23.10.2021, 20:15
Sie konnte immer noch nicht entscheiden, was schwerer auf ihrer Seele wog – der Anblick ihrer Stadt, die in Schutt und Trümmern lag oder die Blicke von Genugtuung und Hohn triefenden Blicke der nilfgaardischen Soldaten, an denen man sie vorbei geschoben hatte, wie ein Stück Vieh, das man zur Schlachtbank trieb. Die Rückkehr in die noch warme, schwelende Asche ihrer Heimatstadt, auf deren Mauern sie noch am vorigen Tag Seite an Seite mit Zwergen, Elfen und Menschen gegen die Übermacht gekämpft hatte, war wohl das größte Übel, das man ihr an diesem Tag antun konnte. Von ihrem Vergen war nichts mehr übriggeblieben, das an so etwas wie einen lebenswerten Ort erinnerte. Die Gewissheit, dass sie an der Zerstörung alles andere als unschuldig war, hatte den Anblick noch unerträglicher gemacht. Nur wenigen Leichen, die sie erspähen konnte, hatte sie einen Namen zuordnen können. Zu viele waren ihrem eigenen Feuer oder den nilfgaardischen Zaubern zum Opfer gefallen und somit dermaßen entstellt, als das man auch nur Rückschlüsse auf die Rasse ziehen konnte. Dass unter ihren auch Soldaten der goldenen Sonne waren, machte keinen Unterschied mehr.
Nach dem puren Entsetzen war die Wut gefolgt. Der Schock über den Zustand Vergens hatte den zwei jungen Zauberern genug Zeit verschafft, um sie ohne Widerstand ihrerseits in das Zelt zu führen, in dem entsprechende Vorkehrungen getroffen worden waren, um sie sicher zu verwahren. Während der Zauberer zur ihrer Rechten vor der Tür der Zelle seinen Posten an ihrer Seite verließ, um diese zu öffnen, nutzte Saskia den kurzen Moment der Unachtsamkeit jedoch, um dem Mann zu ihrer Linken ungebremst, nach einem weiten Ausholen mit den zusammengeketteten Armen, eben jene Dimeritriumfesseln unter den Kiefer zu schlagen, den eigenen Schmerzen in den Handgelenken zum Trotz. „Deshalb fesselt man die Hände auf dem Rücken!“, brach es dabei ungehalten aus ihr heraus. Der Ausdruck in ihren Augen sprach deutlich, dass sie keine Nachhilfestunde in der sicheren Feststellung von Gefangenen geben wollte – sondern durchaus nach einem Leben trachtete. Sie setzte seinem taumelnden Ausweichen hinterher und holte gerade zu einem weiteren Hieb aus, als sie ein Zauber des anderen Handlagers jäh in den Rücken traf und sie abrupt in die Knie zwang.
Es hatte eine Weile gebraucht, bis der Schwindel, den der Zauber mit sich gebracht hatte, nachließ und sie wieder klar sehen konnte, nachdem man sie grob unter wüsten Beschimpfungen und Flüchen in die Zelle geschliffen hatte. Mit dem Rücken an das Bett gelehnt, das man ihr gegönnt hatte, hatte sie reglos verharrt, um ihre Sinne wieder zusammen zu sammeln, bis sie sich nun endlich soweit bewegen konnte, um umständlich die Decke von der Matratze zu ziehen und sich darin unbeholfen einzuwickeln. Mit den klaren Gedanken kam die Erkenntnis wieder, dass sie immer noch nackt war und nun auch noch eingesperrt wie ein wildes Tier auf dem buchstäblichen Präsentierteller hockte – schützendes Zelt um sich hin oder her. Die Tatsache, dass sie dem Zauberer den Kiefer gebrochen hatte, befriedigte sie kein Stück. Sie sank ein Stück zusammen, zog die Beine an den Körper und hob ihre schmerzenden Handgelenke unter der Decke hervor in ihr Blickfeld. Ein Paar harmlos aussehende Schellen und ein paar schwere Kettenglieder, mehr hielt sie nicht davon ab, das Lager in Brand zu setzen. Sie schüttelte mit malmendem Kiefer den Kopf. Ein paar verdammte Dimeritiumfesseln…
Erst als der Zauberer in das Zelt trat, wandte sie ihren Blick von ihren Handgelenken ab. Nur langsam drehte sie ihren Kopf in seine Richtung, verengte misstrauisch die blauen Augen, als ihr Augenmerk auf die Holzkiste in seinem Griff fiel. Begleitet von einem leisen Klirren der Kettenglieder ließ bettete sie ihre Hände auf den von der Decke bedeckten Knien, abwartend und doch aufmerksam lauernd. Hatte sie es auf dem Weg nach Vergen tunlichst vermieden, ihren persönlich abkommandierten Wachhund anzusehen, holte sie dies nun nach, ließ ihren Blick unverhohlen offen und direkt über ihn schweifen. Nicht, dass er etwas von ihrem Maßnehmen bemerkte, während er in seiner Kiste kramte und dabei anfing zu reden. Seine Worte veranlassten sie tatsächlich dazu, einen suchenden Blick nach Kleidung durch die Zelle schweifen zu lassen. Ihre Brauen zogen sich skeptisch zusammen – da schien jemand seine Schäfchen nicht gut im Griff zu haben. Sie hätte ihn gern offen darauf hingewiesen, dass er sich auf die Umsetzung seiner Befehle offenbar nicht verlassen konnte, doch er kam ihr mit einem weiteren Redeschwall zuvor, der sie jedoch hellhörig werden ließ. Gemeinsame Freunde und Unversehrtheit? Saskia schwante Böses, während sich ihre Nackenhaare aufstellten und sie sich aus ihrer zusammengekauerten Position ein wenig aufrichtete und nun endlich einen direkten Blick von ihm erwidern konnte. Obwohl seine Worte ohne Frage ihre Neugier und ihr Interesse weckten, traute sie ihm jedoch gleichzeitig keinen Schritt über den Weg – was seine unterschwellige Androhung, sie als Forschungsobjekt zu nutzen, nicht gerade besser machte. Sie schüttelte mit einer stummen Warnung im Blick den Kopf. Wenn ihm sein Leben lieb wäre, würde er daran nicht einmal einen Gedanken verschwenden, auch wenn sie seinem gut gemeinten Rat, ihre eigene Besonderheit geheim zu halten, nun mit einem schwachen, spöttischen Lächeln zustimmte. Schwachkopf. Als ob sie in den letzten Jahren damit hausieren gegangen wäre. Mit jedem Wort, das er aussprach, spürte sie mehr und mehr den Drang, zwischen die Gitterstäbe zu langen und zu testen, wie lange ein Zauberer einer zugedrückten Kehle standhielt. Ihre Fäuste ballten sich, während sie ihren Nacken räkelte, während er ihre Namen aussprach, in einer Art und Weise, die ihren Puls schlagartig in die Höhe schnellen ließ. Sie spürte, wie sich eine kribbelnde Hitze vom Herzen ausgehend unter der Haut ausbreitete, die jedoch jäh in schmerzende Kälte umschlug, als sie den Fesseln nahekam. Ein leises Knurren entfuhr ihr, das eindeutig nicht mehr menschlich klang. Und auch der drohende Blick, den sie nun zu ihm hinauf war von uralter, ursprünglicher Natur. Mit einer fließenden Bewegung richtete sich Saskia nun auf, die Decke unbeachtet auf dem Boden liegen lassend, sogleich die wenigen Schritte bis zu den Gitterstäben in seine Richtung überwindend. „In Eurer Sprache würde mein Name wohl „Die, die keine Kleider trägt“ lauten.“ Sie legte eine bedeutungsschwere Pause ein und hob dann demonstrativ die Handgelenke. „Oder auch: „Die, die keine Ankleidezauber beherrscht“. Unsere Freunde übersetzen Euch dies sicher gern, wenn Ihr sie um Aufklärung ersucht.“ Ihm dürfte nicht entgangen sein, dass sie seinen Tonfall dabei nahezu perfekt imitierte. „Das fliegende Monster macht sich sowieso nichts aus Namen, im Gegensatz zur furchtbar besonderen Saskia.“ Ihre eigenen Worte schmeckten bitter. Sie schnaubte spöttisch, ehe sie mit einem resignierenden Kopfneigen den Blick abwandte.
Nach dem puren Entsetzen war die Wut gefolgt. Der Schock über den Zustand Vergens hatte den zwei jungen Zauberern genug Zeit verschafft, um sie ohne Widerstand ihrerseits in das Zelt zu führen, in dem entsprechende Vorkehrungen getroffen worden waren, um sie sicher zu verwahren. Während der Zauberer zur ihrer Rechten vor der Tür der Zelle seinen Posten an ihrer Seite verließ, um diese zu öffnen, nutzte Saskia den kurzen Moment der Unachtsamkeit jedoch, um dem Mann zu ihrer Linken ungebremst, nach einem weiten Ausholen mit den zusammengeketteten Armen, eben jene Dimeritriumfesseln unter den Kiefer zu schlagen, den eigenen Schmerzen in den Handgelenken zum Trotz. „Deshalb fesselt man die Hände auf dem Rücken!“, brach es dabei ungehalten aus ihr heraus. Der Ausdruck in ihren Augen sprach deutlich, dass sie keine Nachhilfestunde in der sicheren Feststellung von Gefangenen geben wollte – sondern durchaus nach einem Leben trachtete. Sie setzte seinem taumelnden Ausweichen hinterher und holte gerade zu einem weiteren Hieb aus, als sie ein Zauber des anderen Handlagers jäh in den Rücken traf und sie abrupt in die Knie zwang.
Es hatte eine Weile gebraucht, bis der Schwindel, den der Zauber mit sich gebracht hatte, nachließ und sie wieder klar sehen konnte, nachdem man sie grob unter wüsten Beschimpfungen und Flüchen in die Zelle geschliffen hatte. Mit dem Rücken an das Bett gelehnt, das man ihr gegönnt hatte, hatte sie reglos verharrt, um ihre Sinne wieder zusammen zu sammeln, bis sie sich nun endlich soweit bewegen konnte, um umständlich die Decke von der Matratze zu ziehen und sich darin unbeholfen einzuwickeln. Mit den klaren Gedanken kam die Erkenntnis wieder, dass sie immer noch nackt war und nun auch noch eingesperrt wie ein wildes Tier auf dem buchstäblichen Präsentierteller hockte – schützendes Zelt um sich hin oder her. Die Tatsache, dass sie dem Zauberer den Kiefer gebrochen hatte, befriedigte sie kein Stück. Sie sank ein Stück zusammen, zog die Beine an den Körper und hob ihre schmerzenden Handgelenke unter der Decke hervor in ihr Blickfeld. Ein Paar harmlos aussehende Schellen und ein paar schwere Kettenglieder, mehr hielt sie nicht davon ab, das Lager in Brand zu setzen. Sie schüttelte mit malmendem Kiefer den Kopf. Ein paar verdammte Dimeritiumfesseln…
Erst als der Zauberer in das Zelt trat, wandte sie ihren Blick von ihren Handgelenken ab. Nur langsam drehte sie ihren Kopf in seine Richtung, verengte misstrauisch die blauen Augen, als ihr Augenmerk auf die Holzkiste in seinem Griff fiel. Begleitet von einem leisen Klirren der Kettenglieder ließ bettete sie ihre Hände auf den von der Decke bedeckten Knien, abwartend und doch aufmerksam lauernd. Hatte sie es auf dem Weg nach Vergen tunlichst vermieden, ihren persönlich abkommandierten Wachhund anzusehen, holte sie dies nun nach, ließ ihren Blick unverhohlen offen und direkt über ihn schweifen. Nicht, dass er etwas von ihrem Maßnehmen bemerkte, während er in seiner Kiste kramte und dabei anfing zu reden. Seine Worte veranlassten sie tatsächlich dazu, einen suchenden Blick nach Kleidung durch die Zelle schweifen zu lassen. Ihre Brauen zogen sich skeptisch zusammen – da schien jemand seine Schäfchen nicht gut im Griff zu haben. Sie hätte ihn gern offen darauf hingewiesen, dass er sich auf die Umsetzung seiner Befehle offenbar nicht verlassen konnte, doch er kam ihr mit einem weiteren Redeschwall zuvor, der sie jedoch hellhörig werden ließ. Gemeinsame Freunde und Unversehrtheit? Saskia schwante Böses, während sich ihre Nackenhaare aufstellten und sie sich aus ihrer zusammengekauerten Position ein wenig aufrichtete und nun endlich einen direkten Blick von ihm erwidern konnte. Obwohl seine Worte ohne Frage ihre Neugier und ihr Interesse weckten, traute sie ihm jedoch gleichzeitig keinen Schritt über den Weg – was seine unterschwellige Androhung, sie als Forschungsobjekt zu nutzen, nicht gerade besser machte. Sie schüttelte mit einer stummen Warnung im Blick den Kopf. Wenn ihm sein Leben lieb wäre, würde er daran nicht einmal einen Gedanken verschwenden, auch wenn sie seinem gut gemeinten Rat, ihre eigene Besonderheit geheim zu halten, nun mit einem schwachen, spöttischen Lächeln zustimmte. Schwachkopf. Als ob sie in den letzten Jahren damit hausieren gegangen wäre. Mit jedem Wort, das er aussprach, spürte sie mehr und mehr den Drang, zwischen die Gitterstäbe zu langen und zu testen, wie lange ein Zauberer einer zugedrückten Kehle standhielt. Ihre Fäuste ballten sich, während sie ihren Nacken räkelte, während er ihre Namen aussprach, in einer Art und Weise, die ihren Puls schlagartig in die Höhe schnellen ließ. Sie spürte, wie sich eine kribbelnde Hitze vom Herzen ausgehend unter der Haut ausbreitete, die jedoch jäh in schmerzende Kälte umschlug, als sie den Fesseln nahekam. Ein leises Knurren entfuhr ihr, das eindeutig nicht mehr menschlich klang. Und auch der drohende Blick, den sie nun zu ihm hinauf war von uralter, ursprünglicher Natur. Mit einer fließenden Bewegung richtete sich Saskia nun auf, die Decke unbeachtet auf dem Boden liegen lassend, sogleich die wenigen Schritte bis zu den Gitterstäben in seine Richtung überwindend. „In Eurer Sprache würde mein Name wohl „Die, die keine Kleider trägt“ lauten.“ Sie legte eine bedeutungsschwere Pause ein und hob dann demonstrativ die Handgelenke. „Oder auch: „Die, die keine Ankleidezauber beherrscht“. Unsere Freunde übersetzen Euch dies sicher gern, wenn Ihr sie um Aufklärung ersucht.“ Ihm dürfte nicht entgangen sein, dass sie seinen Tonfall dabei nahezu perfekt imitierte. „Das fliegende Monster macht sich sowieso nichts aus Namen, im Gegensatz zur furchtbar besonderen Saskia.“ Ihre eigenen Worte schmeckten bitter. Sie schnaubte spöttisch, ehe sie mit einem resignierenden Kopfneigen den Blick abwandte.
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