23.10.2021, 20:56
Dass er sich kaum verändert hatte, überraschte Elsbeth keineswegs. Nicht viele magisch Begabte nahmen es einfach so hin, zu altern und geboten dem Prozess des körperlichen Verfalls an einem bestimmten Zeitpunkt des Lebens mit ein wenig Aufwand Einhalt. Sie selbst konnte sich davon ebenso wenig freisprechen, wie er, ohne Frage: auch wenn es bei ihr erst ein paar Jahre her war, dass sie entschieden hatte, ihren körperlichen Zustand für vielleicht ewig festzuhalten. Stillstand in der Entwicklung des Charakters oder Wissens konnte sie sich wiederum kaum vorwerfen lassen. War sie damals, als Schülerin, vergleichsweise einfältig und dumm gewesen, hatten die letzten Jahre sie doch erwachsen werden lassen. Dass sie ihrer persönlichen Meinung nach ihrem Lehrmeister in bestimmten Fähigkeiten nun wohl nicht mehr viel nachstand, hätte sie ihm gern direkt ins Gesicht gesagt. Sie hatte keine Gelegenheit verstreichen lassen, ihr Wissen und Können zu erweitern und auch wenn er sie vielleicht nur für eine kleine Tränkemischerin hielt, wusste sie ihre Fähigkeiten doch gut einzuschätzen. Sie brauchte sich nicht mehr vor ihm verstecken, allein die Tatsache, dass Philippa sie zwischen all den anderen Zauberern der kaiserlichen Akademie ausgewählt hatte, sprach eindeutig dafür, dass sie nicht einfach nur Eine von Vielen war. Deshalb hatte sie nur ein schwaches Lächeln dafür übrig, dass Drazan auch jetzt noch so tat, als stände er weit über ihr. Auch als Zauberer blieb man gewissen Charakterzügen offenbar auf ewig treu.
„Ohje.“, kam es ihr spöttisch über die Lippen, mit einem vor gespieltem Mitleid triefenden Blick, „Du willst mir nicht sagen, dass dich Emhyr nicht anständig für deinen Erfolg in Aedirn belohnt hat, oder? Aber ja, du hast Recht. Ich habe gehorsam meinen Dienst in Cintra geleistet. Aber Leben zu retten hat unseren Kaiser nie sehr beeindruckt.“ Ihre letzten Worte ließen ein wenig Bitterkeit laut werden, die sie jedoch mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat. Sie hatte mit Sicherheit kein persönliches Danke des Kaisers erwartet und auch ihr Sold war gezahlt worden und ihren Fähigkeiten hatte es mit Sicherheit auch nicht geschadet – doch ruhige Nächte waren nicht in Gold aufzuwiegen und diese vermisste sie seit ihrem Einsatz an der Front schmerzlich. Und so war sie ganz froh, dass Drazan selbst das Thema schnell ruhen ließ, von seinen Erfolgen wiederum hatte sie ausschweifend Kunde erhalten, war selbst Schuld daran gewesen, zurück in der Akademie aus reinem Pflichtbewusstsein nach seinem Verbleib gefragt zu haben. Seine nächste Antwort ließ sie jedoch für einen Moment hämisch Grinsen. „Wer wird denn von Verrat sprechen, Drazan?“ Sie schnalzte abwertend mit der Zunge und freute sich innerlich darüber, ihn offenbar an einer empfindlichen Stelle erwischt zu haben. „Ich frage mich nur, warum du deinen sicheren Hafen für sie verlässt. Mitleid mit ihrer Situation wird es doch kaum sein?“ Sie hätte gern angefügt, dass sie wusste, dass es sich dabei nicht um einen Kavaliersdienst handelte, welcher der einnehmenden Schönheit geschuldet war. Dafür war Drazan nie empfänglich gewesen, wie sie am eigenen Leib hatte erfahren dürfen. Sie selbst hatte sich Philippa nicht freiwillig angeschlossen, er offenbar schon, ganz unabhängig davon, dass Elsbeth sich mit der Verpflichtung – meistens - nicht unwohl fühlte und es keinesfalls schaden konnte, einer Zauberin wie ihr zur Hand zu gehen. Drazan jedoch hatte so etwas nicht mehr nötig und daher hatte Elsbeth durchaus Interesse daran, tiefer zu bohren und hinter seine tatsächliche Intention zu kommen. Doch erneut wiegelte er ab, was ihr ein weiteres Schnauben und ein dezentes Augenrollen abverlangte. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und hob wenig interessiert die Augenbrauen, als er zur Tagesordnung überging und das zusammenfasste, was Philippa ihr tatsächlich vor der Abreise mit auf den Weg gegeben hatte. Sie zuckte halbherzig mit den Schultern und reckte das Kinn ein wenig, keinesfalls hatte sie die Absicht, ihm die Führung in dieser Mission zu überlassen. „Dann sind wir beide auf dem selben Stand.“, bestätigte sie mit einem leichten Nicken. „Sowohl Vilgefortz als auch Yennefer sind mir durchaus bekannt, letztere sogar mehr oder weniger persönlich. Ich denke nicht, dass uns die Heilung ihrer Blendung viel Aufschluss geben wird – die Schäden sind sich nicht einmal im Ansatz ähnlich oder vergleichbar.“ Sie sagte nicht, dass sie sich selbst durchaus zutraute, eine solche Verletzung mit ein wenig Aufwand und Kozentration mittlerweile selbst heilen zu können – es war immerhin etwas ganz anderes, ein noch vorhandenes Gewebe in einen funktionierenden Zustand zu versetzen, als komplett ersetzen zu müssen. „Ich vermute außerdem, dass Philippa sie bereits dazu befragt haben wird. Immerhin haben sie einige Zeit zusammen in Nilfgaard verbracht. Wobei Yennefer ihr vielleicht nicht alles erzählt hat, wer weiß.“ Sie hob leicht die Schultern, wusste sie doch selbst genug über den Neid und die Missgunst, die hier und da unter den Zauberinnen schwelten. Sie wartete einen Moment, ehe sie fortfuhr. „Auch wenn Vilgefortz und Yennefer sicherlich halbwegs hoffnungsvolle Ansatzpunkte sind…:“ - ihr gleichgültiger Tonfall und der gelangweilte Augenaufschlag strafte die Umschreibung ‚hoffnungsvoll‘ eindeutig Lüge - „Was mir weitaus interessanter und aussichtsvoller erscheint, sind Aufzeichnungen der Gnome.“ Sie beendete den Satz mit einem selbstsicheren Nicken, hob in Erwartung einer abschmetternden Reaktion Drazans schon einmal im Voraus provokant eine Augenbraue, gespannt darauf, ob er sie immer noch wie seine Schülerin behandeln würde, wovon sie durchaus ausging. Anders als vor fünf Jahren scheute sich nun jedoch keinesfalls, sich ihm in einer ausschweifenden Diskussion entgegen zu stellen und hatte ausreichend Argumente im Hinterkopf, um ihn von ihrer glorreichen Idee zu überzeugen.
„Ohje.“, kam es ihr spöttisch über die Lippen, mit einem vor gespieltem Mitleid triefenden Blick, „Du willst mir nicht sagen, dass dich Emhyr nicht anständig für deinen Erfolg in Aedirn belohnt hat, oder? Aber ja, du hast Recht. Ich habe gehorsam meinen Dienst in Cintra geleistet. Aber Leben zu retten hat unseren Kaiser nie sehr beeindruckt.“ Ihre letzten Worte ließen ein wenig Bitterkeit laut werden, die sie jedoch mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat. Sie hatte mit Sicherheit kein persönliches Danke des Kaisers erwartet und auch ihr Sold war gezahlt worden und ihren Fähigkeiten hatte es mit Sicherheit auch nicht geschadet – doch ruhige Nächte waren nicht in Gold aufzuwiegen und diese vermisste sie seit ihrem Einsatz an der Front schmerzlich. Und so war sie ganz froh, dass Drazan selbst das Thema schnell ruhen ließ, von seinen Erfolgen wiederum hatte sie ausschweifend Kunde erhalten, war selbst Schuld daran gewesen, zurück in der Akademie aus reinem Pflichtbewusstsein nach seinem Verbleib gefragt zu haben. Seine nächste Antwort ließ sie jedoch für einen Moment hämisch Grinsen. „Wer wird denn von Verrat sprechen, Drazan?“ Sie schnalzte abwertend mit der Zunge und freute sich innerlich darüber, ihn offenbar an einer empfindlichen Stelle erwischt zu haben. „Ich frage mich nur, warum du deinen sicheren Hafen für sie verlässt. Mitleid mit ihrer Situation wird es doch kaum sein?“ Sie hätte gern angefügt, dass sie wusste, dass es sich dabei nicht um einen Kavaliersdienst handelte, welcher der einnehmenden Schönheit geschuldet war. Dafür war Drazan nie empfänglich gewesen, wie sie am eigenen Leib hatte erfahren dürfen. Sie selbst hatte sich Philippa nicht freiwillig angeschlossen, er offenbar schon, ganz unabhängig davon, dass Elsbeth sich mit der Verpflichtung – meistens - nicht unwohl fühlte und es keinesfalls schaden konnte, einer Zauberin wie ihr zur Hand zu gehen. Drazan jedoch hatte so etwas nicht mehr nötig und daher hatte Elsbeth durchaus Interesse daran, tiefer zu bohren und hinter seine tatsächliche Intention zu kommen. Doch erneut wiegelte er ab, was ihr ein weiteres Schnauben und ein dezentes Augenrollen abverlangte. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und hob wenig interessiert die Augenbrauen, als er zur Tagesordnung überging und das zusammenfasste, was Philippa ihr tatsächlich vor der Abreise mit auf den Weg gegeben hatte. Sie zuckte halbherzig mit den Schultern und reckte das Kinn ein wenig, keinesfalls hatte sie die Absicht, ihm die Führung in dieser Mission zu überlassen. „Dann sind wir beide auf dem selben Stand.“, bestätigte sie mit einem leichten Nicken. „Sowohl Vilgefortz als auch Yennefer sind mir durchaus bekannt, letztere sogar mehr oder weniger persönlich. Ich denke nicht, dass uns die Heilung ihrer Blendung viel Aufschluss geben wird – die Schäden sind sich nicht einmal im Ansatz ähnlich oder vergleichbar.“ Sie sagte nicht, dass sie sich selbst durchaus zutraute, eine solche Verletzung mit ein wenig Aufwand und Kozentration mittlerweile selbst heilen zu können – es war immerhin etwas ganz anderes, ein noch vorhandenes Gewebe in einen funktionierenden Zustand zu versetzen, als komplett ersetzen zu müssen. „Ich vermute außerdem, dass Philippa sie bereits dazu befragt haben wird. Immerhin haben sie einige Zeit zusammen in Nilfgaard verbracht. Wobei Yennefer ihr vielleicht nicht alles erzählt hat, wer weiß.“ Sie hob leicht die Schultern, wusste sie doch selbst genug über den Neid und die Missgunst, die hier und da unter den Zauberinnen schwelten. Sie wartete einen Moment, ehe sie fortfuhr. „Auch wenn Vilgefortz und Yennefer sicherlich halbwegs hoffnungsvolle Ansatzpunkte sind…:“ - ihr gleichgültiger Tonfall und der gelangweilte Augenaufschlag strafte die Umschreibung ‚hoffnungsvoll‘ eindeutig Lüge - „Was mir weitaus interessanter und aussichtsvoller erscheint, sind Aufzeichnungen der Gnome.“ Sie beendete den Satz mit einem selbstsicheren Nicken, hob in Erwartung einer abschmetternden Reaktion Drazans schon einmal im Voraus provokant eine Augenbraue, gespannt darauf, ob er sie immer noch wie seine Schülerin behandeln würde, wovon sie durchaus ausging. Anders als vor fünf Jahren scheute sich nun jedoch keinesfalls, sich ihm in einer ausschweifenden Diskussion entgegen zu stellen und hatte ausreichend Argumente im Hinterkopf, um ihn von ihrer glorreichen Idee zu überzeugen.
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