23.10.2021, 20:28
Saskia schwieg einen langen Moment. Sie hatte Stennis kaum etwas vorzuwerfen – es gab halt Menschen, die dazu geboren waren, Königreiche anzuführen und solche, die durch eine harte Schule gehen mussten, um solche Aufgaben halbwegs elegant zu meistern. Auf ihn mochte Letzteres zutreffen, doch allein die Tatsache, dass er ihren Plänen für die freie Niedermark nicht entgegengestanden hatte, hinterließ in Saskia wohl auf ewig eine gewisse Schuld, die sie kaum begleichen konnte. „Du weißt ganz genau, wie sehr Aedirn unter der Invasion gelitten hat.“, meinte sie dann ernst, ohne ihn anzusehen. Sie war versucht, ihn daran zu erinnern, dass es auch seine Magier gewesen waren, die durch ihre Heimat gezogen waren und sie letztendlich verbrannt und geschunden zurückgelassen hatten. „Ich kann es ihm kaum verübeln, dass er für sein Königreich nun nach Frieden sucht, Gnade eines anderen hin oder her.“ Sie wollte Drazan damit keinen Vorwurf machen, doch vielleicht ein wenig Verständnis suchen, obwohl sie wusste, dass es vergebens sein würde. Was ihm das Kaiserreich und der Kaiser war, war ihr nun vielleicht Aedirn und Stennis, jetzt, wo es die freie Niedermark nicht mehr gab und sie von Stennis schmerzhaft degradiert worden war. Immerhin hatte er sie nicht als Verräterin an den Galgen geliefert. „Ohne die Gnade von ihm und einigen anderen wäre ich wohl auch nicht hier.“, fügte sie dann mit einem matten Lächeln an, als sie den Blick wieder hob und Drazan wieder ansah. Und ihn vielleicht sogar auch damit meinte. „Ob ich tatsächlich mich suche, kann ich nicht einmal sagen. Die Gerüchte sind sehr vage, zumal ich mir nichts von dem vorwerfen kann, was dem Drachen angelastet wird. Ich vermute, die verbrannten Leichen gehen auf die Kappe solcher, die wesentlich menschlicher sind als…“ Sie fügte dem Satz das fehlende ich nicht mehr an, weil ihr der eigene „Makel“ einerseits unangenehm war und Drazan eh wusste, worauf sie hinauswollte. Sie schlug sein scherzhaftes Angebot vielleicht eine Spur zu ernst aus. „Rein körperlich, meine ich.“, fügte sie dann an, denn das, was hier auf den Scheiterhaufen geschah, hatte kaum etwas mit Menschlichkeit zu tun. Die prompte Empörung und Wut, die in ihr bei diesen Worten aufkam, überraschte sie selbst. Offenbar hatte sie sich die Ereignisse in der Stadt, nein, im ganzen Königreich, doch mehr zu Herzen genommen, als sie sollte. Die instinktiv geballten Fäuste, die sich nun wieder lösten, waren für ihn in der Verschränkung ihrer Arme wohl deutlich sichtbar gewesen. Es war nur schwer für sie zu verstehen, wie die Hexenjäger, die Stadtwachen, ja auch der König mit der Last leben konnten, Menschen, Zauberinnen und Anderlinge ganz bewusst und mit Genugtuung zu verbrennen, während sie die Schuld, die sie in ihrer natürlichen Gestalt auf sich geladen hatte, mehr als nur ein wenig belastete. Sie seufzte schwer, winkte mit einem angedeuteten Kopfschütteln ab, der leisen Ahnung wegen, dass dieses Thema durchaus Konfliktpotential mit sich brachte, dass sie unter diesen Umständen nicht ausschöpfen wollte.
Und so war sie ihm doch dankbar, dass er ihr nun sein Leid über seinen Versuch, gesellschaftsfähig zu werden, klagte. Mitleid konnte sie dafür natürlich kaum aufbringen, doch ein ehrliches Verständnis, in Sachen Verkleidung und „Nicht auffallen wollen“ hatte sie nach all den Jahren durchaus Übung. Dass er jedoch so um seine schwarzen Kleidungsstücke klagte, ließ sie kurz amüsiert schmunzeln. Ihr hatte man immerhin beigebracht, dass Schwarz einer Farbe der Trauer war und so hatte sie sich stets tunlichst bemüht, eben diese zu meiden und eben nicht zu tragen, so es denn nicht angebracht war. Bis sie ihn kennen gelernt und sich eines Besseren belehren hatte lassen müssen. Tatsächlich hatte sie sich sogar irgendwie darüber gefreut, dass man ihr in Aedirn eine schwarze Lederrüstung übergeben hatte, die sie auf ihrer Suche nach dem Drachen halbherzig schützen sollte – vielleicht, weil es sie an Drazan erinnert hatte. Robusteres war man als einfache Kommandantin nicht wert, aber immerhin. Sie nickte gespielt mitfühlend, während er sprach und zog dann skeptisch die Augenbrauen zusammen. Andere Haarfarbe? Wein verkaufen? Offenbar war Saskia zu gutgläubig und unvorsichtig oder Drazan einfach paranoid – die Wahrscheinlichkeit, dass ihn hier in den Nordlanden jemand erkannte, war doch noch wesentlich geringer als die, dass man ihr Gesicht der Jungfrau von Aedirn zuordnete. Wieder stieg das Misstrauen in ihr auf. Für ein friedliches Leben solch ein Aufwand? Ihr Kopf legte sich leicht schief, während sie ihren Blick noch einmal über ihn schweifen ließ, sorgfältig, aufmerksam, der Etikette nach ungeniert doch für sie typisch. „Das ist viel Aufwand dafür, dass du hier in Ruhe leben möchtest.“, konstatierte sie dann nachdenklich. In Summe war es doch verdächtig. Kein Schwarz mehr. Lektüre, die Rittersporns lyrische Ergüsse beinhaltete. Sie nickte langsam. „Ich kann ihn dir gern persönlich vorstellen.“, meinte sie dann und wäre das Misstrauen nicht derartig präsent gewesen, hätte sie über die Vorstellung, Drazan mit dem Barden bekannt zu machen, laut gelacht und 100 Oren darauf gewettet, dass der Zauberer es keine fünf Minuten mit ihm an einem Tisch aushalten würde. „Rittersporn, meine ich.“ Sie hob in stummer Aufforderung eine Augenbraue. „Wenn es deine… Bemühungen und Zeit denn zulassen? Ich denke, sein Gasthaus kann guten Wein gut vertragen, so rein geschäftlich kann ich da sicher etwas für euch arrangieren?“ Sie war ihm nun nähergekommen und alles an ihr, Haltung, Mimik sprach deutlich dafür, dass sie ihm nicht so ganz glauben wollte. Eigentlich kein Wort davon. „Warum bist du hier, Drazan?“, fragte sie dann noch einmal.
Und so war sie ihm doch dankbar, dass er ihr nun sein Leid über seinen Versuch, gesellschaftsfähig zu werden, klagte. Mitleid konnte sie dafür natürlich kaum aufbringen, doch ein ehrliches Verständnis, in Sachen Verkleidung und „Nicht auffallen wollen“ hatte sie nach all den Jahren durchaus Übung. Dass er jedoch so um seine schwarzen Kleidungsstücke klagte, ließ sie kurz amüsiert schmunzeln. Ihr hatte man immerhin beigebracht, dass Schwarz einer Farbe der Trauer war und so hatte sie sich stets tunlichst bemüht, eben diese zu meiden und eben nicht zu tragen, so es denn nicht angebracht war. Bis sie ihn kennen gelernt und sich eines Besseren belehren hatte lassen müssen. Tatsächlich hatte sie sich sogar irgendwie darüber gefreut, dass man ihr in Aedirn eine schwarze Lederrüstung übergeben hatte, die sie auf ihrer Suche nach dem Drachen halbherzig schützen sollte – vielleicht, weil es sie an Drazan erinnert hatte. Robusteres war man als einfache Kommandantin nicht wert, aber immerhin. Sie nickte gespielt mitfühlend, während er sprach und zog dann skeptisch die Augenbrauen zusammen. Andere Haarfarbe? Wein verkaufen? Offenbar war Saskia zu gutgläubig und unvorsichtig oder Drazan einfach paranoid – die Wahrscheinlichkeit, dass ihn hier in den Nordlanden jemand erkannte, war doch noch wesentlich geringer als die, dass man ihr Gesicht der Jungfrau von Aedirn zuordnete. Wieder stieg das Misstrauen in ihr auf. Für ein friedliches Leben solch ein Aufwand? Ihr Kopf legte sich leicht schief, während sie ihren Blick noch einmal über ihn schweifen ließ, sorgfältig, aufmerksam, der Etikette nach ungeniert doch für sie typisch. „Das ist viel Aufwand dafür, dass du hier in Ruhe leben möchtest.“, konstatierte sie dann nachdenklich. In Summe war es doch verdächtig. Kein Schwarz mehr. Lektüre, die Rittersporns lyrische Ergüsse beinhaltete. Sie nickte langsam. „Ich kann ihn dir gern persönlich vorstellen.“, meinte sie dann und wäre das Misstrauen nicht derartig präsent gewesen, hätte sie über die Vorstellung, Drazan mit dem Barden bekannt zu machen, laut gelacht und 100 Oren darauf gewettet, dass der Zauberer es keine fünf Minuten mit ihm an einem Tisch aushalten würde. „Rittersporn, meine ich.“ Sie hob in stummer Aufforderung eine Augenbraue. „Wenn es deine… Bemühungen und Zeit denn zulassen? Ich denke, sein Gasthaus kann guten Wein gut vertragen, so rein geschäftlich kann ich da sicher etwas für euch arrangieren?“ Sie war ihm nun nähergekommen und alles an ihr, Haltung, Mimik sprach deutlich dafür, dass sie ihm nicht so ganz glauben wollte. Eigentlich kein Wort davon. „Warum bist du hier, Drazan?“, fragte sie dann noch einmal.
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