23.10.2021, 21:04
Obwohl Elsbeth sich als erste in Bewegung gesetzt hatte, hatte sie nun ihre liebe Müh damit, seinen Schritten zu folgen, ohne sich abhängen zu lassen. Sie musste sich selbst eingestehen, dass sie sich an das langsame Flanieren durch die Straßen offenbar gut gewöhnt hatte und ihr das Tempo ein genervtes Augenrollen abverlangte. Sie waren doch nicht auf der Flucht. Sie nutze das kurze, spontane Warten auf Drazan, der plötzlich stehen geblieben war, um die Handschuhe auszuziehen und in der Manteltasche verschwinden zu lassen und bedachte ihn mit einem kurzen, fragenden Blick – so furchtbar waren ihre Ausführungen nun bei aller Liebe nicht gewesen. Ihre Stirn legte sich kurz in Falten, ehe sie ihren Weg wieder nebeneinander aufnahmen und er tatsächlich eine folgerichtige Frage stellte, die Elsbeth wiederum zufrieden als Antwort nicken ließ, wobei sie ihren Kopf anschließend zweifelnd neigte, denn ob diese Methodik tatsächlich weniger Zeit in Anspruch nahm, wollte sie – um Enttäuschungen vorzubeugen – so nicht sagen. Sie schnalzte nachdenklich mit der Zunge, während sie ihren Mantel hinter die Schultern schob, da ihr mit jedem Schritt wärmer wurde. „Man hat gefunden?“, hakte sie wiederum nun interessiert nach und konnte dann ein schelmisches Grinsen nicht unterdrückten. „Wer hat es sich unter den Nagel gerissen?“ Die allgemeine Neigung, Entdeckungen wie diese Apparatur hinter geschlossenen Türen für sich allein zu analysieren um bloß niemand anderem die Gelegenheit zu geben, schnellere und bessere Schlüsse darüber zu ziehen, war auch an der nilfgaardischen Akadamie Gang und Gebe gewesen. Wahrscheinlich wusste niemand so wirklich über all die unerklärten Dinge Bescheid, die in irgendeinem Zimmer darauf warteten, erklärt zu werden – jedoch niemals den Weg in die Hände solcher Personen schafften, die es tatsächlich konnten. Und so hätte auch Elsbeth diese Apparatur gern in die Finger bekommen und ahnte schon fast, wer sich daran ergötzte und hütete, wie einen verbotenen Schatz. „Bitte sag mir, dass es nicht bei Hywel im Regal verstaubt.“ Ihre Stimme klang fast flehend. „Wenn doch, gäbe es eh keine Hoffnung, es aus seinen dicken Fingern zu bekommen um es von einem fähigen Handwerker nachbauen zu lassen. Nein, selbst wenn…“ Sie runzelte erneut die Stirn und schüttelte dann energisch den Kopf und atmete tief durch. Sie wollte das Problem auf ihre Weise lösen. Ohne weitere Diskussion.
Elsbeth hätte weitaus mehr Mühe gehabt, den Eingang zum Hof der Akademie zu finden und verließt sich daher bereitwillig auf Drazans Richtungsweisungen, ohne diese auch nur einmal in Frage zu stellen oder gar auf den tatsächlich zurückgelegten Weg zu achten. So fing sie mit den Fragen auch nicht an, als sie dort angekommen waren – sie hätte sich im Zweifel durchgefragt, warum auch nicht. Als Frau konnte man sich doch meist auf die Hilfsbereitschaft junger Männer verlassen, von denen es in Oxenfurt durchaus einige gab. Sah man von den Wachen, die sich überall herumtrieben ab. Ihre Augen verengten sich leicht, als sie die redanische Kluft der Männer erkannte und wollte sich bereits deutlich von ihnen wegdrehen, als sie tatsächlich angesprochen wurden. Sie senkte den Blick, bleckte die Zähne und setzte, um keinen weiteren Verdacht zu erwecken, ein unschuldiges Lächeln auf, ehe sie den Kopf wieder hob und die Wachen ebenso in Augenschein nahm, wie sie es taten. Ihre Gesichter ließen bereits auf einen kleinen Verstand hindeuten und so kamen ihre unnötigen Worte weder unerwartet noch überraschend. Sie hätte gern laut Protest erhoben, warum man annahm, dass sie keine Studentin war, beließ es jedoch dabei nur gute Miene zur absurden Szene zu machen und berührte Drazan, der sich von der Situation mehr in Beschlag nehmen ließ, als er sollte, sacht am Unterarm um ihm zum Weitergehen zu bewegen. „Das wird nicht passieren, versprochen.“, hob sie dann mit einem weiteren Lächeln die Stimme in einem beschwichtigenden Tonfall. Es machte ihr nicht einmal mehr Mühe, sich als braves Mädchen ohne irgendwelche Absichten auszugeben. „Er will mir nur den Ausblick vom Turm zeigen. Er soll ganz wunderbar sein, wenn es dunkel ist.“ Sie legte den Kopf mit einem sehnsüchtigen Blick ein wenig zur Seite und hätte über den romantischen Anflug, wenn er ihr tatsächlich wiederfahren wäre, wahrscheinlich würgen müssen. Unauffällig hatte sie das leichte Drücken an Drazans Arm verstärkt, um ihre Finger schließlich fest um sein Handgelenk zu legen und ihn mit Nachdruck aus der Starre ein Stück näher an sich zu ziehen und sich daraufhin in Bewegung zu setzen. „Guten Abend, meine Herren.“ Sie nickte den feixenden Männern höflich zu und zog Drazan energisch mit sich. Auf der Höhe der Wachen angekommen ließ es sich Andrej nehmen, ihm einen fast freundschaftlichen aber ziemlich handfesten Klaps auf die Schulter zu geben. „Du weißt also, wie du sie rumkriegst, heh? Bist bestimmt nicht die Erste, die er mit dem Turm beeindrucken will.“ Nun war sie es, die innehielt und die obszöne Geste, mit denen der Soldat seine Worte unterstrich, mit einem unbeeindruckten aber fast schon drohendem Befeuchten der Lippen mit der Zungenspitze kommentierte. Ihre Hand löste sich von Drazan und hob sich in der gleichen Bewegung auf Augenhöhe der Männer. Auch wenn sie versucht war, ihnen eine schmerzhafte Lektion zu erteilen, benötigte sie nur ein kurzes Zucken der Finger, um ihnen einzureden, dass sie noch eine wichtige Nachforschung anstellen mussten – im tiefsten Kellergewölbe der dunkelsten Schänke der Stadt. Das kurze Flackern ihrer eh schon wenig intelligent dreinblickenden Augen verriet, dass ihr Befehl angekommen war und keinen Augenblick später drehten sie sich auf den Haken um, unverständliche Worte stammelnd und sogleich die Beine in die Hand nehmend, als wäre Radovid persönlich hinter ihnen her. Elsbeth ließ die Hand sinken, schüttelte sie einmal aus, als hätte sie in Dreck gefasst und atmete sichtlich genervt durch, um Drazan dann einen fast schon vorwurfsvollen Bick zu schenken. „Du bist immer noch nicht häufig unter Menschen, oder?“, fragte sie dann und bedeutete ihm mit einer ungeduldigen Geste, sich doch nun bitte wieder eigenständig zu bewegen.
Elsbeth hätte weitaus mehr Mühe gehabt, den Eingang zum Hof der Akademie zu finden und verließt sich daher bereitwillig auf Drazans Richtungsweisungen, ohne diese auch nur einmal in Frage zu stellen oder gar auf den tatsächlich zurückgelegten Weg zu achten. So fing sie mit den Fragen auch nicht an, als sie dort angekommen waren – sie hätte sich im Zweifel durchgefragt, warum auch nicht. Als Frau konnte man sich doch meist auf die Hilfsbereitschaft junger Männer verlassen, von denen es in Oxenfurt durchaus einige gab. Sah man von den Wachen, die sich überall herumtrieben ab. Ihre Augen verengten sich leicht, als sie die redanische Kluft der Männer erkannte und wollte sich bereits deutlich von ihnen wegdrehen, als sie tatsächlich angesprochen wurden. Sie senkte den Blick, bleckte die Zähne und setzte, um keinen weiteren Verdacht zu erwecken, ein unschuldiges Lächeln auf, ehe sie den Kopf wieder hob und die Wachen ebenso in Augenschein nahm, wie sie es taten. Ihre Gesichter ließen bereits auf einen kleinen Verstand hindeuten und so kamen ihre unnötigen Worte weder unerwartet noch überraschend. Sie hätte gern laut Protest erhoben, warum man annahm, dass sie keine Studentin war, beließ es jedoch dabei nur gute Miene zur absurden Szene zu machen und berührte Drazan, der sich von der Situation mehr in Beschlag nehmen ließ, als er sollte, sacht am Unterarm um ihm zum Weitergehen zu bewegen. „Das wird nicht passieren, versprochen.“, hob sie dann mit einem weiteren Lächeln die Stimme in einem beschwichtigenden Tonfall. Es machte ihr nicht einmal mehr Mühe, sich als braves Mädchen ohne irgendwelche Absichten auszugeben. „Er will mir nur den Ausblick vom Turm zeigen. Er soll ganz wunderbar sein, wenn es dunkel ist.“ Sie legte den Kopf mit einem sehnsüchtigen Blick ein wenig zur Seite und hätte über den romantischen Anflug, wenn er ihr tatsächlich wiederfahren wäre, wahrscheinlich würgen müssen. Unauffällig hatte sie das leichte Drücken an Drazans Arm verstärkt, um ihre Finger schließlich fest um sein Handgelenk zu legen und ihn mit Nachdruck aus der Starre ein Stück näher an sich zu ziehen und sich daraufhin in Bewegung zu setzen. „Guten Abend, meine Herren.“ Sie nickte den feixenden Männern höflich zu und zog Drazan energisch mit sich. Auf der Höhe der Wachen angekommen ließ es sich Andrej nehmen, ihm einen fast freundschaftlichen aber ziemlich handfesten Klaps auf die Schulter zu geben. „Du weißt also, wie du sie rumkriegst, heh? Bist bestimmt nicht die Erste, die er mit dem Turm beeindrucken will.“ Nun war sie es, die innehielt und die obszöne Geste, mit denen der Soldat seine Worte unterstrich, mit einem unbeeindruckten aber fast schon drohendem Befeuchten der Lippen mit der Zungenspitze kommentierte. Ihre Hand löste sich von Drazan und hob sich in der gleichen Bewegung auf Augenhöhe der Männer. Auch wenn sie versucht war, ihnen eine schmerzhafte Lektion zu erteilen, benötigte sie nur ein kurzes Zucken der Finger, um ihnen einzureden, dass sie noch eine wichtige Nachforschung anstellen mussten – im tiefsten Kellergewölbe der dunkelsten Schänke der Stadt. Das kurze Flackern ihrer eh schon wenig intelligent dreinblickenden Augen verriet, dass ihr Befehl angekommen war und keinen Augenblick später drehten sie sich auf den Haken um, unverständliche Worte stammelnd und sogleich die Beine in die Hand nehmend, als wäre Radovid persönlich hinter ihnen her. Elsbeth ließ die Hand sinken, schüttelte sie einmal aus, als hätte sie in Dreck gefasst und atmete sichtlich genervt durch, um Drazan dann einen fast schon vorwurfsvollen Bick zu schenken. „Du bist immer noch nicht häufig unter Menschen, oder?“, fragte sie dann und bedeutete ihm mit einer ungeduldigen Geste, sich doch nun bitte wieder eigenständig zu bewegen.
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