Buches an die Ohren dringen würde – während sie kurz um ihr Hörvermögen bangte. Die Geste, mit der sie den gefangenen Zauber – oder viel mehr die pure Energie, die von ihm übri geblieben war – nun gen Holz schickte, wirkte fast schon hektisch, war jedoch präzise genug, um das, zugegebenermaßen große und unbewegliche Ziel, zu treffen. Der Knall war wie erwartet ohrenbetäubend und dennoch schien die Barriere, die sich noch im Holz befand, zu stark, als dass ihr Versuch ausgereicht hätte, um sie zu brechen. Sie beobachtete für den Bruchteil einer Sekunde, wie sich kleine, schimmernde Energieadern im Holz bildeten und sandte sogleich einen weiteren Stoß der nunmehr eigenhändig gebündelten Magie hinterher. Vielleicht hatte sie übertrieben – Maßlosigkeit war schon immer eine ihrer Schwächen gewesen – mit einem unnötig lauten Krachen gab das harte Holz nun endlich nach und verteilte sich laut polternd in der kleinen Kammer, die es bisher vor ungewünschten Augen verborgen hatte. Elsbeth hatte die Augenlider ob des Lärms festgeschlossen und den Kopf abgewandt – nur langsam wandte sie ihren Blick wieder nach vorn und ließ dabei die Hände sinken. Sie stieß hörbar die angehaltene Luft aus den Lungen und vergewisserte sich mit einem weiteren Blick über die Schulter, dass nicht halb Oxenfurt aus dem Schlaf gerissen worden war und nun mit Fackeln und Mistgabeln hinter ihr aufwartete. Doch die Stille in der Bibliothek hatte sich nicht merklich geändert. Um die spontane Entdeckung des Chaos, dass sie veranstaltet hatte, zu vereiteln, erschuf sie mit redlicher Mühe einen zugegebenermaßen dilettantischen Illusionszauber, der beim genaueren Hinsehen eine dezent flackernde Holztür statt des klaffenden Loches in der Wand zeigte und von jedem magisch Begabten belächelt werden würde – für etwaige vorbeigehende Studenten jedoch ausreichend sein sollte. Sie öffnete mit leicht zittrigen Fingern die Schleife, die ihren Umgang schloss und warf ihn im Vorbeigehen auf ein abgebrochenes aber noch halbwegs aufrechtstehendes Überbleibsel der Türzarge, ehe sie sich ein wenig Luft zufächelte und einen ersten genaueren Blick in die Kammer werfen konnte. Die Holzsplitter hatten sich weiträumig in ihr verteilt – die sparsame Ausstattung war weitgehend unversehrt geblieben. Nur ein paar einzelne Blätter und Pergamentrollen hatte es in eine Ecke verschlagen – die Bücher, die in den schmalen Regalen standen, waren an Ort und Stelle geblieben. Elsbeth griff nach dem Erstbesten Exemplar, schlug es auf und runzelte die Stirn, hob den Blick wieder zu den Buchrücken hinauf. Offenbar hatte sie das Lager bestimmter Handelsregister gefunden. Sie schob das erste Buch zurück in an seinen angestammten Platz und hob eine der Pergamentrollen auf, deren gebrochenes Siegel nur noch halb erhalten war. Ihre Mundwinkel zuckten leicht – selbst wenn das Siegel nur noch zu einem Sechzehntel vorhanden gewesen wäre, hätte sie die goldene Sonne Nilfgaards erkannt. Sie sparte es sich, einen Blick auf den Inhalt des Schreibens zu werfen, da ihre Aufmerksamkeit auf einen breiten, abgegriffenen Buchrücken gezogenen wurde, dessen Blindprägung nur noch an einigen Stellen goldene Verzierungen aufwies. Sie beugte sich hinab, und spürte sogleich, dass dieses Buch nicht aus einem Handelsposten stammte. Während sich die Falten auf ihrer Stirn wieder glätteten, schlug sie den unbeschrifteten Buchdeckel auf und nickte dann mit einem leisen Schnauben. “Etwas gefunden?“ Elsbeth blickte auf und zuckte leicht mit den Schultern. „Nicht wirklich. Ein altes Register der Schüler aus Aretusa...“ Sie schlug das Buch hörbar zu und wog es in der Hand. „Ansonsten scheint hier die Vergangenheit der Händler Novigrads, die mit Nilfgaard handeln, vergraben zu sein.“ Sie hob vielsagend die Augenbrauen und konnte sich durchaus vorstellen, dass es sich bei dem ein oder anderem Schriftgut um Beweismittel handelte, die in Prozessen hervorgeholt wurden, mit denen sich Radovid lästige Aufständige vom Hals schaffte. Dass sie das Erbe des Gnoms hier nicht gefunden hatte, enttäuschte sie nicht. Noch einmal nahm sie das Regal genauer in Augenschein, fuhr mit den Fingerspitzen über die Buchrücken und zog noch zwei weitere Bände heraus, die sich für sie magisch belastet anfühlten. Dem ersten Exemplar schenkte sie kein weiteres Interesse mehr – die Ein- und Ausgaben eines Stoffhändlers interessierten sie kaum. Das zweite Buch jedoch rang ihr nach einem kurzen Durchblättern jedoch ein zufriedenes Nicken ab. „Vielleicht nicht die Lösung, aber vielleicht auch nicht ganz uninteressant. Lageraufzeichnungen einer gnomischen Werkstatt.“ Sie klemmte sich die beiden Bücher unter den linken Arm, legte ihren Mantel über diese und nickte dann auf die Bände, die Drazan trug, dabei flüchtig analysierend, welche Methode er für die Suche anwandte. „Und du?“, fragte sie halbherzig interessiert, ehe sie sich umwandte und begann, die Tür aus ihren Einzelteilen wieder zu einem heilen Ganzen zusammen zu setzen, dabei mit der Linken den furchtbaren Rauch seiner Kerze fortwedelnd.
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