23.10.2021, 20:19
Es gab nicht viel, mit dem sie sich effektiv die Zeit hätte vertreiben können und so hatte Saskia gezwungen tatenlos die Stunden mal sitzend, mal liegend, mal stehend und mal langsam durch die Zelle streifend verbracht, die Gitterstäbe gezählt, sich die Maserung des kleinen Tisches eingeprägt und den Wortfetzen gelauscht, die die Soldaten in der Nähe verloren. Aufschlussreich war nichts davon gewesen, offenbar war die Lage noch nicht übersichtlich genug, um den nächsten Zug der Truppe vorherzusagen aber offenbar geordnet genug, dass es mit jeder Stunde ruhiger und geordneter im Lager wurde – das zumindest bildete sie sich ein. Dass man sie warten ließ, überraschte sie kaum, unterstellte sogar Absicht und hätte sich auch nicht gewundert, wenn ihr persönlicher Wächter gar nicht mehr aufgetaucht wäre. Eine Strafe wäre es kaum für sie gewesen, denn eigentlich war sie wenig erpicht darauf, ihm Frage und Antwort zu stehen oder sich erneut von ihm vorführen zu lassen. Dennoch lauerte sie auf sein Erscheinen, denn ob sie wollte oder nicht – er war ihre einzige Möglichkeit, an einen Hauch Information über das Geschehen außerhalb des Zeltes zu kommen, auch wenn ihm danach sicherlich kaum der Sinn stand oder es ihm seine Position – oder sein verdammter Stolz - überhaupt erlauben würde.
Sein Auftritt war wiederum unspektakulär und riss Saskia nur langsam aus ihren Gedanken, denen sie, wieder auf dem Boden mit dem Rücken an das Bett gelehnt, nachhing. Sie beobachtete ihn dabei, wie er Platz nahm und hatte für seine übertriebene Gleichgültigkeit, die er ausstrahlte, nur ein müdes Lächeln über, das in einem kurzen Schnauben gipfelte. Sie streckte die angewinkelten Beine durch, überschlug sie ebenso wie er und verschränkte die Arme locker vor dem Körper, während ihre Augen den Bewegungen seiner Hände folgten und sie seine vermeintliche Begrüßung mit einem kurzen, tiefen durchatmen kommentierte. Seine Bereitschaft für Gespräche schien genau diese Worte lang anzuhalten, ehe er sich erneut in einem Monolog verlor, dem Saskia mit leicht schief gelegtem Kopf aufmerksam lauschte. Ihre Augenbrauen zogen sich derweil mehr und mehr zusammen und mit einem deutlich angespannten Augenaufschlag über sein Lamentieren über die Dummheit der Menschen löste sie nun den Blick von seinen Händen, schaute sie hinauf zu seinem Gesicht, in der Hoffnung dort zu erkennen, dass er seine Worte selbst nicht ernst meinte. Seine Rede entlockte ihr keinerlei Mitgefühl für die armen, unverstandenen magisch Begabten, deren Hang, sich über die normalen Menschen zu stellen, sie kein Stück als eben jenes angesprochene ‚gemeine Volk‘ machte und den sie durchaus als einen der Gründe für all das Misstrauen und die Missgunst, die man ihnen entgegenbrachte, ansah. Im Gegenteil – es führte ihr nur wieder vor Augen, dass das, wofür sie in den letzten Monaten, Jahren, eingestanden und gekämpft hatte, richtig und wichtig gewesen war. In der Niedermark hätte sie jemanden wie ihn eigenhändig auf die andere Seite der Grenzen befördert und ihm inniglich ans Herz gelegt, nie wieder mit solchen Gedanken in das freie Königreich zu kommen, hätte es keinen Platz für solche Ansichten gegeben. Aber da von dieser Niedermark nichts mehr übrig war und es derzeit keine Grenze gab, für deren Sicherheit sie sich verantwortlich zeigen konnte, senkte sie nur enttäuscht den Blick, bis er sie wieder direkt ansprach, auch wenn seine Frage nach Dingen, die sie interessierten, wahrscheinlich nur rhetorisch gestellt war und seine folgenden Worte ihren Puls deutlich beschleunigten. Sein Sticheln traf Saskia nicht dermaßen unvorbereitet wie am Vortag, dennoch ballten sich ihre Hände für einen kurzen Augenblick zu Fäusten, ehe sie sich um ein falsches Lächeln bemühte und seine vermeintlich gute Absicht damit zur Kenntnis nahm. „Für eine Gleichstellung sind noch zu viele Gitterstäbe zwischen uns, fürchte ich.“, antwortete sie dann mit leicht verengten Augen, während sie sich erhob. Sie zog sich nun selbst einen Stuhl heran und ließ sich ihm gegenüber auf diesem nieder, um ihm nun ohne drohende Nackenschmerzen in die Augen blicken zu können.
Sie hatte hunderte Fragen im Kopf, die sie ihm stellen wollte, fürchtete jedoch, dass er auf kaum eine davon halbwegs ehrlich oder überhaupt antworten würde. „Keine Frage.“, hob sie dann die Stimme, „Eine Bitte, stattdessen.“ Sie fürchtete, direkt von ihm unterbrochen zu werden und blickte ihn einen Moment lang abwartend und zweifelnd zugleich an, ehe sie weitersprach und sich das unangenehme Gefühl an den Handgelenken mit jedem Wort verstärkte. „Die Gefangenen, die ihr gemacht habt…“, sie sprach zögerlich, ahnte, dass alle Worte umsonst waren, „…sind gute, ehrenhafte Leute. Nicht alle von ihnen haben meine Entscheidung, sich Nilfgaard entgegenzustellen und Vergen bis zum bitteren Ende zu verteidigen, geteilt, dennoch sind sie mir loyal gefolgt.“ Sie senkte den Blick, auch wenn es eindeutig zu spät war, Entscheidungen anzuzweifeln. „Gönnt Ihnen einen gerechten Prozess, unter Ihnen sind einige der fähigsten Hände, die ihr in den Nordlanden finden könnt.“ Hoffentlich, fügte sie in Gedanken hinzu und während sich ihr Magen schmerzlich zusammenzog dachte sie an die Scoia’Tael, die, falls sie überlebt hatten, wohl kaum auf eine derartige faire Behandlung hoffen konnten, überragende Fähigkeiten und Loyalität ihr gegenüber hin oder her. Insgeheim zweifelte sie daran, dass der Zauberer die letzte Entscheidung über den Umgang mit den Gefangen tatsächlich selbst fällen würde, doch letztendlich wollte sie sich nicht den Vorwurf machen lassen, es nicht versucht zu haben. Sie hob schon fast beschwichtigend die Hände, um dann auf ihr eigenes Schicksal zurück zu kommen. „Für mein bisheriges Verhalten bitte ich indes um Verzeihung, insbesondere in Hinblick auf das weitere Vorgehen gegen meine Leute.“ Auch wenn dieses Eingeständnis nicht der ganzen Wahrheit entsprach kam es ihr durchaus glaubwürdig über die Lippen, auch wenn sie den Blickkontakt zum Zauberer in diesem Moment nicht wagte. Die Worte schmeckten bitter nach Verrat und nicht nur die Erkenntnis, in diesem Moment widerstandslos aufgegeben zu haben sorgte dafür, dass es tief in ihr wieder zu kochen begann – auch der erneut ausstrahlende Schmerz von den Dimeritirumfesseln ließ sie schmerzerfüllt für einen Moment die Kiefer aufeinanderpressen. „Als intelligenteres unter den Monstern werde ich Euch gern an meinem spärlichen Wissen über meine Art teilhaben lassen.“ Ihr fast schon drohender Tonfall der angestrengt gesagten Worte strafte sie sofort Lüge, doch für mehr ehrliche Zugeständnisse war es noch nicht an der Zeit.
Sein Auftritt war wiederum unspektakulär und riss Saskia nur langsam aus ihren Gedanken, denen sie, wieder auf dem Boden mit dem Rücken an das Bett gelehnt, nachhing. Sie beobachtete ihn dabei, wie er Platz nahm und hatte für seine übertriebene Gleichgültigkeit, die er ausstrahlte, nur ein müdes Lächeln über, das in einem kurzen Schnauben gipfelte. Sie streckte die angewinkelten Beine durch, überschlug sie ebenso wie er und verschränkte die Arme locker vor dem Körper, während ihre Augen den Bewegungen seiner Hände folgten und sie seine vermeintliche Begrüßung mit einem kurzen, tiefen durchatmen kommentierte. Seine Bereitschaft für Gespräche schien genau diese Worte lang anzuhalten, ehe er sich erneut in einem Monolog verlor, dem Saskia mit leicht schief gelegtem Kopf aufmerksam lauschte. Ihre Augenbrauen zogen sich derweil mehr und mehr zusammen und mit einem deutlich angespannten Augenaufschlag über sein Lamentieren über die Dummheit der Menschen löste sie nun den Blick von seinen Händen, schaute sie hinauf zu seinem Gesicht, in der Hoffnung dort zu erkennen, dass er seine Worte selbst nicht ernst meinte. Seine Rede entlockte ihr keinerlei Mitgefühl für die armen, unverstandenen magisch Begabten, deren Hang, sich über die normalen Menschen zu stellen, sie kein Stück als eben jenes angesprochene ‚gemeine Volk‘ machte und den sie durchaus als einen der Gründe für all das Misstrauen und die Missgunst, die man ihnen entgegenbrachte, ansah. Im Gegenteil – es führte ihr nur wieder vor Augen, dass das, wofür sie in den letzten Monaten, Jahren, eingestanden und gekämpft hatte, richtig und wichtig gewesen war. In der Niedermark hätte sie jemanden wie ihn eigenhändig auf die andere Seite der Grenzen befördert und ihm inniglich ans Herz gelegt, nie wieder mit solchen Gedanken in das freie Königreich zu kommen, hätte es keinen Platz für solche Ansichten gegeben. Aber da von dieser Niedermark nichts mehr übrig war und es derzeit keine Grenze gab, für deren Sicherheit sie sich verantwortlich zeigen konnte, senkte sie nur enttäuscht den Blick, bis er sie wieder direkt ansprach, auch wenn seine Frage nach Dingen, die sie interessierten, wahrscheinlich nur rhetorisch gestellt war und seine folgenden Worte ihren Puls deutlich beschleunigten. Sein Sticheln traf Saskia nicht dermaßen unvorbereitet wie am Vortag, dennoch ballten sich ihre Hände für einen kurzen Augenblick zu Fäusten, ehe sie sich um ein falsches Lächeln bemühte und seine vermeintlich gute Absicht damit zur Kenntnis nahm. „Für eine Gleichstellung sind noch zu viele Gitterstäbe zwischen uns, fürchte ich.“, antwortete sie dann mit leicht verengten Augen, während sie sich erhob. Sie zog sich nun selbst einen Stuhl heran und ließ sich ihm gegenüber auf diesem nieder, um ihm nun ohne drohende Nackenschmerzen in die Augen blicken zu können.
Sie hatte hunderte Fragen im Kopf, die sie ihm stellen wollte, fürchtete jedoch, dass er auf kaum eine davon halbwegs ehrlich oder überhaupt antworten würde. „Keine Frage.“, hob sie dann die Stimme, „Eine Bitte, stattdessen.“ Sie fürchtete, direkt von ihm unterbrochen zu werden und blickte ihn einen Moment lang abwartend und zweifelnd zugleich an, ehe sie weitersprach und sich das unangenehme Gefühl an den Handgelenken mit jedem Wort verstärkte. „Die Gefangenen, die ihr gemacht habt…“, sie sprach zögerlich, ahnte, dass alle Worte umsonst waren, „…sind gute, ehrenhafte Leute. Nicht alle von ihnen haben meine Entscheidung, sich Nilfgaard entgegenzustellen und Vergen bis zum bitteren Ende zu verteidigen, geteilt, dennoch sind sie mir loyal gefolgt.“ Sie senkte den Blick, auch wenn es eindeutig zu spät war, Entscheidungen anzuzweifeln. „Gönnt Ihnen einen gerechten Prozess, unter Ihnen sind einige der fähigsten Hände, die ihr in den Nordlanden finden könnt.“ Hoffentlich, fügte sie in Gedanken hinzu und während sich ihr Magen schmerzlich zusammenzog dachte sie an die Scoia’Tael, die, falls sie überlebt hatten, wohl kaum auf eine derartige faire Behandlung hoffen konnten, überragende Fähigkeiten und Loyalität ihr gegenüber hin oder her. Insgeheim zweifelte sie daran, dass der Zauberer die letzte Entscheidung über den Umgang mit den Gefangen tatsächlich selbst fällen würde, doch letztendlich wollte sie sich nicht den Vorwurf machen lassen, es nicht versucht zu haben. Sie hob schon fast beschwichtigend die Hände, um dann auf ihr eigenes Schicksal zurück zu kommen. „Für mein bisheriges Verhalten bitte ich indes um Verzeihung, insbesondere in Hinblick auf das weitere Vorgehen gegen meine Leute.“ Auch wenn dieses Eingeständnis nicht der ganzen Wahrheit entsprach kam es ihr durchaus glaubwürdig über die Lippen, auch wenn sie den Blickkontakt zum Zauberer in diesem Moment nicht wagte. Die Worte schmeckten bitter nach Verrat und nicht nur die Erkenntnis, in diesem Moment widerstandslos aufgegeben zu haben sorgte dafür, dass es tief in ihr wieder zu kochen begann – auch der erneut ausstrahlende Schmerz von den Dimeritirumfesseln ließ sie schmerzerfüllt für einen Moment die Kiefer aufeinanderpressen. „Als intelligenteres unter den Monstern werde ich Euch gern an meinem spärlichen Wissen über meine Art teilhaben lassen.“ Ihr fast schon drohender Tonfall der angestrengt gesagten Worte strafte sie sofort Lüge, doch für mehr ehrliche Zugeständnisse war es noch nicht an der Zeit.
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