23.10.2021, 20:16
Saskia hätte ihm gern irgendwie deutlich gemacht, dass sie keinerlei Interesse hatte, sich weiter mit ihm auseinanderzusetzen. Sie wollte ihn nicht hören, nicht sehen und einfach nur einen Moment Ruhe – doch nicht einmal für einen Handwink, der ihm Schweigen bedeuten sollte, reichte ihre Kraft. Ein kurzes Zucken der Armmuskeln, mehr konnte sie nicht aufbringen. So stieß sie ein flaches Seufzen aus, blickte ihn aus halbgeschlossenen Lidern an, den Kopf leicht in den Nacken gelegt. Ihr nicht zu trauen und ihr die Fesseln nicht abzunehmen war eine für ihn lebenswichtige und folgerichtige Entscheidung, sie deutete ein schwaches Kopfnicken an. Auch wenn der wehrhafte Teil ihres Ichs gerade zusammengerollt in einer Ecke lag und sich die Wunden leckte – einen Drachen machte man mit ein paar Pfeilen im Körper und mit Belagerung von Angriffszaubern nicht schwächer, sondern wütender. Doch ihr menschlicher Körper war eindeutig an ihre Grenzen gekommen, aller überdurchschnittlichen Leidensfähigkeit zum Trotz. Umso mehr sehnte sich Saskia nach einer Stunde Schlaf, doch nicht einmal das schien man ihr zu gönnen. Sie benetzte langsam die trockenen Lippen mit der Zungenspitze. Seine halbgaren Mitleidsbekundungen über ihren Zustand entlockten ihr ein kurzes, spöttisches Lächeln, das jedoch kaum mehr als ein Zucken der Mundwinkel wurde. In Gedanken versprach sie ihm, dafür zu sorgen, irgendwann in den Genuss des Dimeritiums zu kommen und dann würde sie sich sehr gern mit ihm über diese grenzwertige Erfahrung unterhalten.
Seiner folgenden Abhandlung über die Lebendigkeit von Drachen konnte Saskia nur noch schwer folgen und der kurze Verdacht, einem Geisteskranken gegenüber zu sitzen machte sich in ihr breit. Sie wollte gerade Luftholen, um ihm ins Wort zu fallen und ihn darüber aufzuklären, dass seine Enzyklopädien offenbar nicht mehr wert waren als besseres Brennholz und offenbar einen ähnlich aufschlussreichen Inhalt hatten wie ein Span Birkenholz, brach dann jedoch ab und hob mühevoll die Hände, um sich die Augen zu reiben, die Ellenbogen dabei auf den Oberschenkeln abstützend. Eine wunderbar menschliche, erlernte Übersprungshandlung, ein stummes Bekenntnis, nicht so recht weiter zu wissen und der ausgelieferten Situation ziemlich überdrüssig zu sein. Sie verharrte mit dem Gesicht in den Händen einen Moment, ehe sie, den Kopf nun auf den Handflächen ruhend, wieder die Augen aufschlug, zweimal blinzelte und die Stille, die sich zwischen ihnen nun endlich ausgebreitet hatte, einen Moment wirken zu lassen. So war seine Anwesenheit tatsächlich irgendwie erträglich.
„Ich werde auch ohne Tränke und Tinkturen lebendig bleiben, keine Sorge. Gebt mir etwas Zeit und Ruhe und morgen bin ich schon wieder ganz die Alte. Lebendig, wie ein Drache nur sein kann.“ Schwang in ihrem letzten Satz so etwas wie eine Drohung mit? Sie kratzte sich beiläufig etwas getrocknetes Blut von der Wange. „Ich bin erstaunt über euren Mut. Und über die Leichtfertigkeit, mit denen ihr Verträge mit Euren „Freunden“ zu schließen scheint.“ Ein müdes Lächeln zuckte über ihre Lippen, für einen Moment dachte sie an all die Verträge, die sie in ihrem Leben schon geschlossen hatte, deren Vorbereitung oftmals länger angedauert hatten, als sie eingehalten wurden. „Es gibt gute Gründe dafür, warum eure Bücher offenbar große Lücken in den Kapiteln zu meiner Rasse aufweisen.“ Ihre Stimme blieb erstaunlich ruhig, fast schon gelangweilt blickte sie ihrem Gegenüber unverhohlen dabei in die Augen. „Versteht mich nicht falsch.“ Sie richtete sich etwas auf. „Vielleicht sollte ich mich dankbar dafür zeigen, dass jemandem etwas an meiner Unversehrtheit liegt.“ Sie blickte sich demonstrativ abschätzend in ihrer Zelle um. „Ich nehme dennoch an, dass diese Vereinbarung, die Ihr getroffen habt, nur für Einen von uns Beiden gut ausgehen wird.“ Sie legte eine kurze Pause ein, ehe sie leicht die Schultern anhob. „Und ich verliere nur ungern direkt zwei Mal hintereinander. Und daran ändert auch kein vermeintlicher gemeinsamer Freund etwas und auch keine gute Absicht, kein gemeinsames Ziel.“ So vermessen und arrogant, sich einzubilden, sie würde einfach Kleinbeigeben und sich wie ein dressierter Hund zur Verfügung stellen, nur um später irgendwo anders in Nilfgaard eingesperrt zu werden, konnte der Zauberer gar nicht sein. Momentan gab es kein alternatives und gutes Ende: früher oder später würde einer der Beiden einen Fehler begehen. Sie hatte dem Spiel, das gerade zwischen Ihnen begann, gerade die erste Regel verpasst: wer zuerst starb, hatte verloren. Und so ideen- und trickreich seine Zaubersprüche sein mochten – einen Drachen musste man erst einmal überleben. Dimeritiumketten hin oder her, Saskia war sich ziemlich sicher, dass auch diese irgendwann nachgeben würden. Einen Drachen im Todeskampf hielt wahrscheinlich kein Zauber der Welt auf, egal, in welchem Metall er gebunden war. „Eine Frage.“ Sie faltete die Hände ineinander. „Wie viele Gefangene außer mir habt ihr gemacht?“ Sie ahnte den groben Inhalt seiner Antwort, hatte die Frage vielleicht gerade gestellt, um ihm noch einmal vor Augen zu führen, unter welchen Umständen er da gerade Kooperation ihrerseits verlangte.
Seiner folgenden Abhandlung über die Lebendigkeit von Drachen konnte Saskia nur noch schwer folgen und der kurze Verdacht, einem Geisteskranken gegenüber zu sitzen machte sich in ihr breit. Sie wollte gerade Luftholen, um ihm ins Wort zu fallen und ihn darüber aufzuklären, dass seine Enzyklopädien offenbar nicht mehr wert waren als besseres Brennholz und offenbar einen ähnlich aufschlussreichen Inhalt hatten wie ein Span Birkenholz, brach dann jedoch ab und hob mühevoll die Hände, um sich die Augen zu reiben, die Ellenbogen dabei auf den Oberschenkeln abstützend. Eine wunderbar menschliche, erlernte Übersprungshandlung, ein stummes Bekenntnis, nicht so recht weiter zu wissen und der ausgelieferten Situation ziemlich überdrüssig zu sein. Sie verharrte mit dem Gesicht in den Händen einen Moment, ehe sie, den Kopf nun auf den Handflächen ruhend, wieder die Augen aufschlug, zweimal blinzelte und die Stille, die sich zwischen ihnen nun endlich ausgebreitet hatte, einen Moment wirken zu lassen. So war seine Anwesenheit tatsächlich irgendwie erträglich.
„Ich werde auch ohne Tränke und Tinkturen lebendig bleiben, keine Sorge. Gebt mir etwas Zeit und Ruhe und morgen bin ich schon wieder ganz die Alte. Lebendig, wie ein Drache nur sein kann.“ Schwang in ihrem letzten Satz so etwas wie eine Drohung mit? Sie kratzte sich beiläufig etwas getrocknetes Blut von der Wange. „Ich bin erstaunt über euren Mut. Und über die Leichtfertigkeit, mit denen ihr Verträge mit Euren „Freunden“ zu schließen scheint.“ Ein müdes Lächeln zuckte über ihre Lippen, für einen Moment dachte sie an all die Verträge, die sie in ihrem Leben schon geschlossen hatte, deren Vorbereitung oftmals länger angedauert hatten, als sie eingehalten wurden. „Es gibt gute Gründe dafür, warum eure Bücher offenbar große Lücken in den Kapiteln zu meiner Rasse aufweisen.“ Ihre Stimme blieb erstaunlich ruhig, fast schon gelangweilt blickte sie ihrem Gegenüber unverhohlen dabei in die Augen. „Versteht mich nicht falsch.“ Sie richtete sich etwas auf. „Vielleicht sollte ich mich dankbar dafür zeigen, dass jemandem etwas an meiner Unversehrtheit liegt.“ Sie blickte sich demonstrativ abschätzend in ihrer Zelle um. „Ich nehme dennoch an, dass diese Vereinbarung, die Ihr getroffen habt, nur für Einen von uns Beiden gut ausgehen wird.“ Sie legte eine kurze Pause ein, ehe sie leicht die Schultern anhob. „Und ich verliere nur ungern direkt zwei Mal hintereinander. Und daran ändert auch kein vermeintlicher gemeinsamer Freund etwas und auch keine gute Absicht, kein gemeinsames Ziel.“ So vermessen und arrogant, sich einzubilden, sie würde einfach Kleinbeigeben und sich wie ein dressierter Hund zur Verfügung stellen, nur um später irgendwo anders in Nilfgaard eingesperrt zu werden, konnte der Zauberer gar nicht sein. Momentan gab es kein alternatives und gutes Ende: früher oder später würde einer der Beiden einen Fehler begehen. Sie hatte dem Spiel, das gerade zwischen Ihnen begann, gerade die erste Regel verpasst: wer zuerst starb, hatte verloren. Und so ideen- und trickreich seine Zaubersprüche sein mochten – einen Drachen musste man erst einmal überleben. Dimeritiumketten hin oder her, Saskia war sich ziemlich sicher, dass auch diese irgendwann nachgeben würden. Einen Drachen im Todeskampf hielt wahrscheinlich kein Zauber der Welt auf, egal, in welchem Metall er gebunden war. „Eine Frage.“ Sie faltete die Hände ineinander. „Wie viele Gefangene außer mir habt ihr gemacht?“ Sie ahnte den groben Inhalt seiner Antwort, hatte die Frage vielleicht gerade gestellt, um ihm noch einmal vor Augen zu führen, unter welchen Umständen er da gerade Kooperation ihrerseits verlangte.
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