23.10.2021, 20:17
Sie spürte, wie sie die Kontrolle verlor. Als ob sie sich selbst, zwei Meter neben sich stehend, betrachten konnte – ohne eingreifen zu können. Das bisschen Mensch, das in diesen Augenblicken noch denken konnte, hatte keinen Einfluss mehr auf das, was gerade geschah. Dieser kleine Teil hätte eigentlich spätestens jetzt dafür Sorge tragen müssen, die Hände in einer entschuldigenden Geste zu heben um dem jetzt Unausweichlichem zu entgehen, hätte seiner Drohung, seine Fähigkeiten zur Not tatsächlich auch einzusetzen, eindeutig mehr Beachtung schätzen sollen. Doch mochte Saskia in ihrer Rolle als Königin in Vergen den Ruf gehabt haben, eine besonnene und ausgeglichene Herrscherin zu sein – es entsprach nicht ihrer Natur und hatte sie Mühe gekostet, jeden Tag. Nur wenige, enge Vertraute wussten um Saskias Launenhaftigkeit und hatten oftmals in böser Erwartung die Luft angehalten und die Köpfe eingezogen, wenn in Vergen etwas nicht so lief, wie sie es sich vorstellte. Nur selten hatte ihre Selbstbeherrschung gebröckelt, doch in diesem Moment hätte Saskia nicht einmal mehr verstanden, was dieses Wort bedeuten sollte und nichts wäre ihr ferner gewesen, als sich irgendwie zu beherrschen zu wollen. Und daran änderte auch diese leise, warnende Stimme in ihrem Hinterkopf nicht mehr, die sich irgendwo zwischen dem Rauschen des Blutes in den Ohren und dem eigenen, lauten Herzschlag meldete. Den Schmerz, den der Zauber nun in ihr auslöste, nahm sie in ihrer Rage gar nicht erst als solchen wahr. Erst als ihre Sicht verschwamm und ihre Beine erneut nachgaben, als hätte man ihr einen Baumstamm in die Kniekehlen gerammt, wurde die Stimme der Vernunft wieder ein wenig lauter, bis sie kurz darauf gänzlich verstummte, als sie der Schmerz in die Ohnmacht trieb.
Sie hatte jegliches Zeitgefühl eingebüßt, als sie langsam aus einem tiefen aber wenig erholsamen Schlaf in einen noch weniger angenehmen Dämmerzustand glitt und ihre Sinne langsam wieder zusammensammelte. Auch wenn sie weder den Willen noch die Kraft aufbringen konnte, um die Lider zu öffnen, drehten sich im Kopf die Gedanken sowohl ruhe- als auch zusammenhangslos.
Sie hatte schon viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen, ohne Frage. Für Vergen zu kämpfen und sich dem Angriff von Nilfgaard entgegen zu stellen, gehörte nicht dazu. Sich nicht auf den Zauberer einzulassen, offenbar schon. Egal, wie man es auch mit den Magiern hielt, man machte es falsch: auf Philippa hatte sie sich eingelassen und teuer mit einem Teil ihrer Seele bezahlt. Hier hatte sie es nun anders machen wollen und als Belohnung für die vermeintlich gut begründete Entscheidung fühlte sie sich gerade mehr tot als lebendig. Obwohl sich die allgemeinen Schmerzen in Grenzen hielten, dröhnte in ihrem Kopf ein wirres Rauschen, von dem sie nicht wusste, ob es ein eingebildetes Geräusch oder nur ein Gefühl war. Oder Beides. Mit einem vom Schmerz erstickten Keuchen drehte sie sich auf ihre Seite und zog die Gliedmaßen eng an den Körper. Nicht, dass diese Position irgendeine Linderung brachte, doch mit dem Rücken zur offenen Zelle und dem Gefühl der eigenen Wärme auf der Haut, die ihr bedeutete, dass sie tatsächlich noch lebte, lag es sich eindeutig besser. Sie drückte sich die tauben Handballen auf die geschlossenen Lider.
Sie hätte gern jemandem den Vorwurf gemacht, auf so etwas nicht vorbereitet geworden zu sein. Niemand, nicht einmal sie selbst, hatte einen Gedanken auf ein Szenario verschwendet, in dem man Saesenthessis in einen magischen Käfig sperrte. Für die Schlacht von Vergen hatte es sowieso nur zwei mögliche Enden gegeben: den furchtbar unwahrscheinlichen Sieg oder den sicheren Tod. Niemand hatte daran gedacht, dass ausgerechnet in den feindlichen Reihen ein Zauberer stehen konnte, der um ihre wahre Natur wusste. Und sie selbst hatte wohl den eigenen Überlebensinstinkt unterschätzt, der ihr jetzt vorkam wie ein hinterhältiger Verrat an der ganzen Niedermark. Sie presste die Kiefer aufeinander. Zauberer. Angezogen von Macht wie Motten vom Licht, der Gefahr ungeachtet, sich die Flügel zu verbrennen.
Wie auf ein ungesagtes Stichwort hin, tauche er wieder in ihrer Zelle auf. Sie schlug die Augen auf, überlegte einen Moment lang, sich einfach weiterschlafend zu stellen, warf dann jedoch einen umständlichen Blick über ihre Schulter in seine Richtung, der fast schon vorwurfsvoll war, um sich dann jedoch wieder stur zur Wand zu drehen. Sie seufzte schwer in ihre Handflächen, hartnäckig war er auf jeden Fall. „Habt Ihr immer noch nicht alles gesagt für heute?“, fragte sie dann mit monotonem Tonfall.
Sie hatte jegliches Zeitgefühl eingebüßt, als sie langsam aus einem tiefen aber wenig erholsamen Schlaf in einen noch weniger angenehmen Dämmerzustand glitt und ihre Sinne langsam wieder zusammensammelte. Auch wenn sie weder den Willen noch die Kraft aufbringen konnte, um die Lider zu öffnen, drehten sich im Kopf die Gedanken sowohl ruhe- als auch zusammenhangslos.
Sie hatte schon viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen, ohne Frage. Für Vergen zu kämpfen und sich dem Angriff von Nilfgaard entgegen zu stellen, gehörte nicht dazu. Sich nicht auf den Zauberer einzulassen, offenbar schon. Egal, wie man es auch mit den Magiern hielt, man machte es falsch: auf Philippa hatte sie sich eingelassen und teuer mit einem Teil ihrer Seele bezahlt. Hier hatte sie es nun anders machen wollen und als Belohnung für die vermeintlich gut begründete Entscheidung fühlte sie sich gerade mehr tot als lebendig. Obwohl sich die allgemeinen Schmerzen in Grenzen hielten, dröhnte in ihrem Kopf ein wirres Rauschen, von dem sie nicht wusste, ob es ein eingebildetes Geräusch oder nur ein Gefühl war. Oder Beides. Mit einem vom Schmerz erstickten Keuchen drehte sie sich auf ihre Seite und zog die Gliedmaßen eng an den Körper. Nicht, dass diese Position irgendeine Linderung brachte, doch mit dem Rücken zur offenen Zelle und dem Gefühl der eigenen Wärme auf der Haut, die ihr bedeutete, dass sie tatsächlich noch lebte, lag es sich eindeutig besser. Sie drückte sich die tauben Handballen auf die geschlossenen Lider.
Sie hätte gern jemandem den Vorwurf gemacht, auf so etwas nicht vorbereitet geworden zu sein. Niemand, nicht einmal sie selbst, hatte einen Gedanken auf ein Szenario verschwendet, in dem man Saesenthessis in einen magischen Käfig sperrte. Für die Schlacht von Vergen hatte es sowieso nur zwei mögliche Enden gegeben: den furchtbar unwahrscheinlichen Sieg oder den sicheren Tod. Niemand hatte daran gedacht, dass ausgerechnet in den feindlichen Reihen ein Zauberer stehen konnte, der um ihre wahre Natur wusste. Und sie selbst hatte wohl den eigenen Überlebensinstinkt unterschätzt, der ihr jetzt vorkam wie ein hinterhältiger Verrat an der ganzen Niedermark. Sie presste die Kiefer aufeinander. Zauberer. Angezogen von Macht wie Motten vom Licht, der Gefahr ungeachtet, sich die Flügel zu verbrennen.
Wie auf ein ungesagtes Stichwort hin, tauche er wieder in ihrer Zelle auf. Sie schlug die Augen auf, überlegte einen Moment lang, sich einfach weiterschlafend zu stellen, warf dann jedoch einen umständlichen Blick über ihre Schulter in seine Richtung, der fast schon vorwurfsvoll war, um sich dann jedoch wieder stur zur Wand zu drehen. Sie seufzte schwer in ihre Handflächen, hartnäckig war er auf jeden Fall. „Habt Ihr immer noch nicht alles gesagt für heute?“, fragte sie dann mit monotonem Tonfall.
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